Elternarbeit und Medieneinsatz "Gesunde Ernährung"
Referent: Antonio DiazFachtag Elternbriefe
"Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?"Elternarbeit und Medieneinsatz zu Kitathemen
Referent: Iman El-HusseinElternarbeit und Medieneinsatz "Bildungschancen"
Referent: Antonio DiazTag der offenen Tür im ANE
Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" am Freitag, dem 8. Juni 2012 von 14:00 Uhr bis 20:00 Uhr - Informationen und Gespräche für Eltern und ein buntes Kinderprogramm."Generationsübergreifende Folgen nach Krieg, Flucht, Vertreibung und Emigration"
Vortrag von Anita KnapekBerlin, 08.06.2012, 09:00 - 14:00 "Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?" Programm und Anmeldung
Berlin, 08.06.2012, 14:00 - 20:00 Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" Anmeldung
Erziehungstipps für Migrantenfamilien aus dem arabischen Sprachraum.
Sprachentwicklung und Sprachförderung in 10 Sprachen
"Wie Babys sich entwickeln" - Kurzfilme für junge Eltern.

Bildung ist: Zweisprachige Erziehung
In einer Kita der Arbeiterwohlfahrt in Essen-Katernberg werden die Kinder zweisprachig erzogen. Respekt für die Herkunftssprachen und -kultur der Kinder wird groß geschrieben.
So feiern Kinder und ErzieherInnen nicht nur die deutschen Feste gemeinsam, sondern beispielsweise auch das islamische Opferfest. Statt dem deutschen Kasperle gibt es hier auch sein türkisches Pendant, den Karagöz und in den Kinderbüchern heißen die Personen nicht nur Thomas und Sabine, sondern auch Mehmet und Erkan.
Ein Team aus deutschen und ausländischen Erziehern fördert sowohl die deutsche als auch die Herkunftssprache der Kinder durch Spiele und Lieder, aber eben auch durch die ganz alltägliche Ansprache und Kommunikation. Dabei wird eine Kindergruppe im Zweier-Team geleitet, jeweils von einer deutschen Erzieherin und einer aus der Türkei, dem Libanon oder dem Iran stammenden. Die stellvertretende Leiterin der Kita ist gebürtige Türkin.
Allerdings ist die Umgangsprache in der AWO-Kita Deutsch – die Grundlage, in der sich alle miteinander verständigen können sollen. Damit auch die Kinder, die zuhause kein Deutsch sprechen, eine Chance haben, Deutsch zu lernen, wird viel Wert auf Kommunikation gelegt. Die Erwachsenen fördern Unterhaltungen zwischen den Kindern und suchen immer wieder selbst das Gespräch ihnen. Jede Handlung wird mit Worten begleitet und erklärt ("Ich binde dir jetzt die Schuhe zu"). Fragen, auf die man nur ja oder nein antworten muss, werden vermieden. Das Kita-Team bindet außerdem die Eltern mit in den Kitaalltag ein. So feiert man regelmäßig gemeinsam Feste und einmal in der Woche treffen sich Mütter und ErzieherInnen im „Müttercafé“, um über die Entwicklung der Kinder und Erziehungsfragen zu reden. Damit auch die nicht-deutschsprachigen Mütter die Möglichkeit haben Deutsch zu lernen, kooperiert die Kita mit der nahe gelegenen Volkshochschule. (Informationen aus Die Zeit 47, 2001)
Bildung ist: Öffnung nach außen
Für eine Kita in Oberhading gehört es zu ganzheitlicher Erziehung dazu, ihre Einrichtung nach außen zu öffnen. So wird zum einen ein enger Austausch mit dem die Kita umgebenden Ort gesucht und zum anderen mit den Eltern, dem familiären Umfeld der Kinder. Das Team und die Kinder nahmen Kontakte zu den verschiedensten Institution der Umgebung auf, von der Feuerwehr, dem Bäcker und dem Förster über benachbarte Schulen, Beratungsstellen und Fachdienste. Gemeinsam werden die Eltern an ihren Arbeitsstellen besucht. Die Kinder haben so die Möglichkeit, ihr Lebensumfeld und Umgebung zu entdecken und direkter wahrzunehmen. Sie treffen sich beispielsweise regelmäßig zum Spielen mit den älteren Menschen eines nahe gelegenen Seniorenheims und entdecken gemeinsam mit einem Mitarbeiter des Bundes für Naturschutz den Wald. Die Hortgruppe der Kita organisiert zusammen regelmäßig Aktionen mit einem offenen Kinder- und Jugendprojekt Aktionen und hat dadurch Zugang zu vielen neuen und spannenden Angeboten (Fahrradwerkstatt, Streetball, Hip Hop). Dieser Kontakt erleichtert auch den späteren Übergang, wenn die Kinder dem Hortalter entwachsen sind. Die ErzieherInnen führen gemeinsam mit der örtlichen Volkshochschule thematische Elternabende durch. Außerdem hat sich ein reger Kontakt zwischen den ErzieherInnen und den LehrerInnen der Grundschule entwickelt: Man tauscht sich aus und gestaltet gemeinsam den Übergang für die angehenden Schulkinder. Zusammen mit der örtlichen Fachschule für Sozialpädagogik wurde ein Projekt zur Geschichte der Kindertagesstätte entwickelt und damit ein spannender Beitrag zum Festjahr des Ortes geleistet. (Informationen von Astrid Junk, aus Kiga heute, 6/2000)
Bildung ist: Arbeit in Werkstätten
Der Pädagoge Lothar Klein hat drei Kitas besucht, die sich alle am erzieherischen Konzept von Freinet und seiner Idee der „Werkstätten“ orientieren. Zwar setzen die Kindergärten unterschiedliche Schwerpunkte, ihnen gemein ist aber, dass die Kinder ausprobieren und experimentieren dürfen; und zwar mit Materialien und Werkzeugen genauso wie mit sozialen Regelungen. Das Konzept sieht vor, dass Kinder das Wort haben, dass ihre Interessen und Möglichkeiten im Mittelpunkt der pädagogischen Arbeit stehen. Die Kinder treffen die Entscheidungen darüber, was sie machen wollen, übernehmen dafür aber auch die Verantwortung. Die Erwachsenen bieten ihre Kompetenz an, belehren die Kinder aber nicht. Sie verstehen sich nicht als „Besserwisser“ oder „Vormacher“, sondern als interessierte (Mit-) Forscher. Statt sich auf die Defizite der Kinder zu konzentrieren, gucken sie, was die Kinder schon können und was sie lernen wollen.
Im Mittelpunkt der von Klein besuchten Kitas standen in allen drei Kitas „Werkstätten“, in denen die Kinder selbstständig - und wann immer sie dazu Lust haben - arbeiten können.
Das Kinderhaus Dudweiler bei Saarbrücken hat eine Töpferei und eine Holzwerkstatt. Jede Woche gibt es zwei Werkstatttage, an denen sich jeweils eine Erzieherin in einer der beiden Werkstätten aufhält. Bei ihnen können die Kinder, wenn sie möchten, ein "Diplom" erwerben (die Kinder nennen es "das Plom"). An den anderen Tagen regelt sich der Ablauf in den Werkstätten von selbst: Die Kinder mit "Plom" laden ihre Freunde "zur Arbeit" ein. Ist eine Werkstatt voll, wird ein rotes Schild an die Tür gehängt. Anfänglich gingen die ErzieherInnen davon aus, dass die Kinder nicht länger Lust zum Arbeit haben würden als für zwanzig Minuten. Doch mittlerweile hat sich der Rhythmus auf die individuellen Arbeitsvorhaben der Kinder eingependelt. Manche arbeiten heute mehr als eine Stunde in den Werkstätten, einige noch länger.
In einem Kindergarten in Wiesbaden-Breckenheim ist eine Erzieherin für alle Werkstätten (Druck, Holz, Ton, Kunst und Handarbeit) zuständig. Sie bietet Werkstatttage an, an denen die Kinder mit ihr arbeiten können, Diplome gibt es allerdings nicht. Die Kinder haben sich die Arbeitsbereiche selbstbewusst erobert und arbeiten dort selbstständig und konzentriert, zum Teil fünfzehn bis zwanzig Kinder gleichzeitig in einer Werkstatt.
In einer Kita in Wiesbaden („Kindertagesstätte Kellerstraße“) nehmen alle Kinder begeistert an einer Schreibwerkstatt teil. Die Kinder lassen sich von den ErzieherInnen helfen, schreiben teilweise aber auch schon selbst: Am Anfang den eigenen Namen, später dann auch Briefe an andere Kinder, an ihre Eltern oder so genannte Ausleihzettel, auf denen sie vermerken, wem sie etwas geborgt haben. Tagebücher werden diktiert oder selbst geschrieben und bemalt. (Info aus www.kindergarten-heute.de, Artikel von Lothar Klein
Bildung ist: Eine Kita im Wald
Der Naturkindergarten Eilenriede in Hannover folgt dem Konzept der Waldkindergärten und das obwohl er sich in einem dicht besiedelten städtischen Gebiet befindet. Die Idee des Waldkindergartens wurde vor rund 30 Jahren in Dänemark entwickelt und gehört dort heute zum pädagogischen Alltag. Die Hannoveraner Kita ging aus einer Elterninitiative hervor, die ihren Kindern Freiräume zum Spielen und Lernen mit und in der Natur "zurückerobern" wollte. Als Ort wurde ein nahe gelegener Stadtwald ausgewählt, in dem die Lebensgemeinschaft Wald mit ihren Tieren und Pflanzen noch relativ intakt ist.
Heute bietet die Kita 17 Kindern im Alter von 3 bis 6 Jahren eine ganztägige Betreuung; den Vormittag – egal bei welchem Wetter - im Wald, wo auch gemeinsam gefrühstückt wird. Mittagessen und Nachmittagsprogramm findet in den Räumen der Kita statt, die nahe des Waldes gelegen ist.
Mit dem Bollerwagen ziehen die Kinder und ErzieherInnen jeden Morgen durch den Wald; Mobiltelefon, Erste-Hilfe-Ausrüstung, Isomatten, Ersatzkleidung und Arbeitsmaterialien wie Bestimmungsbücher, Werkzeuge und Gitarre immer dabei. Dann frühstücken sie, toben und entdecken die Umgebung, machen Bewegungsspiele, schauen sich gemeinsam Bücher an, singen Lieder, basteln mit Stöcken, Steinen, Wurzeln usw. Aufgabe der ErzieherInnen ist es, eine Balance zwischen spontanen Naturerfahrungen auf der einen und sinnvoller Naturpädagogik auf der anderen Seite zu finden.
Der Wald bietet mit seinen Baumwipfeln, gefallenen Stämmen, Steinen, Felsen, Kuhlen und der Vielzahl seiner Materialien (Moos, Steine, Stöcke, Samen, Blätter) ein schier unerschöpfliches Reservoir von Möglichkeiten zum Entdecken und Lernen: Die Kinder haben Freiräume zum Toben, Rennen und Klettern sowie die Möglichkeit zum „entdeckenden Spielen“ in der Natur. Sie erleben Wachstumsprozesse und unterschiedliche Jahreszeiten hautnah und mit allen Sinnen. Der Tastsinn wird genauso geschult wie der Seh-, der Geruchssinn, Gehör, Geschmack und Gleichgewichtssinn. Die Kinder trainieren ihre Grob- und Feinmotorik und profitieren auch gesundheitlich von der Bewegung an der frischen Luft. Sie lernen Farben und Formen genau wahrzunehmen und entwickeln so ihr ästhetisches Empfinden. Der Aufenthalt im Wald bietet den Kindern außerdem die Erfahrung von Stille - für Stadtkinder alles andere als selbstverständlich ist. Die ErzieherInnen hoffen, dass die Kinder über die direkte Walderfahrung auch eine positive und schützende Einstellung zur Natur entwickeln. Dabei geht es nicht um ein romantisches Naturverständnis. Die Kinder lernen schnell, dass im Wald nicht nur Pflanzen wachsen und Vögel zwitschern, sondern die Tiere dort auch pieksen, stechen und sich jagen.
Waldkindergärten gibt es in Deutschland seit cirka 10 Jahren. Im Mai 2002 existierten in etwas 270 solcher Einrichtungen. In den meisten Fällen verfügen sie aber - anders als die Kita in Hannover - über keine festen Gruppenräume, sondern halten sich ausschließlich in einem bestimmten Waldstück mit kleiner Schutzhütte auf (dann allerdings auch nur halbtägig).
Die aktuellen Adressen können Sie beim Bundesverband Natur- und Waldkindergärten in Deutschland (BvNW) abrufen (www.bundesverband-waldkinder.de).
Bildung ist: Interkulturelles Lernen
In einem Potsdamer Kindergarten arbeitet einmal wöchentlich ein aus Indien stammender Künstler mit den Kindern. Zusätzlich kommen noch andere externe PädagogInnen in die Einrichtung, die allesamt nicht-deutscher Herkunft sind.
Der Kindergarten nimmt an einem Projekt der Regionalen Arbeitsstelle für Ausländerfragen, Jugendarbeit und Schule, Brandenburg e.V. (RAA) Teil, das "globales/interkulturelles Lernen“ in Kindergärten trägt. Über die Begegnung der Kinder mit ausländischen PädagogInnen kann interkulturelle Vielfalt authentisch vermittelt werden. Damit will das Projekt die Offenheit und Neugierde der Kinder für "Andere“, fürs „Unbekannte“ fördern und Einfühlungsvermögen, Konfliktfähigkeit, Toleranz und Selbstbewusstsein schulen. Die Kinder sollen verstehen, dass sie und ihr (kulturelles) Umfeld Teil der "Einen Welt" sind.
Wie sieht das in der Praxis aus? Die Methoden sind vielfältig und reichen von Fantasiereisen und Rollenspielen über die Herstellung von Länder- oder Kontinent-Puzzlen, dem Erzählen, Anschauen von Fotos und Filmen zum Leben in anderen Teilen der Welt und der Arbeit mit Materialien aus verschiedenen Kulturen (z. B. Musikinstrumente, Masken, Naturprodukte wie Ton und Wolle) bis zum Ausprobieren und Zubereiten von Nahrungsmitteln aus anderen Ländern. Die eingeladenen PädagogInnen machen auf Gemeinsamkeiten, auf Unterschiede und auf die Beziehungen zwischen den Lebenssituationen von Kindern in Deutschland und in anderen Ländern aufmerksam. Über Informationsabende, Feste, Präsentationen von Theaterstücken, Liederaufführungen usw. sowie durch Befragungen des Instituts für Angewandte Familien-, Kindheits- und Jugendforschung der Universität Potsdam werden auch die Eltern in das Projekt eingebunden.
Den ProjektplanerInnen war es wichtig, Kindern Kontakt mit ausländischen Mitbürgern zu ermöglichen, denn der Anteil von Menschen nicht-deutscher Herkunft ist in Brandenburg gering (ca.2%) und häufig von ausländerfeindlichen Ressentiments begleitet. Mit dem Projekt soll der Aufbau von solidarischem Verhalten der Kinder untereinander und mit Kindern aus anderen Ländern unterstützt und die Entstehung von rassistischem und ausgrenzendem Denken und Verhalten verhindert werden.
Und das Projekt scheint zu gelingen: Im direkten Kontakt mit den Gästen haben sich freundschaftliche Beziehungen entwickelt. Vorurteile gegenüber "Fremden" konnten abgebaut werden. Das Thema "Interkulturalität/Toleranz lernen" ist über die Kitas hinaus getragen worden. Die beteiligten Kitas fungieren selbst wieder stärker als Ort der Kommunikation – sowohl zwischen den ErzieherInnen und den Eltern als auch zwischen Kita und Gemeinde. (Informationen aus Prüfer, Uwe: Noch zu klein für die große Welt? Globales/Interkulturelles Lernen in Kindertagesstätten und Schülerklubs. In: www.familienhandbuch.de. Kontakt zur Projektleitung über raa-potsdam@web.de bzw. www.raa-brandenburg.de)
Bildung ist: Kinder als BauarbeiterInnen
Die Idee, ein Haus zu bauen – und zwar ein richtiges aus Stein und Zement - , kam von den Kindern der Kita „Spatzennest“ in Sanitz selbst. Wochenlang hatten sie mit großem Interesse, aber von ferne, die Bautätigkeit in einem neu entstehenden Wohngebiet verfolgt. Gemeinsam besuchten dann Kinder und ErzieherInnen die Baustelle, beobachteten die Arbeiter und stellten ihnen Fragen. Wieder in der Kita überlegten sie sich mögliche Namen für die in der Siedlung entstehenden Straßen. Weil das Interesse der Kinder an den Bauarbeiten nicht nachließ, kümmerten sich die ErzieherInnen um eine Genehmigung der Baufirma, die Baustelle mit den Kindern betreten zu dürfen. Dort guckten sich die Kinder alles ganz genau an und ließen sich von den Bauarbeitern die einzelnen Tätigkeiten, Materialien und den Umgang mit Wasserwaage und ähnlichem erklären. Mit einem Leiterwagen transportierten sie Steinabfälle und (geschenkten) Zement zurück in ihre Kita und begannen mit dem Bau eines Hauses, genau so, wie es ihnen die Arbeiter auf der Baustelle erklärt hatten. Sie rührten den Zement selbstständig an, sägten Betonsteine auf die richtige Größe, schichteten sie nach dem Prinzip des „Fugenbaus“ aufeinander, stellten mit der Wasserwaage sicher, dass die Wände gerade wurde und planten die Fenster mit ein. Es entstand ein Haus, so groß, dass drei Kinder gleichzeitig darin spielen können. Am Ende wurde gemeinsam mit allen Eltern und MitarbeiterInnen der Kita ein Richtfest gefeiert.
Die Gemeinde hat übrigens die Straßennamensvorschläge der Kinder aufgegriffen. Heute gibt es in der neuen Siedlung einen „Schleich-„ und einen „Stolperweg“. (Informationen von Hiltrud Luckow, in Kindergarten heute, 6/2001)
Bildung ist: Zweisprachige Förderung in einer mehrsprachigen Gruppe
In einer Kita im Berliner Bezirk Schöneberg entschied man sich, mehrsprachige Kindergartengruppen einzurichten. Dort existieren beispielsweise Gruppen mit deutsch-, türkisch-, griechisch und englischsprachigen Kindern. Dem ErzieherInnenteam war es wichtig, neben dem Deutschen auch die unterschiedlichen Herkunftssprachen der Kinder zu berücksichtigen und zu unterstützen. Eine wesentliche Voraussetzung dafür ist, dass es auch unter den Erwachsenen jemand gibt, der die jeweilige Sprache beherrscht. Die personelle Ausgangssituation in der Kita war günstig: Einige der ErzieherInnen sprechen Türkisch und zusätzliche Unterstützung holte man sich von außerhalb der Kita. So arbeiten zu bestimmten Zeiten Eltern, Nachbarn und Honorarkräfte als "Sprachmittler" zusammen mit den ErzieherInnen. Für die deutschen und türkischen Kinder konnte so eine wirklich zweisprachige Erziehung (Deutsch, Türkisch) ermöglicht werden. Die Herkunftssprachen der anderen Kinder werden punktuell einbezogen, zum Beispiel über Lieder, Reime und Begrüßungsrituale.
Die ErzieherInnen stellten den Kitaalltag so um, dass die Unterstützung der sprachlichen Entwicklung der Kinder im Mittelpunkt steht. Die Gruppengröße und die Zahl der Erzieherinnen pro Gruppe erlauben intensive Beobachtungen und Gespräche in kleinen Gruppen oder mit einzelnen Kindern. Um die Sprachfreude zu wecken und wach zu halten wurde u. a. der Gruppenraum gemütlicher eingerichtet, so dass er zum Verweilen, zum Reden und Bücheranschauen anregt. Dort findet jetzt auch eine tägliche Morgenversammlung statt. Die Kinder stellen fest, wer da ist, wer fehlt und erzählen von für sie wichtigen Erlebnissen. Die Wände haben die Kinder mit Fotos von ihren Familien geschmückt. Um die Essenssituation lebendiger und gesprächsfördernder zu gestalten, wurde eingeführt, dass die Kinder gemeinsam den Tisch decken und selbstständig das Essen austeilen.
Das Projekt hat sich als erfolgreich erwiesen: Die Kinder haben ein Interesse an anderen Sprachen entwickelt und eine Akzeptanz gegenüber den anderen Kinder, ihren Sprachen und ihrer Herkunft. Und durch die „Sprachmittler“ hat sich die Zusammenarbeit mit den Eltern verbessert.
Bildung ist: Vorlesen
Ihre ersten Erfahrungen mit dem Lesen und Literatur machen Kinder übers Vorlesen und Bilderbücher angucken. Ob Kinder später gerne lesen, wird ganz wesentlich in den ersten Lebensjahren entschieden, also noch bevor sie in die Schule kommen. Obwohl dieser Zusammenhang bekannt ist, ist das gemeinsame Bücheranschauen, Vorlesen, Erzählen und die Förderung der sprachlichen Entwicklung nicht in allen Kindergärten regelmäßiger Programmpunkt. Einige Kindergärten aber haben sich die Leseförderung explizit vorgenommen und sich mit ihren Konzepten an einem von der Stiftung Lesen und der Deutschen Bahn ausgelobten Wettbewerb beteiligt. Eine der Gewinner-Kitas ist das „Haus Kunterbunt“ in Berlin-Friedrichsfelde. Zusammen mit den Eltern hat das Erzieherteam dort einen Lese- und Theaterraum eingerichtet. Die Kinder können in Kisten stöbern, in denen sich zu den Altersgruppen passende Bücher befinden. Gemeinsam wurden ausrangierte Sessel und Sofas mit schönen Stoffen neu bezogen. Die ErzieherInnen haben Bühnenrequisiten gebastelt, die Eltern Bücher mitgebracht.
Die Kinder entdecken die Bilderbücher auf eigene Faust, lassen sich aber auch gerne etwas vorlesen. Die ErzieherInnen achten darauf, dass viel über das Gehörte gesprochen wird und Geschichten von den Kindern nacherzählt oder weitergesponnen werden. Das Team ist überzeugt, dass sich ihre Bemühungen lohnen. Schon nach einem Jahr Projektarbeit stellten sie fest, dass die Kinder viel selbstbewusster und sprachgewandter geworden sind.(Informationen aus Berliner Morgenpost vom 23. 5. 03)
Bildung ist: Spielen und Lernen in offenen Räumen
Im St. Nicolai-Kindergarten in Coppenbrügge können die Kinder frei entscheiden, auf welche Aktivität sie gerade Lust haben. Die Kita ist in verschiedene Funktionsräume und kleine Spielräume aufgeteilt. Feste Kindergruppen gibt es nicht. Wer wann mit wem spielt oder sich mit etwas beschäftigt hängt allein von den Interessen der Kinder ab. Dadurch sind vielfältige Lernmöglichkeiten entstanden. Im Kreativraum tuschen, malen und basteln die Kinder mit vielfältigen, frei zugänglichen Materialien. Im Werkraum kann mit Holz gestaltet, gesägt und gehämmert werden. Der Theaterraum bietet sowohl eine Bühne als auch Theaterutensilien und eine Spiegelkommode. Wenn die Kinder Hunger oder Durst haben, treffen sie sich mit anderen im Ess- und Küchenbereich. Im Waschraum darf – im Rahmen vereinbarter Regeln – geplanscht und mit Wasser experimentiert werden. Da die Kita sich auch als Bewegungskindergarten versteht und die motorische Erziehung der Kinder fördern möchte, gibt es noch einen großen Bewegungsraum mit viel Licht, ausladenden Wandspiegeln, Bällen und Matten sowie ein jederzeit von den Kindern zu nutzendes Außenspielgelände. Wer sich entspannen oder still in einem Buch blättern möchte, geht in den gemütlichen Ruheraum. Die ErzieherInnen sind zwar immer präsent, halten sich aber eher zurück. Die offene pädagogische Arbeit fordert viel vom Team, hat sich aus Sicht der ErzieherInnen aber bewährt. Die Kinder bewegen sich sicher und selbstständig zwischen den Angeboten und Räumen und übernehmen die Verantwortung für ihr eigenes Handeln. (Informationen von Ramona Steding u. a., aus Kiga heute, 7-8, 2001)
Bildung ist: „Weiße Mäuse“ im Kindergarten
Das ErzieherInnenteam einer Kita in Selm hatte erst große Zweifel, ob Computer im Kindergarten überhaupt etwas zu suchen haben. Sie entschieden sich dennoch, ein Fortbildungsangebot der Landesbildstelle Münster anzunehmen. Daraus entwickelte sich ein Pilotprojekt, das in der Kita unter Anleitung einer Medienpädagogin durchgeführt wurde. Die Projektidee und der Verlauf des Projekts wurden mit den Eltern diskutiert.
Die Kinder durften für die Dauer des Projekts die Computer für cirka drei Stunden pro Tag unter Anleitung aber auch im „ Freispiel“ benutzen. Sie lernten den Umgang mit den Computern sehr schnell und mit viel Spaß. Dabei musste sich immer eine größere Gruppe von Kindern einen Computer teilen, was aber in der Praxis sehr gut funktionierte: Die Kinder spielten miteinander am Gerät, machten Vorschläge, halfen sich gegenseitig und genossen das gemeinschaftliche Erlebnis. Die Kinder akzeptierten bestimmte Regeln für die Lösung von Konflikten (zum Beispiel das Wechseln am PC) und achten selbstständig darauf, dass die aufgestellten Vereinbarungen auch eingehalten wurden.
Die anfänglichen Befürchtungen der ErzieherInnen zerstreuten sich schnell: Die Kinder haben die PCs selbstverständlich angenommen, aber sie werden als ein Angebot neben anderen genutzt, sie haben weder einen deutlich höheren noch einen niedrigeren Stellenwert als andere Aktivitäten.
Mittlerweile gibt es in der Einrichtung permanent einen Computer. Eltern bekommen von den BetreuerInnen Tipps für kindgemäße und erprobte Software. Geplant ist außerdem, zusammen mit den Kindergartenkindern neue Software zu testen und die Ergebnisse in einem Ratgeber weiterzugeben. Informationen von Ursula Sedlack in www.kindergarten-heute.de, Praxisbeiträge)
Bildung ist: Vorurteilsbewusste Arbeit:
Über den "anti-bias-approach" und die Arbeit des Projekts Kinderwelten können Sie sich hier ausführlicher informieren.
Bildung ist: Familienkita
Die Familienkita in Cottbus ist eine Integrationseinrichtung, in der gleichsam Kinder mit und ohne Behinderungen, unabhängig von sozialer Herkunft und Nationalität Aufnahme finden können. Eine ausführliche Darstellung des Arbeitsansatzes finden sie hier.
Bildung ist: Gemeinwesenorientierung
Einen Bericht über das geweinwesenorientierte Konzept des Kinderhauses "Wi-Wa-Wunderland" in Eisenhüttenstadt finden Sie hier.
Bildung ist Sprachförderung:
Über die Erfahrung mit Sprachförderungsinstrumenten in Hamburg können Sie sich hier informieren.