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Veranstaltungen

Dortmund, 02.06., 10 - 13 Uhr

Elternarbeit und Medieneinsatz "Gesunde Ernährung"

Referent: Antonio Diaz
Ort: Biff e.V., Wittenstr. 46, 44149 Dortmund
Teilnehmer: max 15 Personen

Berlin, 08.06., 09:00 Uhr

Fachtag Elternbriefe

"Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?"

Berlin, 08.06., 10:00 Uhr

Elternarbeit und Medieneinsatz zu Kitathemen

Referent: Iman El-Hussein
Ort: ANE - Geschäftstelle
Teilnehmer: max 15 Personen

Berlin, 08.06., 10:00 Uhr

Elternarbeit und Medieneinsatz "Bildungschancen"

Referent: Antonio Diaz
Ort: ANE - Geschäftsstelle
Teilnehmer: max 15 Personen

Berlin, 08.06., 14:00 Uhr

Tag der offenen Tür im ANE

Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" am Freitag, dem 8. Juni 2012 von 14:00 Uhr bis 20:00 Uhr - Informationen und Gespräche für Eltern und ein buntes Kinderprogramm.

Berlin, 15.06., 20:00 Uhr

"Generationsübergreifende Folgen nach Krieg, Flucht, Vertreibung und Emigration"

Vortrag von Anita Knapek 

Fachtag Elternbriefe

Berlin, 08.06.2012, 09:00 - 14:00 "Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?" Programm und Anmeldung

Tag der offenen Tür

Berlin, 08.06.2012, 14:00 - 20:00 Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" Anmeldung

Elterntipps Arabisch/Deutsch

Erziehungstipps für Migrantenfamilien aus dem arabischen Sprachraum.

Elternbriefe Schule Berlin

Elternbriefe Sprache

Sprachentwicklung und Sprachförderung in 10 Sprachen

Download.
Bestellen.

Filme für Eltern

"Wie Babys sich entwickeln" - Kurzfilme für junge Eltern.

Kinder mit besonderen Bedürfnissen

Foto: M.Nasser

Leben mit einem behinderten Kind

von Mohammed Nasser

Mein Name ist Mohammed Nasser. Ich bin 42 Jahre alt und gebürtiger Palästinenser. Ich lebe seit 1976 in Berlin Neukölln und habe mit meiner Frau zwei gesunde und ein schwer geistig und körperlich behindertes Kind.

Am 26.09.2006 kam unsere behinderte Tochter Houda auf die Welt. Houda kommt aus dem Arabischen und bedeutet die Ruhe und die Wegweisung. Nach der Geburt entstand bei uns eine große Leere, gefolgt von Angst, Sorge und Unsicherheit. Ein seelischer Schock war da. Wir waren überrascht - in der Schwangerschaft war doch alles in Ordnung, wir hatten alle Vorsorgetermine wahrgenommen. Wir waren enttäuscht, zutiefst verzweifelt und unendlich traurig. Wir wussten nicht was in Zukunft auf uns in der Pflege und Betreuung unserer Tochter zukommt und wie wir das meistern sollten.

Es wurde uns viel Trost und Mitgefühl geschenkt. Aber richtig verstehen konnte uns niemand. Ich konnte meine Gefühle und Eindrücke noch nicht mal in meiner arabischen Muttersprache erklären. Außer unserem behandelnden Arzt konnten nur wenige Menschen aus unserem sozialen Umfeld nachvollziehen, was es wirklich heißt, ein schwerstbehindertes Kind zu haben. Wir haben deshalb versucht geeignete Informationen und Beratung zum Umgang mit unserer Tochter in arabischer Sprache einzuholen. Wir, die Eltern, haben sehr gut verstanden, was die Ärzte uns über Houdas Zustand erklärt haben. Weil aber nicht alle in unserem Bekanntenkreis über die nötigen Deutschkenntnisse verfügten, brauchten wir Erklärungen und Fachbegriffe in arabischer Sprache. Es war uns so wichtig, dass alle unsere Freunde, Bekannten und Verwandten Houdas Behinderung begreifen. Leider haben wir nur schwer die nötigen Informationen auf Arabisch gefunden.

Nach fünf Jahren habe ich als Vater viel Erfahrungen und Unterstützung zum Umgang mit Schwerbehinderung, Antragstellung, Kontaktadressen gesammelt. Dieses Wissen möchte ich nun an andere betroffene Eltern weitergeben.

Foto: M. Nasser

Der Umgang mit behinderten Kindern ist leider oft noch ein Tabu-Thema

Behinderung ist bei vielen Familien immer noch ein Tabuthema und es kommt vor, dass betroffene Kinder aus Scham vor der Außenwelt versteckt werden. In vielen Kulturen werden nicht nur seelische Leiden tabuisiert, sondern auch Behinderung. Für viele Menschen muslimischer Herkunft bedeutet Leiden eine Strafe oder Prüfung Gottes. Es besteht großer Aufklärungsbedarf hinsichtlich der Behinderungsthematik. In diesem Zusammenhang ist es wichtig über Themen wie Besessenheit, Exorzismus und Wahn zu sprechen, da es Menschen gibt, die darin einen Grund für Behinderungen sehen.

Oft machen Eltern den Fehler und versuchen die Behinderung ihrer Kinder zu verheimlichen, statt zu verstehen und sich damit auseinander zu setzen. Sie haben Angst vor Diskriminierung in ihrem sozialen Umfeld. Das Selbstbild der Väter als Mann scheint durch die Behinderung ihres Kindes gefährdet zu sein. Das macht die Sache in solchen Fällen noch schwieriger. Deswegen ist es wichtig, in einem ersten Schritt die Eltern über die Behinderung aufzuklären und zu sensibilisieren. Die Nachricht, dass man ein behindertes oder ein unheilbar krankes Kind hat, ist erstmal ein seelischer Schock für die Eltern. Ein Gefühl das man eigentlich in Worten gar nicht beschreiben kann. Sie erleben ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit, gefolgt von Angst und großer Unsicherheit.

Die Geburt eines behinderten Kindes verändert das Zusammenleben der Familie ganz erheblich. Die Eltern durchleben in der ersten Zeit eine schwere Krise. Bereits der Anblick des Kindes löst Trauer aus. Die Behinderung des Kindes verändert die ganze Lebenssituation der Eltern. Ein behindertes Kind ist noch mehr und in besonderer Weise auf die zuverlässige emotionale und körperliche Zuwendung von Vater und Mutter angewiesen. Für diese ist es gerade am Anfang sehr schwer, weil sie mangels Erfahrung nicht wissen können, wie sie mit ihrem behinderten Kind umgehen sollen. Ein behindertes Kind braucht lebenslange Betreuung, wird in der Regel nie ganz selbständig und immer auf Hilfe angewiesen sein.

Dazu kommen dann die tausend guten Ratschläge von den anderen, die eigentlich gar nicht wissen worum es wirklich geht. Dann geht es los mit dem Wort „vielleicht". Vielleicht ist das Kind besessen, vielleicht ist das eine Strafe für deine Sünden, vielleicht haben die Ärzte einen Fehler gemacht, vielleicht…vielleicht... Das Problem dabei ist, dass die meisten nach Fehlern suchen statt nach Lösungen. So hört man z.B. oft den Ratschlag „ihr müsst beten" oder „ihr müsst zum Imam". Das ist alles in Ordnung, wenn man ein gläubiger Mensch ist, betet und die Hoffnung nicht verliert.

Aber man sollte auch an die heutige Medizin glauben und daran, dass Gott den heilkundigen Ärzten diese Gabe geschenkt hat.

Viele in Deutschland lebende Menschen ausländischer Herkunft sind mit dem deutschen Gesundheitssystem nicht zufrieden. Das liegt u.a. an mangelnder Aufklärung. Migranten wissen oft wenig über Abläufe oder Behandlungsmethoden Bescheid. Oft haben sie auch erschwert Zugang zu Informationen in ihrer Herkunftssprache.

Dazu kommt auch, dass die meisten Migranten nur geringe Anatomiekenntnisse haben und somit ihrem deutschen Arzt nicht die genaue Beschreibung ihrer Beschwerden liefern können.

Viele geben auch gern den Ratschlag, du musst mit deinem Kind unbedingt nach Libanon, Syrien, etc. - da gibt es die richtige Behandlung. Dann wird es deinem Kind bestimmt besser gehen. Das stimmt aber so nicht, denn die Menschen aus diesen Ländern kommen nach Deutschland, um sich behandeln zu lassen und nicht umgekehrt. Ich glaube, das hängt damit zusammen, dass es dort keine sprachlichen Schwierigkeiten gibt, die Eltern sich heimisch fühlen und die Verständigung auf einer anderen Ebene stattfindet. Die Eltern haben keine kulturellen oder sprachlichen Anpassungsschwierigkeiten. Also liegt es nicht an der besseren medizinischen Behandlung, sondern an der besseren Verständigung. Die Menschen, die diese Ratschläge geben, wissen nicht was sie damit anrichten. Sie meinen, zu helfen, in Wirklichkeit aber verunsichern sie die ohnehin schon unsicheren Eltern noch mehr. Was die Familien hingegen wirklich brauchen sind keine dahin gesagten Ratschläge, sondern eine helfende Hand und ein offenes Herz.

Eine schwierige Zeit kommt auf die Eltern zu, sie müssen sich entscheiden, auf welchen Ratschlag sie nun hören sollen. Hören sie auf die Ärzte oder auf die anderen. Dieses nicht genau wissen was sie tun sollen, macht ihnen noch mehr Angst. An Gott und seine Barmherzigkeit zu glauben ist sehr wichtig, das hilft ungeheuer den Schmerz zu verarbeiten. Man sollte aber auch an die Möglichkeiten der modernen Medizin glauben.

Was wir brauchen, ist eine bessere Verständigung zwischen Ärzten und Migrantenfamilien sowie zwischen den Betroffenen und dem sozialen Umfeld. Spätestens an dieser Stelle sollten die Eltern nicht mehr auf die anderen hören und die Geschichten wie Besessenheit, Straf- und Schuldzuweisung vergessen, denn so können Konflikte zwischen Vater und Mutter vermieden werden. So können Eltern das Gleichgewicht ihrer Beziehung schützen. Dieser schwere Schicksalsschlag erfordert eine ständige gut funktionierende Elternschaft.

In vielen Familien gibt es auch Geschwisterkinder, das ist auch ein Thema für sich. Das Leben in einer Familie mit einem behinderten Kind stellt an alle Familienmitglieder hohe Anforderungen. Dies gilt auch für Geschwister. Brüder und Schwestern behinderter Kinder haben oft das Gefühl mit ihren Ängsten und Sorgen allein gelassen zu sein. Da die Kinder oft Angst haben ihre schon belastete Eltern noch mehr zu belasten. Eltern übersehen das oft „unbewusst" durch die hohe Belastung in der sie leben. Es kann passieren, dass Kinder sich zurückziehen oder mit Neid auf ihr krankes Geschwisterkind reagieren und das Gefühl haben, dass sie von den Eltern weniger geliebt werden.

Deswegen müssen die Eltern immer offene Augen und Ohren für die Geschwister haben, um diesen Gefühlen entgegenzuwirken und den gesunden Kindern diese Angst zu nehmen. Das klappt auch meistens wenn man gezielte Hilfen annimmt, wie z.B. Pflegeentlastung durch Pflegedienste oder Verhinderungspflege, um als Familie ein bisschen zu entspannen. Es gibt auch Kinderbetreuung durch Fachkräfte, die darauf spezialisiert sind, Geschwister von schwerkranken Kindern zu betreuen und zu fördern. Eltern sollten darauf achten, dass die gesunden Kinder auch gesund bleiben und ihre Rechte bekommen und kein Neid oder gar Hass zwischen den Kindern entsteht.

Aus der Not heraus und durch mangelnde Angebote für Väter behinderter Kinder entstand der Verein HUDA e.V. Der interkulturelle Verein verfolgt das Ziel einen Begegnungsraum und mehr Anerkennung für Väter mit behinderten Kindern in der Gesellschaft zu schaffen. Der Verein richtet sich an Väter unterschiedlicher ethnischer Herkunft und bietet mehrsprachige Beratungsangebote und Gesprächskreise sowie Freizeitaktivitäten für Väter und Kinder an. Wenn Sie Kontakt zu HUDA e.V. aufnehmen wollen, wenden Sie sich an:

 

Mohammed Nasser (Mitreden in Neukölln - Bürgerinnenbüro)

Glasower Str. 67, 12051 Berlin

Tel: 030/ 284 784 93

mailto:info@huda-ev.de

www.huda-ev.de

 

           

Einen Überblick über Rechte und finanzielle Leistungen für Familien mit behinderten Kindern finden Sie in der Broschüre "Mein Kind ist behindert - diese Hilfen gibt es"vom Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen e.V.  

 

Das Arabische Medienprojekt "mit Eltern - für Eltern" ist ein Projekt vom Arbeitskreis Neue Erziehung e.V