Elternarbeit und Medieneinsatz "Gesunde Ernährung"
Referent: Antonio DiazFachtag Elternbriefe
"Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?"Elternarbeit und Medieneinsatz zu Kitathemen
Referent: Iman El-HusseinElternarbeit und Medieneinsatz "Bildungschancen"
Referent: Antonio DiazTag der offenen Tür im ANE
Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" am Freitag, dem 8. Juni 2012 von 14:00 Uhr bis 20:00 Uhr - Informationen und Gespräche für Eltern und ein buntes Kinderprogramm."Generationsübergreifende Folgen nach Krieg, Flucht, Vertreibung und Emigration"
Vortrag von Anita KnapekBerlin, 08.06.2012, 09:00 - 14:00 "Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?" Programm und Anmeldung
Berlin, 08.06.2012, 14:00 - 20:00 Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" Anmeldung
Erziehungstipps für Migrantenfamilien aus dem arabischen Sprachraum.
Sprachentwicklung und Sprachförderung in 10 Sprachen
"Wie Babys sich entwickeln" - Kurzfilme für junge Eltern.

Selda G., 26, hat im Jahr 2000 ihr Examen als Erzieherin abgelegt. Seit vier Jahren arbeitet sie in der zweisprachig deutsch-türkischen KiTa VAK (www.vak-kindertagesstaetten.de) in Berlin. Mit den Erzieher-Fortbildungen des Projekts "Kinderwelten" (www.kinderwelten.net) hat Selda G. gute Erfahrungen gemacht. Die Methode der vorurteilsbewussten Erziehung ermöglicht ihr einen offenen Umgang mit Vielfalt.
"Schön war, dass die Fortbildung bei unserer eigenen Kindheit ansetzte. Erst danach ging es um die Kinder, mit denen wir arbeiten. Das unterschied sich erheblich von dem, was ich vorher gelernt habe. Da haben wir immer einfach bei den anderen Erzieherinnen zugeguckt, wie die arbeiten und das automatisch übernommen. Dabei wurden die Mütter schnell einem bestimmten Typ zugeordnet: das ist eine Türkin, türkische Frauen können gut kochen oder Bauchtanz machen. Aber vielleicht können die das ja gar nicht! Auch die Kinder kriegen schnell ihren Stempel weg, wenn man sich von den Familien ein vorgefertigtes Bild macht. Durch die Fortbildung bin ich da viel vorsichtiger geworden. Elternarbeit ist hier das A und O, das hatte ich in den anderen KiTas nicht. Da hat man sie in Schubladen gesteckt. Hier sagen wir dagegen: Jeder hat seine eigene Persönlichkeit. Wenn heute ein neues Kind kommt, dessen Mutter ein Kopftuch trägt, denke ich nicht mehr, aha, die ist traditionell und interessiert sich nur für ihren Islam. Wir haben viele Mütter mit Kopftuch, aber das ist ja nicht das Einzige, was sie ausmacht. Wir unterhalten uns in der Eingewöhnungsphase intensiv mit den Eltern und erfahren dabei viel über ihre persönliche Geschichte. Dadurch fühlen sie sich auch ganz anders aufgenommen, nämlich so, wie sie sind.
Meine eigene Familie kommt aus Ostanatolien, wir sind Aleviten und recht modern. Mit Frauen, die ein Kopftuch tragen, habe ich zuvor nur negative Erfahrungen gemacht. Inzwischen weiß ich, dass es auch gebildete Frauen mit Kopftuch gibt. Heute muss ich sagen, ja, ich habe Vorurteile, das hat jeder Mensch, aber ich gehe anders damit um. Ich überlege erst, ob mein Eindruck von einem Menschen vielleicht ein Vorurteil ist. Bei mir sind das keine Schubladen mehr. Und mir wird auch schneller bewusst, wo ich selbst in Schubladen gesteckt werde. Wenn man erstmal in einer Schublade steckt, kommt man da schwer wieder raus. Als Schulkind habe ich gemerkt, wie die Lehrer mir nichts zugetraut haben, weil ich ein türkisches Mädchen bin, da wurden wir einfach zur Seite geschoben. In unserem Stadtteil leben viele Migranten und in der Schule wurden wir alle in eine Klasse gesteckt, die war rein türkisch. Es wurde nicht gemischt. Manche Lehrer sind sogar davon ausgegangen, dass wir Mathematik sowieso nicht verstehen und eigentlich alle auf die Sonderschule müssten. Tatsächlich sind viele meiner damaligen Freundinnen auf der Sonderschule gelandet. Bei mir hat sich mein Vater dagegen gewehrt, ich war ja nicht lernbehindert! Er hat mich im Sportverein angemeldet und erst dadurch habe ich andere Kulturen kennen gelernt, da hatte ich dann auch deutsche Freundinnen. Von der Schule aus ist das nicht passiert. Meine Kindheitserfahrungen haben bei mir auch einige Vorurteile gegenüber Deutschen geprägt: Die wollen keine Ausländer haben und alle Blonden und Blauäugigen sind gleich. Das kann man nicht von einem Tag auf den anderen wieder abbauen. Dafür braucht man Zeit. Durch die Arbeit hier mit den Eltern habe ich auch Deutsche kennen gelernt, die anders leben und anders denken.
Das Prinzip der vorurteilsbewussten Erziehung und Bildung macht sich bei den Kindern, mit denen ich arbeite, schon dadurch bemerkbar, dass sie viel offener mit den verschiedenen Familienformen umgehen. Wir gehen ja auf die Unterschiede ein und so lernen die Kinder, dass Familie nicht nur Mutter, Vater, Kind sein muss. Wir gehen auch offen mit den diversen Sprachen um, die hier vertreten sind. Ich rede genauso viel deutsch wie türkisch mit den Kindern. Oder es kommen schwedische Eltern und lesen ein Kinderbuch auf Schwedisch vor. Wir legen Wert darauf, die Kinder auch in ihrer Muttersprache zu stärken, damit sie sich wohl fühlen. Die Kinder sollen so früh wie möglich mit verschiedenen Menschen, Kulturen und auch Sprachen zu tun haben. Sie selbst haben ja keine Vorurteile, die entstehen durch die Eltern, deshalb ist es auch wichtig, dass sich die Eltern untereinander kennen lernen. Einmal im Monat machen wir ein Elterncafé, aber abgesehen davon können die Eltern jederzeit in die Gruppen kommen. Die basteln auch zusammen oder finden sich in Arbeitsgruppen zusammen. Inzwischen tauschen sie sich auch untereinander aus und sind sehr offen. Manchmal unterhalten sie sich auch über ganz intime Sachen, da fragt die deutsche Mutter die Türkin, wie das mit der Jungfräulichkeit im Islam ist oder ob sie fünfmal am Tag betet. Da sind die Eltern manchmal baff, was andere über sie denken oder dass umgekehrt die anderen gar nicht dem Klischee entsprechen.
Manche deutsche Eltern hatten anfangs Bedenken, ihr Kind zu uns zu geben, weil die Mehrheit türkische Kinder sind und sie nicht wussten, ob ihr Kind sich hier wohl fühlt. Aber wir wollen die Kinder ja nicht in ihrer nationalen Identität stärken, sondern in seiner ganz eigenen Persönlichkeit, da spielt die Herkunft der Eltern nicht die Hauptrolle. Uns interessiert die Familienkultur. Am Anfang haben wir mal ein Projekt gemacht mit dem Motto "Wie lebe ich zuhause". Da hatten wir ein Kind, der Vater war aus Irland, die Mutter Deutsche, die haben uns nachhause eingeladen. Ich hatte mir was Bestimmtes vorgestellt, aber es war ganz anders. Die lebten nämlich die indische Kultur, da gab es überall Buddhas. Das war für mich noch mal ein Schlüsselerlebnis. Ich bin jedenfalls sehr froh, dass ich hier arbeite und mich ständig fortbilden kann. Das hat mich auch persönlich bereichert."
Die weiteren Beiträge zum Thema:
Was wollen Eltern?
- "Jeder will doch nur das Beste für sein Kind“
- "Man kann die Probleme auch lösen“
- "Die Mischung muss stimmen“
- "Eltern bewegen Kitas und Schulen"
Die Praxis: Kitas und Schulen im kreativen Wandel
- "Eine Grundschule macht Theater“
- "Förderung für talentierte Migranten"
- "Keine Angst vor Unterschieden"
- "Schulen sind wie Öltanker“
Die Theorie: Wie funktioniert Bildung in der multikulturellen Gesellschaft?
- "Migration, Sprache und Integration - Die AKI-Forschungsbilanz kurz gefasst"
- "Vortrag in der Ringvorlesung Interkulturelle Bildung"
- "Zeit"-Interview mit Elsbeth Stern (externer Link)
- "Zeit"-Artkel von Jan-Martin Wiarda: "Eine Studie schlägt Wellen (externer Link)"