Elternarbeit und Medieneinsatz "Gesunde Ernährung"
Referent: Antonio DiazFachtag Elternbriefe
"Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?"Elternarbeit und Medieneinsatz zu Kitathemen
Referent: Iman El-HusseinElternarbeit und Medieneinsatz "Bildungschancen"
Referent: Antonio DiazTag der offenen Tür im ANE
Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" am Freitag, dem 8. Juni 2012 von 14:00 Uhr bis 20:00 Uhr - Informationen und Gespräche für Eltern und ein buntes Kinderprogramm."Generationsübergreifende Folgen nach Krieg, Flucht, Vertreibung und Emigration"
Vortrag von Anita KnapekBerlin, 08.06.2012, 09:00 - 14:00 "Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?" Programm und Anmeldung
Berlin, 08.06.2012, 14:00 - 20:00 Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" Anmeldung
Erziehungstipps für Migrantenfamilien aus dem arabischen Sprachraum.
Sprachentwicklung und Sprachförderung in 10 Sprachen
"Wie Babys sich entwickeln" - Kurzfilme für junge Eltern.


Lisa muss klettern, Katharina will schaukeln, und wenn Felix nicht rennen darf, ist er unausstehlich. Für Philipp ist ein Tag ohne Sand ein verlorener Tag, und Paul geht niemals ohne seine rote Schippe vor die Tür. Könnte doch sein, dass es unterwegs was umzugraben gibt – und ohne rote Schippe steht man dann dumm da ... (1)
Paul lernt eine Menge, wenn er mit seiner Schippe unterwegs ist: zum Beispiel, dass er nur in einem weichen Untergrund mit ihr graben kann, nicht aber auf Stein, dass er Sand auf die Schippe nehmen kann, aber kein Wasser. Er erfährt, dass manche Menschen ihn freundlich ansprechen, weil er eine so hübsche rote Schippe hat (das macht ihn etwas verlegen), und dass andere ärgerlich werden, weil er ihnen – mitten auf dem Gehweg und ganz versunken in seine Tätigkeit – im Weg ist. Er lernt auch, Entscheidungen zu treffen: nehme ich die rote Schippe mit oder lieber den blauen Ball? - und dass diese Entscheidung Auswirkungen hat auf das, was hinterher passiert (mit der Schippe kann man alleine graben, aber mit dem Ball kann man hervorragend mit Felix spielen).
Diese Erfahrungen als Lernprozesse zu begreifen, hat in Deutschland zu einer neuen Diskussion über den Bildungsbegriff geführt. Bildung wurde bei uns bisher vor allem als Wissensvermittlung in Schulen und Hochschulen verstanden, in denen nach einem vorgegebenen Lehrplan unterrichtet wird. Mit diesem Bildungsverständnis standen wir im internationalen Vergleich ziemlich allein da. Dass daran etwas falsch sein muss, wissen wir mindestens seit der PISA-Studie: In anderen europäischen Ländern, in denen die Kinder mit ihren Neigungen und Interessen im Mittelpunkt stehen und nicht der Lehrplan, hatte man bei PISA bessere Ergebnisse erreicht. Während aber der Streit über eine konsequente Reform des deutschen Schulsystems noch voll im Gang ist, ist im vorschulischen Bereich bundesweit eine Art gemeinsamer neuer Bildungsphilosophie entstanden, die in der Öffentlichkeit mit zunehmendem Interesse diskutiert wird und in der Politik zu umfassenden Reformen geführt hat.
Kern des neuen Bildungsverständnisses ist die Erkenntnis, dass Kinder sich von Geburt an selbst bilden. Diesen Selbstbildungsprozess beschreibt Dr. Christa Preissing, unter deren Leitung das Berliner Bildungsprogramm für Kitas entstanden ist, so: „Kinder bilden sich aus eigenem Antrieb. Sie probieren sich selbst und ihre Kräfte aus; sie finden durch Versuch und Irrtum heraus, wie andere auf ihr Verhalten und ihre Aktionen reagieren. Dabei lernen sie bereits früh die Verschiedenheit der anderen Menschen in ihrer Umgebung kennen. Sie experimentieren mit den Dingen und Ereignissen in ihrer Umwelt und finden heraus, ob und wie sie selbst durch eigene Tätigkeit darauf Einfluss nehmen können. Sie machen sich dabei ihr Bild von sich selbst, von den anderen und von der Welt, in der sie aufwachsen.“ (2)
Dass Kinder sich selbst bilden (und zwar grundsätzlich – sie können gar nicht anders), heißt nicht, dass man sie dabei allein lassen darf. Kinder brauchen Erwachsene, die das spezifische Bildungsinteresse in ihren Aktivitäten wahrnehmen, ihren Wissensdrang unterstützen und das, was sie leisten, anerkennen. Dabei kommt den Erwachsenen (Eltern wie Erzieherinnen) eine enorme Bedeutung zu: Wenn Vera stolz das Bild präsentiert, das sie gerade gemalt hat, werden Mutter und/oder Vater sich zunächst einmal die dazu gehörige „Geschichte“ erzählen lassen. Schon ihre Aufmerksamkeit zeigt dem Kind, dass es etwas geleistet hat, das Anerkennung verdient. Wenn das Kunstwerk dann in der Küche aufgehängt wird, platzt Vera fast vor Stolz. Dabei ist nicht wichtig, ob die Darstellung auf dem Papier „richtig“ ist, i.S. von realistisch in Form und Farbe. Vera hat gelernt, etwas, das ihr wichtig ist, mit Farben auszudrücken und dabei den Umgang mit Farben geübt. Sie erfährt, dass das Malen eine wertvolle Tätigkeit ist; sie lernt, dass das Bild im Wohnzimmer nicht nur so an der Wand hängt, sondern ahnt, dass sich der Maler dabei etwas gedacht hat und dass jedes Bild eine „Geschichte“ erzählt.
Je älter die Kinder werden, um so mehr Anregungen brauchen sie, um das, was um sie herum vorgeht, deuten zu können. Dabei wird, neben den Erwachsenen, die Begegnung mit Gleichaltrigen immer wichtiger: „Im Kindergartenalter werden die Beziehungen in der Kindergemeinschaft zu einem wesentlichen Motor der Entwicklung des Weltbildes“, heißt es dazu im Berliner Bildungsprogramm (3). In der Kita, zusammen mit anderen Kindern unterschiedlichen Alters und verschiedener Herkunft lernen Kinder, dass manche Menschen ganz alltägliche Dinge anders handhaben als sie selbst. Wie z.B. Jill und Canan, die etwas ratlos vor ihrem Frühstücksei sitzen, weil in ihren Familien und dort, wo sie herkommen - in Michigan und in Anatolien -, keine Eierbecher benutzt werden.
Oder Daniel, der nicht so gern malt. Er baut lieber mit Holzklötzen – aber wenn man ihn zu seinen Türmen befragt, erzählt er darüber ebenso aufregende Geschichten wie Vera zu ihrem Bild. Vera und Daniel lernen, ihre Werke und Erfahrungen zu vergleichen und darüber zu kommunizieren, sie lernen verschiedene Techniken und Vorlieben kennen, und dass Menschen unterschiedlich sind (was mag oder tut jemand gerne, was findet wer „schön“ und warum?). Sie lernen, Unterschiede zu tolerieren und zu respektieren, Verantwortung für sich und andere zu übernehmen und Konflikte auszutragen. In der Kita lernen sie nicht nur von und mit Erwachsenen, sondern vor allem von und mit gleichaltrigen, jüngeren und älteren Kindern.
Um allen Kindern in Deutschland solche Bildungsprozesse schon im Vorschulalter zu ermöglichen, hat seit 1996 jedes Kind ab seinem 3. Lebensjahr einen Anspruch auf einen Kindergartenplatz.

Verbindliche Bildungsprogramme zur Umsetzung des Kinderrechts auf Bildung
Mit der Vorlage von Bildungsprogrammen für den Vorschulbereich reagiert die Politik auf die breite Bildungsdiskussion der letzten Jahre. Die Debatte über das Kinderrecht auf Bildung und der Blick auf Europa hatten die Mängel des deutschen Vorschulsystems allzu deutlich werden lassen. (Wir haben im November 2003 ausführlich darüber berichtet.)
Lange Zeit galten Kindergärten als „Betreuungseinrichtungen“. Das wissenschaftliche und öffentliche Interesse an der Bildung im Vorschulalter war gering, die Schule nahm sie schlicht nicht zur Kenntnis und verankerte ihren Begriff von „Bildung“ als einzig gültigem im gesellschaftlichen Bewusstsein. Auch heute noch wird dem Kindergarten in der öffentlichen Diskussion eher eine Betreuungs- als eine Bildungsfunktion zugewiesen - insbesondere dann, wenn es um die Entlastung für berufstätige Eltern geht, statt um Lernorte für Kinder. Begründet wird diese Position häufig mit dem alleinigen Erziehungsrecht der Eltern (§ 6 Grundgesetz). Diese Argumentation wird aber weder dem Bildungsrecht der Kinder noch den zukünftigen Anforderungen gerecht, mit denen sich die nachfolgende Generation auseinandersetzen muss: Unsere Kinder werden Teil einer Wissens- und Informationsgesellschaft sein, in der Bildungsinhalte nicht in einem fest umrissenen Bildungskanon vorgegeben sind, sondern in hohem Maße eigenverantwortlich erschlossen werden müssen. Sie werden in multiethnischen Gesellschaften leben, in denen unterschiedliche Erfahrungen und Leitbilder aufeinander treffen und ausbalanciert werden müssen. Und: sie müssen auf ein vereintes Europa vorbereitet werden. Diese Herausforderungen sind mit Quantität (mehr Kindertagesstätten) allein nicht zu meistern. Sie erfordern eine neue Qualität der Bildung, in der das Kind aus seinem „hierarchischen Abhängigkeitsverhältnis entlassen, als Subjekt seiner Bildung ins Zentrum des Interesses gerückt und als hochkompetent wahrgenommen und respektiert wird“ (4), wie das Bundesjugendkuratorium in seinem Positionspapier zur Förderung von Kindern unter sechs Jahren formuliert.
Diesem Anspruch wollen die Bundesländer mit ihren Bildungsprogrammen Geltung verschaffen. Zwar besteht schon seit Einführung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes 1990/91 ein Bildungsauftrag für Kindertagesstätten. Diesem Auftrag lag aber keine verbindliche Konzeption zu Grunde. Ausgehend davon, dass die „Bedeutung frühkindlicher Bildungsprozesse zu groß [ist], um ihre Förderung allein vom Engagement einzelner Personen in den Kindertageseinrichtungen oder einzelner Träger abhängig zu machen“, verständigten sich deshalb die Jugendminister aller Bundesländer im Mai 2004 mit einem Beschluss über Ländergrenzen hinweg auf pädagogische Grundsätze der Bildungsarbeit in den Kindergärten. Darin werden Kindertageseinrichtungen „als unentbehrlicher Teil des öffentlichen Bildungswesens“ verstanden und als „Bildungsinstitutionen mit eigenem Profil“ (5). Bildungsziele und –aufgaben werden ausdrücklich als Anforderungen an die Einrichtung formuliert, nicht als Leistungsnormen, die das Kind zu erbringen hat.
Diese Haltung findet sich in allen Bildungsprogrammen wieder, unabhängig davon, ob sie als Leitlinien (Thüringen), als Bildungsprogramm (Berlin) oder als dickes Vorschulkompendium (Bayern) erscheinen. Keinem der Bundesländer geht es bei der Einführung von Bildungsprogrammen für Kindergärten und Kitas darum, Kinder fit für die Schule zu machen oder gar schulisches Lernen im Vorschulalter vorwegzunehmen. Vielmehr knüpfen sie in der Beschreibung ihrer Ziele unmittelbar an der Lebenswelt der Kinder an und beschreiben den kindliche Bildungsprozess als kontinuierlichen Prozess der Aneignung der Welt und der Sinnkonstruktion - von der Familie über den Kindergarten bis hinein in die Grundschule.
Die Bildungsprogramme definieren den Bildungsauftrag, den jedes Bundesland an seine Kindertageseinrichtungen und die darin arbeitenden pädagogischen Fachkräfte stellt. Eine der zentralen Forderung ist die nach Chancengerechtigkeit für alle Kinder, unabhängig von ihrem Alter, ihrem Geschlecht, ihrer sozialen oder ethnischen Herkunft und unabhängig davon, ob sie in ihrer Entwicklung eingeschränkt oder hochbegabt sind. Eine weitere Anforderung betrifft die Umsetzung der pädagogischen Ziele: Sie soll in einer Konzeption festgehalten werden, die das Profil der Einrichtung für Eltern und die Öffentlichkeit transparent macht und in ihrer Qualität überprüfbar sein muss. Damit verbunden ist die Anforderung, die Bildungsprozesse der Kinder systematisch zu dokumentieren und die pädagogischen Arbeit regelmäßig evaluieren zu lassen.
Darüber hinaus enthalten die Bildungsprogramme Aussagen über die Zusammenarbeit mit den Eltern und der Grundschule sowie für die Ausbildung des pädagogischen Personals.
Wir haben die Bildungsprogramme der einzelnen Bundesländer in einer Synopse der Bildungsprogramme
Der neuen Bildungsauftrag für Kindergärten und Kitas
Lernangebote wurden Kindern auch in der Vergangenheit gemacht – und mit mehr oder minder großem Erfolg von den Kindern angenommen. Das Problem liegt weniger in den Angeboten selbst; es liegt darin, dass sie von den Erzieherinnen und Erziehern ausgewählt und an die Kinder herangetragen werden. Dabei stehen die Erwartungen der Erwachsenen an das Lernergebnis und an das Verhalten der Kinder im Mittelpunkt. Auch Vorgaben der Einrichtung, Abläufe und Regeln, auf die man sich im Lauf der Zeit geeinigt hat, fließen in die Angebotsgestaltung ein. In der bisher praktizierten Pädagogik muss sich das Kind diesen Vorgaben unterordnen.
Das Neue an dem neuen Bildungsauftrag ist, dass das Kind mit seinem Wissens- und Entdeckungsdrang, mit seiner Neugier, seinen Interessen und seinen Fähigkeiten zum Zentrum und Ausgangspunkt des pädagogischen Handelns wird: Das Kind selbst ist Akteur und Subjekt seines eigenen Bildungsprozesses. Alles andere – Angebotspalette, Tagesablauf und Struktur der Einrichtung, selbst die Erwartungshaltung der Erwachsenen (der Erzieherin wie der Eltern) – muss diesem Ziel untergeordnet werden.
Dieser Anspruch bedeutet eine qualitative Veränderung im Verständnis pädagogischen Handelns: Ausschlaggebend ist nicht, mehr von dem zu machen, was bisher angeboten wurde, sondern das Bisherige anders und neu, nämlich aus der Kinderperspektive, zu denken.
Damit sind hohe Erwartungen an die Einrichtung und an die Fachlichkeit der Erzieherinnen verbunden: Die Kita muss die Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass sich die Kinder im Verlauf der Zeit, die sie im Kindergarten verbringen, ein möglichst umfassendes Bild von der Welt machen können. Als Konstrukteur seiner Aneignung der Welt macht sich das Kind dazu zunächst ein Bild von sich selbst, im Kindergarten dann von sich in der Gruppe. Erst wenn es sich selbst einschätzen und sich ins Verhältnis zu anderen setzen kann, wird es die Welt aus unterschiedlicher Perspektive betrachten und reflektieren können. Aufgabe der Erzieherinnen und Erzieher ist es, diesen Prozess als Ko-Konstrukteure zu fördern. Und zwar bei jedem Kind, unabhängig von seinem Alter oder Geschlecht, seiner ethnischen oder sozialen Herkunft.
Ziel pädagogischen Handelns ist deshalb nicht mehr, Kindern beizubringen, wie man etwas „richtig“ macht und ihnen dabei zu helfen. Kinder wollen unbedingt selbst zum Erfolg kommen. Das neue Ziel ist, die Kinder dabei zu unterstützen, ihr Wissen selbst zu erweitern.
In kindlichen Aktivitäten, wie in dem Eingangsbeispiel dieses Artikels, liegt eine Fülle pädagogischer Fördermöglichkeiten (die Bewusstwerdung des eigenen Körpers, Experimente mit chemischen und physikalischen Vorgängen am Beispiel von Sand, der Gebrauch von Werkzeugen wie einer Schippe). Diese Möglichkeiten können in der Kita selbst oder an externen Orten bzw. mit externen Personen ausgeschöpft werden (sei es durch den Besuch eines Museums oder die Einladung eines Malers). Die in der Aktivität verborgenen Fähigkeiten müssen aber erkannt werden, damit aus der Freude des Kindes an dem, was es tut, und aus seiner Neugier auf das, was die Welt an weiteren Überraschungen bereit hält, vertieftes Interesse und Staunen über Unbekanntes wird. Sich auf diese Welt der Kinder einzulassen und ihren Blickwinkel einzunehmen, ist die neue Aufgabe. Voraussetzung dafür ist, dass jedes Kind vorbehaltlos akzeptiert und wertgeschätzt wird.
Kitas, die sich diesen Bildungsauftrag zu eigen machen, werden zu „Orten von Erfindungen. Erzieherinnen und Erzieher sind dabei Lehrende und Lernende zugleich. Kinder und Erzieherinnen begeben sich im Kindergarten auf eine vielfältige und anregende Bildungsreise, von der alle Beteiligten Gewinn haben“. (6)
Wieviel Spaß mit solchen Erkundungen für alle Beteiligten verbunden sein kann, können Sie in den Artikeln "Das Wunder Kind" und "Früh übt sich, wer ein Meister werden will" nachlesen.
Die Zusammenarbeit zwischen Kita und Eltern
In allen Bildungsprogrammen wird eine enge Zusammenarbeit der Erzieherinnen und Erzieher mit den Eltern gefordert. Das muss auch so sein, denn beide, Eltern wie Erzieherinnen und Erzieher wollen, dass die Kinder im Kindergarten optimal gefördert werden.
Das Bildungsprogramm gibt Eltern die Sicherheit, dass ihr Kind in jeder Einrichtung des Bundeslandes, in dem sie leben, nach den gleichen Grundsätzen gefördert wird. In den Konzeptionen der einzelnen Kindergärten, in denen die pädagogischen Ziele und die Inhalte der Förderung festgelegt sind (s.o.) zeigen die Kitas darüber hinaus ihr eigenes Profil. Dieses Profil kann durch ein besonderes pädagogisches Konzept (z.B. Konzepte der Waldorf- oder Montessori-Pädagogik) geprägt sein oder durch religiöse oder weltanschauliche Vorstellungen; es kann aber auch einen inhaltlichen Schwerpunkt ausweisen, wie z.B. (Fremd-)Sprache(n), musische Erziehung oder den Umgang mit neuen Technologien.
Diese Konzeptionen müssen den Eltern dargestellt und erklärt werden. Sie sollten aber auch von Seiten der Eltern mitdiskutiert und –gestaltet werden. In Berlin werden Eltern dazu geradezu ermuntert: Außer dem Berliner Bildungsprogramm, in dem der Bildungsauftrag an die Kitas festgelegt ist, gibt es eine kurze Broschüre speziell für Eltern, in der es dazu heißt: „Wenn Sie an weiteren Kontakten mit der Kita interessiert sind, werden die Erzieherinnen und Erzieher Ihnen sicher dankbar sein. Vielleicht haben Sie einen Beruf, der für die Kinder interessant ist? Vielleicht haben Sie im Ausland gelebt und können davon berichten? Vielleicht erinnern Sie sich an Lieder und Spiele, die keiner mehr kennt? Vielleicht spielen Sie ein Instrument und würden die Kinder gerne damit bekannt machen?. Alles ist erwünscht, was die Kinder bereichern, ihren Erfahrungshorizont erweitern könnte. Prüfen Sie gemeinsam mit den Erzieherinnen, ob und wie dieses Angebot den Erfahrungsschatz der Kinder erweitern kann.“ (7)
Wie vielfältig eine gute Zusammenarbeit zwischen Kita und Eltern sein kann, zeigen Gerda Wuschel und Regine Schellenberg-Diekmann am Beispiel einer Kita mit interkulturellem Profil: (Mit-)Sprache erwünscht - Erziehungspartnerschaft in der Sprachförderung
Ein weiterer Aspekt der Zusammenarbeit zwischen Eltern und Kindergarten sind regelmäßige Gespräche mit Erzieherinnen und Erziehern über das eigene Kind. Solche Gespräche sind enorm wichtig für den Bildungsprozess, denn nur die Eltern kennen den ganz eigenen Erfahrungshintergrund ihres Kindes und wissen, was es schon kann und weiß. Daran soll die Erzieherin bzw. der Erzieher anknüpfen, damit sie (oder er) es anregen und fördern kann, ohne es zu über- oder unterfordern.
Idealer Anlass für solche Gespräche sind die in den Bildungsplänen geforderten Dokumentationen über die Entwicklung des Kindes. Solche Dokumentationen können in Form von Mappen für jedes Kind angelegt werden, in denen Bilder, die das Kind malt, Gegenstände, die es liebt, Fotos, Tonbandaufnahmen von Erzählungen und Liedern, erste Versuche, zu schreiben und ähnliches mehr gesammelt werden. In Kitas, in denen es eine gute technische Ausstattung gibt, können für jedes Kind auch eigene Websites eingerichtet werden. In Berlin wurden dafür sog. Sprachlerntagebücher entwickelt. Eigentlich sollten sie besser Entwicklungs- oder einfach Lerntagebücher heißen, denn sie dokumentieren mehr als die sprachlichen Fortschritte des Kindes. In diese Tagebücher kann – ähnlich wie in Mappen - alles eingeklebt oder geheftet werden, was das Kind auf seiner „Bildungsreise“ produziert: die Lust am Erzählen und die Ausdifferenzierung der Sprache, selbst gemalte Bilder, Einkaufslisten und Wunschzettel, Fotos vom Kind und seiner Familie, mit dem besten Freund/der besten Freundin und in der Kindergruppe, Lisa beim Klettern, Katharina beim Schaukeln und Felix beim Rennen – und natürlich von Paul mit seiner roten Schippe! Dokumentiert wird alles, was dokumentierbar ist – was es noch nicht kann, kann auch nicht belegt werden. (Diese scheinbar banale Feststellung wird für die Erzieherin oder den Erzieher eine große Hilfestellung dabei sein, von den Fähigkeiten der Kinder auszugehen.)
Ob Mappe, Website oder Tagebuch: Entscheidend ist, dass die Dokumentation dem Kind gehört - nicht: der Einrichtung! Sie wird seine Entwicklung begleiten, über die Einrichtung und seine Zeit in der Kita hinaus bis hinein in die Grundschule.
Vor unserem geistigen Auge sehen wir ein stolzes Kind, das „sein“ Tagebuch zusammen mit der (ebenso stolzen) Erzieherin seinen (vor Stolz fast platzenden) Eltern zeigt...
Literatur:
(1) Aus dem Elternbrief Nr. 20 des Arbeitskreis Neue Erziehung e.V.
(2) Christa Preissing: "Wie Kinder lernen - das Berliner Bildungsprogramm", veröffentlicht im KLAX-Elternbrief 2/2004
(3) Das Berliner Bildungsprogramm 2004 für die Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern in Tageseinrichtungen bis zu ihrem Schuleintritt (Lesefassung) Das Bildungsprogramm ist im Buchhandel erhältlich.
(4) "Bildung fängt vor der Schule an! – Zur Förderung von Kindern unter 6 Jahren" Positionspapier des Bundesjugendkuratoriums
(5) Gemeinsamer Rahmen der Länder für die frühe Bildung in Kindertageseinrichtungen (Beschluss der Jugendministerkonferenz vom 13./14.05.2004/ Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 03./04.06.2004)
6) Das Berliner Bildungsprogramm (siehe (3))
(7) Kurzinformation über das Berliner Bildungsprogramm für die Bildung, Erziehung und Betreuung von Kindern in Tageseinrichtungen bis zu ihrem Schuleintritt