Elternarbeit und Medieneinsatz "Gesunde Ernährung"
Referent: Antonio DiazFachtag Elternbriefe
"Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?"Elternarbeit und Medieneinsatz zu Kitathemen
Referent: Iman El-HusseinElternarbeit und Medieneinsatz "Bildungschancen"
Referent: Antonio DiazTag der offenen Tür im ANE
Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" am Freitag, dem 8. Juni 2012 von 14:00 Uhr bis 20:00 Uhr - Informationen und Gespräche für Eltern und ein buntes Kinderprogramm."Generationsübergreifende Folgen nach Krieg, Flucht, Vertreibung und Emigration"
Vortrag von Anita KnapekBerlin, 08.06.2012, 09:00 - 14:00 "Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?" Programm und Anmeldung
Berlin, 08.06.2012, 14:00 - 20:00 Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" Anmeldung
Erziehungstipps für Migrantenfamilien aus dem arabischen Sprachraum.
Sprachentwicklung und Sprachförderung in 10 Sprachen
"Wie Babys sich entwickeln" - Kurzfilme für junge Eltern.

Yunes K., 40 Jahre, kam als Zehnjähriger aus dem Libanon nach Deutschland. Der Vater von drei Kindern ist arbeitslos. Er engagiert sich ehrenamtlich und teils als Honorarkraft an der Grundschule seiner Kinder.

"Meine Frau und ich haben drei Kinder. Wir haben uns geeinigt, dass sie sich um die KiTa kümmert und ich mich um die Schule. Unsere Grundschule hat einen Migrantenanteil von mindestens 80%. Ich habe bei den Elternabenden gemerkt, dass viele der arabisch sprechenden Mütter, die dort saßen, nichts mitgekriegt, nichts verstanden haben. Die waren bemüht, teilzunehmen, aber sie konnten die Sprache nicht. Und da konnte ich helfen. Ich hab mich als Elternvertreter wählen lassen, später in die GEV, die Gesamtelternvertretung. Da hab ich mich auch zum Vorstand wählen lassen. Die Schulleiterin hat mich daraufhin gebeten, arabisch zu übersetzen. Das habe ich über anderthalb Jahre ehrenamtlich gemacht, später auch für Honorar. Auf Initiative einer engagierten Lehrerin gab es für arabische Eltern auch extra Elternabende in ihrer Sprache. Das fand großen Zuspruch und es wurde heiß diskutiert. In der Muttersprache ist es natürlich leichter zu reden, da kann man auch eher über Probleme sprechen. Nach und nach wurde ich immer häufiger seitens der Schule um Gefallen gebeten. Ich bin auch in der Planungsgruppe der Schule und in der Schulkonferenz, da sind sowohl die Eltern als auch die Lehrer vertreten. So kann ich Einfluss nehmen, zum Beispiel wenn Neuerungen geplant sind, über die eigentlich keiner so recht informiert ist. Mir macht das Spaß, nur immer meckern und die Missstände anprangern, das finde ich nicht in Ordnung. Man kann auch selber ein bisschen tun. Wenn man sich den Stadtteil hier genauer anguckt, sieht man ja, wie notwendig das ist. Es ist ja letztendlich auch im Interesse der eigenen Kinder. Gerade die arabischen Eltern und Kinder haben relativ viele Probleme hier auf der Schule oder allgemein in Deutschland, da fühlte ich mich als Arabisch Sprechender schon beinahe gezwungen, was zu machen.
Dabei geht es nur teilweise ums Übersetzen. Eigentlich geht es um ein Vertrauensverhältnis. Für viele Eltern ist es wichtig, dass jemand da ist, der ihre Probleme kennt und ein bisschen Einsicht hat in ihr Leben und auch ihre Herkunft. Die Probleme sind weitreichend, speziell bei den Palästinensern, die kein rosiges Leben hatten und überall auf der Welt als Fremde gesehen werden. Schon allein der Gedanke, dass man keine Heimat hat, keinen Pass, keine Perspektive hat – ich möchte auch nicht an deren Stelle sein. Arabische und türkische Eltern haben oft auch ein ganz anderes Verständnis von Schule, da ist Schule nicht nur für Bildung, sondern auch für Erziehung verantwortlich. Das heißt, die Eltern geben ihr Kind ab und die Schule darf völlig über das Kind verfügen. Es gibt auch einige, denen die Lehrer nicht autoritär genug sind, die hätten auch gegen Schläge nichts einzuwenden. Diesen Eltern muss man erst mal klar machen, dass eine deutsche Schule in erster Linie eine Bildungsanstalt ist, für die Erziehung sind sie nach wie vor selbst zuständig. Oft kennen die Eltern das Schulsystem überhaupt nicht, sie wissen nicht, was nach der Grundschule passiert, teilweise kannten sie den Unterschied zwischen den Oberschularten gar nicht. Klassenfahrten, Sexualkunde oder Schwimmunterricht sorgen auch häufig für Probleme mit muslimischen Eltern. Wir reden dann über solche Punkte und versuchen zu vermitteln. Wir sagen den Eltern zum Beispiel, dass es auch in den Ländern, aus denen sie kommen, nicht mehr so ist wie vor 20 Jahren, auch dort gibt es inzwischen Sexualkunde und gemeinsame Ausflüge von Jungen und Mädchen. Man darf die Eltern allerdings nicht frontal angehen und sie vor den Kopf stoßen. Ich versuche, sensibel mit ihren Gefühlen umzugehen und spreche Probleme eher indirekt an, so dass sie sich selbst denken können, was gemeint ist. Es ist besser, wenn die Leute glauben, dass sie etwas von sich aus machen, als dass man sie zwingt.
An unserer Grundschule geht der DaZ-Unterricht, also der zusätzliche Deutsch-Unterricht für die Migrantenkinder, oft für Vertretungsstunden drauf. In der sechsten Klasse können deshalb manche immer noch kaum deutsch. Die wesentlichen Anstöße zur Auseinandersetzung mit der multikulturellen Schülerschaft kommen über den Schülerclub als soziales Projekt und über andere Eltern. Die meisten Lehrer kümmern sich wenig darum. Es fehlt an Engagement und auch an Wissen. Offenbar sind sie von ihrer Ausbildung her auch nicht auf eine multikulturelle Klasse vorbereitet. Viele haben keine Ahnung vom Islam und anderen Traditionen. Sie könnten sich ja informieren, sich mal ein paar Bücher darüber besorgen, aber das passiert nicht. Es reicht nicht, wenn nur die Religionslehrer darüber Bescheid wissen, alle Lehrer sollten über den Islam eine gewisse Kenntnis haben. Dann könnten sie auch besser mit muslimischen Schülern umgehen. Meine deutsche Schwägerin ist auch Lehrerin, die kann ein bisschen arabisch und türkisch und kennt sich auch mit dem Islam aus. Dadurch kann ihr kein Schüler etwas vormachen. Wenn die behaupten, im Islam ist das so und wir dürfen dies und das nicht, kann sie kontern, nein, das stimmt nicht. Lehrer, die sich damit nicht auskennen, haben nichts dagegen zu setzen, wenn Schüler und auch deren Eltern sich mit ihrer Religion herausreden wollen.
Meine Anwesenheit an der Schule hat nach meinem Eindruck dazu geführt, dass die muslimischen Kinder sich respektvoller benehmen. Denen sagen die Eltern: Da ist ein Araber an der Schule, der weiß alles, benehmt euch vernünftig und blamiert uns nicht. Ich begleite die Lehrer auch oft bei der Pausenhof-Aufsicht, allein durch meine Anwesenheit ist es da schon sehr viel ruhiger geworden. Als ich vor vier Jahren hier angefangen habe, musste ich noch viel übersetzen und wurde oft hinzugezogen um zu vermitteln. Inzwischen haben sich viele Reibungspunkte erledigt. Woran es aber immer noch hapert, sind die Deutschkenntnisse der Kinder. Da kann die Schule offenbar nicht aufarbeiten, was vorher versäumt wurde. Kinder, die beim Schuleintrittsalter kein Deutsch sprechen, dürften gar nicht eingeschult werden, die behindern letztendlich die anderen Kinder. Ich plädiere daher für eine KiTa-Pflicht für Migrantenkinder ab drei Jahre. Das könnte auch gratis sein, soviel Geld sollte schon da sein. Aber auf jeden Fall sollte in der KiTa darauf geachtet werden, dass die Kinder sich auch untereinander auf Deutsch verständigen. Ein Migrantenanteil von 80% ist natürlich eine Herausforderung, aber da darf man nicht einfach resignieren. Man kann die Probleme auch lösen."
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Die Praxis: Kitas und Schulen im kreativen Wandel
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