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Das können Erwachsene tun, um Kindern Spaß am Lesen zu vermitteln. Tipps für Zuhause, aber auch für Kitas und Schulen.

Kindergruppe

Lesemotivationstipps für Eltern

Denken Sie daran: Kinder wollen in der Regel Lesen lernen. Sie sind in ihrer ganzen Umwelt von Text umgeben und entsprechend neugierig, seinen Sinn zu verstehen. Erwachsene können helfen, dieses bereits vorhandene Interesse auszubauen: indem sie selbst als Vorbild dienen, den Zugang zu Büchern ermöglichen, Lesen und Geschichtenerzählen zu einem angenehmen und selbstverständlichen Ritual machen und das Lesen ihrer Kinder unterstützen.

Lesen Sie vor. Die sinnvollste Form der Leseförderung ist es, Kindern schon frühzeitig regelmäßig vorzulesen, um so die Freude an Büchern zu wecken. Durchs Vorlesen werden die Grundlagen für das spätere Leseverhalten von Kindern gelegt. Außerdem werden Geduld, Ausdauer, Konzentrationsfähigkeit und Sprachgewandtheit gefördert. Vorlesen ist für Kinder der erste Schritt in eine neue Welt. Und im Gespräch mit dem Vorlesenden lernen sie, sich die Handlungen, Personen und Bedeutungen dieser neuen Welt zu erschließen. Vorlesen kann zwar auch ein Mittel sein, um die Deutschkenntnisse von Kindern aus nicht-deutschsprachigen Familien zu fördern. Aber gerade bei kleinen Kindern geht es in erster Linie darum, die kindliche Vorstellungskraft anzuregen und miteinander zu kommunizieren. Das heißt, dass Eltern ihren Kindern lieber in der Muttersprache vorlesen sollten - sofern ihnen das angenehmer ist - als unbedingt den Anspruch haben zu müssen, ihren Kindern in perfektem Deutsch vorzulesen.

Wichtige Hinweise fürs Vorlesen sind: Nehmen Sie sich Zeit. Und beachten Sie bei der Auswahl der Bücher die Vorlieben Ihres Kindes. Machen Sie das Lesen zu einem gemeinsamen angenehmen Ritual der Begegnung und Geborgenheit. Anstelle des gemeinsamen TV-Films am Abend können Sie regelmäßig gemütlich mit ihrem Kind auf dem Sofa oder im Bett kuscheln, gemeinsam ein Buch angucken, eine Geschichte lesen oder erzählen. Kinder genießen das Vorlesen und das Beisammensein. Es ist daher auch kein Wunder, dass Kinder, auch wenn sie bereits selbst lesen können, immer noch vorgelesen bekommen wollen.

Untersuchungen haben gezeigt, dass Jungen oft weniger gerne lesen als Mädchen. Das hat nach Einschätzung von Pädagogen auch damit zu tun, dass Jungen, die lesen, noch immer schnell als "Weichlinge" gelten, dass Lesen oft als "Mädchensache" betrachtet wird. Damit Kinder dieses Klischee nicht auch noch durch ihre Eltern vermittelt bekommen, sollten Väter das Vorlesen nicht allein den Müttern überlassen, sondern selbst ihren Kindern regelmäßig vorlesen.

Erzählen Sie. Nicht nur das Vorlesen sondern auch das Erzählen von Geschichten ist sehr wichtig für die sprachliche Entwicklung und das Vorstellungsvermögen von Kindern. Bauen Sie das Geschichtenerzählen in den Alltag ein: beim Abwaschen, in der Badewanne, beim Kochen, beim Autofahren. Kinder sind oft fasziniert von Geschichten "von früher", aus der Zeit als sie selbst noch kleiner waren oder aus der Kindheit der Eltern oder der Großeltern. Sie können das am Tag Erlebte in die Erzählung einfließen lassen. Oder aber Sie erfinden Geschichten um das herum, was sie gerade gemeinsam mit ihrem Kind machen: die Abenteuer von Löffel und Gabel (beim Abwaschen) oder die erste Begegnung des Quietsche-Entchens mit dem Badeschwamm (beim Baden).

Sprechen Sie über Bücher. Sowohl das Vorlesen als auch das Erzählen sollte immer gleichzeitig Anlass für ein Gespräch zwischen Ihnen und Ihrem Kind sein. Lesen sollte also eher den Charakter eines Dialogs haben als den eines Monologs. Bei kleinen Kindern wird so das Sprechenlernen optimal gefördert. Das Reden über ein Buch hilft Eltern von kleinen wie von größeren Kinder darüber hinaus auch, zu begreifen, was die Kinder beschäftigt, wie sie das Gehörte/Gelesene verstehen und Inhalte verarbeiten. Eine 2001 von der Uni Erfurt durchgeführte Untersuchung zur Lesemotivation von 6- bis 10-Jährigen hat gezeigt, dass Kinder mit ihren Eltern über Geschichten und Bücher reden wollen. Je mehr über das Gelesene gesprochen wurde, desto stärker war die Motivation der Kinder, erneut zu lesen (Infos zur Studie über www.mdr.de).

Sprechen Sie über das Gehörte/Gelesene. Lassen Sie sich die Bilder in den Büchern von ihrem Kind erklären. Das Wiedererkennen von Dingen in Bilderbüchern ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg zum Sprechenlernen. Machen Sie immer mal wieder Pausen, damit Ihr Kind fragen kann, wenn es etwas nicht verstanden hat. Verknüpfen Sie die Ereignisse der Geschichte mit ähnlichen Erfahrungen im Leben Ihres Kindes. Spinnen Sie gemeinsam das Gelesene fort. Nehmen Sie Bücher als Anlass für Ratespiele ("Ich sehe hier auf der Seite was, was Du nicht siehst"), und erfinden Sie gemeinsam Reime zu den Bildern ("Der Ball ist rund, draußen bellt ein ...").

Machen Sie Kinder früh mit Büchern vertraut. Kinder brauchen Zugang zu vielen verschiedenen Textarten, im Elternhaus, aber auch in ihren Kindergärten, Klassenzimmern, in Schulbibliotheken und öffentlichen Büchereien. Denn Kinder, die wählen dürfen, was sie lesen, lesen zumeist mehr und zwar sowohl zu ihrer Unterhaltung als auch zur Information. Experten raten, schon von dem Moment an, wenn Kinder sitzen können, mit ihnen altersangemessene Bilderbücher anzugucken. Gehen Sie mit ihrem Kind dahin, wo Bücher sind. Schon Kleinkinder sollten mit in die Bücherei oder in Buchhandlungen genommen werden und dort mit aussuchen dürfen. Stöbern Sie gemeinsam in Büchereien, was es dort alles an tollen Büchern gibt, und nehmen Sie die dortige kostenlose Beratung in Anspruch. Besuchen Sie gemeinsam mit ihren Kindern Lesungen, die in Kinderbüchereien und ähnlichen Einrichtungen angeboten werden.

Lesen Sie selbst. Bloße Aufforderungen an Kinder, (mehr) zu lesen, laufen meistens ins Leere. Kinder müssen sehen können, dass das Lesen auch im Alltag der Erwachsenen eine wichtige Rolle spielt. Eltern sind die wichtigsten Partner und Unterstützer der Lese-Entwicklung ihrer Kinder. Je selbstverständlicher das Lesen zum Familienalltag gehört, desto mehr Chancen haben Kinder, ebenfalls zu Lesern zu werden.

Verschaffen Sie Leseerfolge. Lesen sollte Spaß machen. Wenn das Üben zu anstrengend und belastend wird, verschwindet schnell die Motivation.

Es hat sich bewährt, wenn Kinder "mit allen Sinnen" Lesen lernen. Sie können beispielsweise Buchstaben aus verschiedenen Materialien basteln oder auf dem Fußboden ausgelegte Buchstaben ablaufen. Gut geeignet sind Ratespiele, bei denen bestimmte Buchstaben in einem Wort gefunden werden müssen. Oder bei denen man sich gegenseitig mit dem Finger Buchstaben oder Wörter auf den Rücken "malt". Selbst bei so alltäglichen Tätigkeiten wie Einkaufen können Sie Ihr Kind zum Lesen und Schreiben motivieren. Bitten Sie um Hilfe mit dem Einkaufszettel und bei der Suche nach den einzelnen Produkten im Laden. Entziffern Sie gemeinsam Straßenschilder, Plakate, Autobeschriftungen usw. Für kleinere Kinder sind Bücher toll, in denen Wortteile durch Bilder ersetzt sind – wenn zum Beispiel das Wort Apfelbaum aus einem gemalten Apfel und dem Wort "Baum" besteht. Denn Kindern macht es Spaß, so zu tun, als könnten sie schon lesen und sie genießen die Interaktion mit dem Vorlesenden.

Texte sollten anfangs einfach zu lesen und kurz sein. So haben Leseanfänger bald ein erstes Erfolgserlebnis und das Wissen und den Stolz, bereits ein ganzes Buch/eine ganze Geschichte alleine lesen zu können. Für Leseanfänger sind Witze gut geeignet. Sie sind kurz, lustig und haben eine Pointe. Und Kinder freuen sich, wenn sie Erwachsene zum Lachen bringen oder verblüffen können.

Zwingen Sie Kinder nicht zum lauten Vorlesen, wenn diese das nicht wollen. Es setzt Leseanfänger, die sich mit dem Lesen noch schwer tun, zusätzlich unter Druck. Seien Sie großzügig mit Hilfe, Aufmerksamkeit und Lob für die Lesefortschritte Ihres Kindes.

Machen Sie es sich und ihren Kindern gemütlich. Kinder brauchen Zeit und Ruhe, um sich in Bücher vertiefen zu können. Genauso wie Erwachsene beim Lesen nicht gestört werden wollen, trifft das auch für Kinder zu. In einer gemütlichen und ruhigen Lesesituation lernen Kinder am besten, sich in eine Sache zu vertiefen und auf ein Thema zu konzentrieren. Stellen Sie einen bequemen Lehnstuhl auf oder richten sie eine Sitzecke aus Kissen ein, damit Ihr Kind eine entspannte Umgebung hat, in der es sich ungestört und mit Genuss aufs Lesen konzentrieren kann.

"Ködern" Sie Ihre Kinder. Suchen Sie einen Aufhänger. Finden Sie heraus, für welche Themen sich Ihre Kinder interessieren und wählen sie entsprechende Bücher aus. Auch wenn Kinder sich gerade nicht fürs Lesen interessieren, lässt sich ihre Neugierde oft mit Sachtexten über Themen wie Dinosaurier, Fußball oder Computer wecken. Dies war übrigens ein Tipp, den wir in unseren Interviews immer wieder von Kindern selbst bekamen.

Respektieren Sie die Vorlieben ihres Kindes, und zwar von Anfang an. Zensieren Sie nicht, was Kinder lesen wollen. Kinder müssen ihren eigenen Lesegeschmack entwickeln. Am sinnvollsten ist es, ihnen ein möglichst breites Angebot zu machen. Denn dann kann ein Gefühl für Qualität am ehesten entstehen. Comics oder Kinder- und Jugendzeitschriften haben häufig eine "Brückenfunktion", um überhaupt zum Lesen zu motivieren. Sie ermöglichen sozusagen den Einstieg ins Lesen. Comics sind für Leseanfänger auch deshalb attraktiv, weil sie, neben vielen Bildern, Text in "kleinen Portionen" anbieten.

Auch Filme, Videos und Kassetten sollten Eltern akzeptieren. Kinder wachsen heute in einer Welt auf, in der das Medienangebot sehr viel vielfältiger ist als in den Generationen zuvor. Es hat keinen Sinn, Fernsehen und Bücher gegeneinander auszuspielen. Es gibt viele Angebote im Kino, im Fernsehen, auf Kassette oder CD-Rom, die Geschichten aus Büchern aufgreifen. Oft ist dann der Film der Auslöser, sich auch mal das dazugehörige Buch anzugucken. Und Begleitbücher zu geliebten Fernsehserien können ebenfalls ein Einstieg ins Lesen sein. Besser als Verbote sind allemal persönliche Vorbilder: Eltern, die Interesse am Lesen zeigen, wecken am ehesten Lust auf Bücher.

Vertrauen Sie Ihrem Kind. Akzeptieren Sie es, wenn Ihr Kind Phasen hat, in denen es mit Büchern nichts zu tun haben möchte. Gerade in der Pubertät werden häufig andere Freizeitbeschäftigungen wichtiger. Das heißt aber nicht, dass Jugendliche nicht trotzdem später wieder zum Lesen zurückfinden. Eltern, die zu viel Druck machen, provozieren am ehesten Trotzverhalten. Auch ein rigoroses Fernseh- oder Computerverbot macht Kinder bestimmt nicht zu begeisterten Lesern. Sinnvoller ist ein maßvoller Mix und das Vertrauen, dass Phasen vorbeigehen.

Ermuntern Sie Ihr Kind, selbst zu schreiben. Die Erfahrung der eigenen Kreativität und Produktivität ist mit viel Spaß verbunden. Und schon bei Grundschulkindern existiert eine Wechselwirkung von Lese- und Schreiberfahrungen. Beim Schreiben entwickeln Kinder ihre sprachlichen und kommunikativen Fähigkeiten. Ermutigen Sie Ihr Kind zum Schreiben, sei es in Form eigener Geschichten, Nacherzählungen, mit Fortführungen von Filmen oder Fernsehserien oder in Form von Tagebüchern (Privat-, Familien-, Reise- oder Lesetagebücher).