Elternarbeit und Medieneinsatz "Gesunde Ernährung"
Referent: Antonio DiazFachtag Elternbriefe
"Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?"Elternarbeit und Medieneinsatz zu Kitathemen
Referent: Iman El-HusseinElternarbeit und Medieneinsatz "Bildungschancen"
Referent: Antonio DiazTag der offenen Tür im ANE
Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" am Freitag, dem 8. Juni 2012 von 14:00 Uhr bis 20:00 Uhr - Informationen und Gespräche für Eltern und ein buntes Kinderprogramm."Generationsübergreifende Folgen nach Krieg, Flucht, Vertreibung und Emigration"
Vortrag von Anita KnapekBerlin, 08.06.2012, 09:00 - 14:00 "Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?" Programm und Anmeldung
Berlin, 08.06.2012, 14:00 - 20:00 Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" Anmeldung
Erziehungstipps für Migrantenfamilien aus dem arabischen Sprachraum.
Sprachentwicklung und Sprachförderung in 10 Sprachen
"Wie Babys sich entwickeln" - Kurzfilme für junge Eltern.


Im Sommer 2004 wurde die dreizehnjährige Schülerin Tanja Ristic von der Polizei aus dem Unterricht in einer Neuköllner Schule abgeholt und gemeinsam mit ihrer Mutter in Abschiebungshaft gebracht – nicht immer begegnen Kinder auf diese Weise dem Thema Flüchtlinge in Deutschland. Vielleicht fragt Sie ja auch nur Ihre siebenjährige Tochter, warum Raida mit dem Bus zur Schule kommt und in einem Heim im Wald wohnen muss, obwohl sie doch Eltern hat, die da auch wohnen - Kinder mit Eltern leben doch eigentlich in einer Wohnung: So wie wir. Oder Ihr Sohn erzählt von dem neuen Mitschüler aus Sierra Leone, der kein Wort spricht und immer nur aus dem Fenster guckt.
Die aktuellen Ereignisse um die Flüchtlinge, die von Marokko aus nach Europa zu kommen versuchen, haben wir zum Anlass genommen, das Thema für alle, die mit Kindern zu tun haben, aufzubereiten.
Sie fragen sich, was das Ganze mit Erziehung zu tun hat? Wenn wir Kindern Werte wie Mitmenschlichkeit und Solidarität vermitteln und die Kinder gleichzeitig im Fernsehen sehen, wie hohe Stacheldrahtzäune Menschen daran hindern sollen, sich nach Europa zu retten, oder wenn sie erleben, welches Leben ihren Freunden zugemutet wird, dann wirft das Fragen auf. Wir hoffen, dass unsere Beiträge Sie und Ihre Kinder dabei unterstützen, Fragen zu beantworten und auch neue Fragen zu stellen.
In einer Welt, die sich mehr und mehr verbindet und in der nationale Grenzen immer unwichtiger werden, weil wir über alle Grenzen hinweg mit allen Ländern Kontakt haben, dürfen wir uns und unsere Kinder nicht abschotten und damit abschneiden von globalen Entwicklungen. Zusammen mit Kindern und Jugendlichen den Kontakt über nationale und kulturelle Unterschiede hinweg zu erlernen, hilft uns und ihnen, sich in der Welt von morgen besser zurecht zu finden. Wir haben Sie anlässlich der Ost-Erweiterung von Europa eingeladen, sich dort umzusehen (s. unter "Themen von A-Z" Aus aller Welt) nun laden wir Sie ein, den Blick nach innen zu stellen. Auch wenn wir nicht nur Erfreuliches sehen.
Wir wollen Sie anregen, sich zusammen mit Ihren Kindern mit diesem nicht leichten Thema zu beschäftigen, zu verstehen, warum Menschen aus vielen Ländern hierher fliehen und nachzuvollziehen, wie es ihnen hier geht. Wir wollen Ihnen auch Hinweise geben, wie Sie wahrnehmen können, was Flüchtlinge zu unserer Gesellschaft beitragen und beitragen könnten, wenn wir das nur zulassen würden und was Sie und Ihre Kinder dabei tun könnten.
Flüchtlinge leben in Deutschland in allen Gemeinden, weil sich unser Land verpflichtet hat, Menschen, deren Leben oder deren Freiheit wegen ihrer Rasse, Religion, Staatsangehörigkeit, ihrer Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Überzeugung bedroht ist, aufzunehmen und damit zu schützen. Das ist auch ein Ergebnis unserer eigenen deutschen Geschichte, als Deutschland ein Land war, aus dem Menschen fliehen mussten, um ihr Leben zu retten.
Flucht und Vertreibung sind uns gut bekannt
Meine ganz normale deutsche Familiengeschichte: die Eltern meines Vaters sind nach dem 1. Weltkrieg vom heutigen Tschechien nach Schlesien, das heute zu Polen gehört, geflohen und im 2. Weltkrieg in den Westen Deutschlands. Meine Mutter und ihre Eltern sind vor der Kriegsfront in Aachen nach Sachsen geflohen und haben dort den Krieg überlebt.
Wie jüdische Kinder ohne ihre Eltern durch die Verschickung nach England gerettet wurden, zeigt der Artikel Kindertransport, der im Rahmen des Projekts Jüdische Geschichte und Kultur von einem Schüler des Lessing-Gymnasiums in Döbeln verfasst wurde. Menschen, die vor dem Naziterror in die Türkei flohen, wurden dort "Die Haymatlozen" und brachten ihr Wissen und ihre Kultur in die türkische Gesellschaft ein. Dies sind nur zwei Beispiele für das große Flüchtlingsleid, das vor mehr als 60 Jahren in Europa und weiteren Ländern durch Deutschland erzeugt wurde. Die Flucht von vielen Familien aus der DDR haben Schüler des Goethe Gymnasium/Rutheneum in Gera anhand von Berichten der Geflüchteten dokumentiert.
Deutschland hat sich verpflichtet
Auch aus diesen Erfahrungen heraus hat sich die Bundesrepublik nach dem Krieg verpflichtet, Asylsuchende aufzunehmen und hat mit der Unterzeichnung der Genfer Flüchtlingskonvention völkerrechtliche Verpflichtungen für die Aufnahme von Flüchtlingen übernommen. Wie schwer sich unsere Gesellschaft aber damit tut, diese Verpflichtung auch konkret und menschengerecht zu erfüllen, werden Sie in einigen der Artikel lesen. So hat Deutschland auch die UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet, aber an ihr werden beispielhaft auch die Hemmnisse deutlich, die einer offenen Aufnahme von Flüchtlingen in Deutschland entgegenstehen: Die Bundesregierung hat nämlich eine Vorbehaltserklärung abgegeben, in der sie sich vorbehält, Unterschiede zwischen Inländern und Ausländern zu machen und damit z.B. Flüchtlingskindern die Schulpflicht vorzuenthalten oder Flüchtlingsjugendlichen über 16 Jahren den Schutz und die Hilfe zu verwehren, der anderen Jugendlichen entsprechend der UN-Kinderrechtskonvention zusteht.
Einen besonderen Fall der Verweigerung von grundlegenden Kinderrechten schildert die Spiegelautorin Barbara Hans unter der Überschrift Land der namenlosen Kinder: Oft haben Flüchtlinge keine gültigen Papiere – wenn sie Mütter werden, wird den Neugeborenen aufgrund dessen die Registrierung verweigert und damit die Anerkennung, dass sie überhaupt existieren. Das passiert gegen geltendes Internationales Recht.
Die Lebenssituation von Flüchtlingen beschreiben diese Artikel:
"Unglaubwürdig? Familie S."
"Wir sind auch Menschen" – Zur Situation von Flüchtlingen in Deutschland
"... sonst haben sie keine Chance"
"Ausbildung statt Abschiebung"
"Illegale Kinder?"
"In meinem Kopf ist immer die Frage: was kommt später?"
Träume und Ängste: Für die meisten Flüchtlinge ist die Rückkehr das eigentliche Ziel
Wie sich Flucht und die Umstände, die zur Flucht führen auf die Seele und die Gesundheit von Kindern und Erwachsenen auswirken, erfahren Sie in den Artikeln:
Was bewirkt das Flüchtlingsschicksal bei Kindern und Jugendlichen und ihren Eltern?
Das Trauma bleibt - Kindersoldaten
Sie können so verstehen, warum es Flüchtlingsjugendlichen z.B. schwer fällt, sich auf den Unterricht zu konzentrieren oder warum Erwachsene hier so lange fremd bleiben.
Hintergrundinformationen zu Europas Haltung zum Thema Flüchtlinge geben Ihnen die Artikel:
Europäische Asylchronologie
Die neuen Asylgesetze der EU finden ein geteiltes Echo
Wie Flüchtlinge ein Land bereichern, zeigt ein Beispiel aus den USA. Die Stadt Utica hält den Mut und die Bereitschaft der Flüchtlinge, in dieser Stadt mit aller Kraft neu anzufangen, für "eine ideale Verbindung"
Flüchtlinge zeigen uns, dass man nicht in einer Situation, die unhaltbar oder unerträglich ist, verharren muss. Sie machen uns Mut, uns zu bewegen, etwas Neues, oft Ungewisses zu wagen. Sie lassen uns aber auch erleben, was die Verteilung von Macht und Geld in dieser Welt anrichtet und machen uns aufmerksam auf die Folgen.

Der Sichtwechsel - Aktionsbus für zukunftsfähiges Handeln - Mitwirken an der Zukunftsfähigkeit der "EINEN WELT" ist eine Möglichkeit, mit Kindern gemeinsam das Verständnis für Zusammenhänge von Fluchtursachen zu erarbeiten.
Kinder und Jugendliche wollen auch etwas tun: Anregungen und Unterstützung bekommen sie beispielweise auf den Kinder- und Schülerseiten von terre des hommes.
Auch die Schulfreunde von Tanja Ristic haben etwas getan: Sie schrieben Briefe an die verantwortlichen Politiker, demonstrierten vor dem Rathaus und informierten die Öffentlichkeit. Schließlich erreichte es die Klasse 8.3 der Fritz-Karsen-Schule durch ihren engagierten Einsatz, die geplante Abschiebung zu verhindern. Tanja wurde aus der Haft entlassen und konnte bald wieder in die Schule gehen. Diese Aktivität war Anlass für den Berliner Flüchtlingsrat gemeinsam mit dem Berliner GRIPS-Theater, die Aktion "Hier geblieben" ins Leben zu rufen. Wenn Sie das Unterrichtsmaterial für verschiedene Klassenstufen auch in Ihrer Schule nutzen oder mit Kindern das Theaterstück "hier geblieben" ansehen wollen oder an einer anderen Aktion teilnehmen wollen, finden Sie die aktuellen Hinweise auf www.hier.geblieben.net.
Auf Ihrer Suche nach weiteren Anregungen werden Sie sicher fündig mit Hilfe unserer kommentierten Links und Hinweise zum Informieren, Helfen und Aktiv-Werden.