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Veranstaltungen

Dortmund, 02.06., 10 - 13 Uhr

Elternarbeit und Medieneinsatz "Gesunde Ernährung"

Referent: Antonio Diaz
Ort: Biff e.V., Wittenstr. 46, 44149 Dortmund
Teilnehmer: max 15 Personen

Berlin, 08.06., 09:00 Uhr

Fachtag Elternbriefe

"Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?"

Berlin, 08.06., 10:00 Uhr

Elternarbeit und Medieneinsatz zu Kitathemen

Referent: Iman El-Hussein
Ort: ANE - Geschäftstelle
Teilnehmer: max 15 Personen

Berlin, 08.06., 10:00 Uhr

Elternarbeit und Medieneinsatz "Bildungschancen"

Referent: Antonio Diaz
Ort: ANE - Geschäftsstelle
Teilnehmer: max 15 Personen

Berlin, 08.06., 14:00 Uhr

Tag der offenen Tür im ANE

Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" am Freitag, dem 8. Juni 2012 von 14:00 Uhr bis 20:00 Uhr - Informationen und Gespräche für Eltern und ein buntes Kinderprogramm.

Berlin, 15.06., 20:00 Uhr

"Generationsübergreifende Folgen nach Krieg, Flucht, Vertreibung und Emigration"

Vortrag von Anita Knapek 

Fachtag Elternbriefe

Berlin, 08.06.2012, 09:00 - 14:00 "Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?" Programm und Anmeldung

Tag der offenen Tür

Berlin, 08.06.2012, 14:00 - 20:00 Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" Anmeldung

Elterntipps Arabisch/Deutsch

Erziehungstipps für Migrantenfamilien aus dem arabischen Sprachraum.

Elternbriefe Schule Berlin

Elternbriefe Sprache

Sprachentwicklung und Sprachförderung in 10 Sprachen

Download.
Bestellen.

Filme für Eltern

"Wie Babys sich entwickeln" - Kurzfilme für junge Eltern.

Ganztagsschulen - a4k-Schwerpunktthema September 2003 - Der Überblick

Neue Hoffnung Ganztagsschulen

Ganztagsschulen sind ins Zentrum der bildungspolitischen Debatten in der Bundesrepublik gerückt. Die PISA-Studien haben deutlich gezeigt, dass das bundesdeutsche Schulsystem krankt: Das Leistungsniveau der deutschen Schüler liegt deutlich unter dem Durchschnitt der Industrieländer. Mindestens so erschreckend war die durch PISA gewonnene Erkenntnis, dass unser Bildungssystem hochgradig sozial ungerecht ist. In keinem anderen vergleichbaren Land entscheidet die soziale Herkunft so sehr über den Bildungserfolg von Kindern wie in Deutschland. Und auch bei der Förderung von Kindern aus nicht-deutschsprachigen Familien liegt die Bundesrepublik auf den allerletzten Plätzen.

Seit PISA diskutieren Politiker, Medien, Pädagogen und Eltern (-Verbände) über Reformen. Die Schulsysteme der erfolgreichen PISA-Länder, beispielsweise das finnische, werden darauf geprüft, was bei ihnen besser gemacht wird. Gefordert werden unter anderem eine Aufhebung der frühen Sortierung von Kindern in Hauptschule, Realschule oder Gymnasium, individuelle Förderung, größere Schulautonomie, stärkere Praxisorientierung in der Lehrerausbildung und frühzeitiger Deutschunterricht für Kinder mit Migrationshintergrund. Im Rahmen dieser Debatten verspricht das Konzept der ganztägigen Schule Lösungen zu bergen, eine Schulform, die seit dem Gesamtschulvorstoß in den 70-er Jahren weitgehend in Vergessenheit geraten war.

Bis jetzt gibt es Ganztagsschulen bei uns nur in verschwindend geringer Zahl. Lediglich zirka fünf Prozent der Schulen bieten eine ganztägige Betreuung an, davon sind die Hälfte Sonderschulen. Dabei ist Deutschland mit seinen Schulen, die die Kinder schon um 13 Uhr nach Hause schicken, eine Ausnahme innerhalb der Industrieländer. In den skandinavischen Ländern, in Frankreich, Großbritannien, den USA, Kanada und anderen geht die große Mehrheit der Kinder bis zum Nachmittag in die Schule. Auch in den besonders erfolgreichen PISA-Ländern wie Finnland dominiert das Modell der ganztägigen Schule.

Was ist politisch geplant?
Die Bundesregierung hat daher als Antwort auf PISA beschlossen, den Ausbau von Ganztagsschulen voranzutreiben. Sie stellt im Rahmen des Programms „Zukunft Bildung und Betreuung“ vier Milliarden Euro bis zum Jahr 2007 für neu einzurichtende Ganztagsschulen zur Verfügung. Damit sollen 10.000 neue Grund- und Oberschulen (bis zur 10. Klasse) im Ganztagsbetrieb entstehen. Längerfristig soll jede dritte Schule im Bundesgebiet ganztägig offen sein.

Bisherige Halbtagsschulen können ein Konzept zur Ganztagsschulbetreuung vorlegen und sich damit um die Bundesmittel bewerben. Wie der Unterrichtstag im Einzelnen organisiert wird, bleibt den Schulen selbst überlassen. Sie sollen auch ihre Lehrer selbst aussuchen und über Fragen wie Freizeitgestaltung und die Art des Essensangebots entscheiden dürfen. Mittlerweile haben auch die Bundesländer angekündigt, diesen Weg unterstützen zu wollen.

Die Initiative entspricht dem Wunsch vieler Eltern. In einer vor kurzem durchgeführten Umfrage befürworteten gut 50 Prozent der Befragten den Ausbau von Ganztagsschulen. Das waren deutlich mehr als bei früheren Umfragen. In einer Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung sagten 70 Prozent der nichterwerbstätigen Mütter, dass sie gerne eine Erwerbsarbeit aufnähmen, wenn es ein ausreichendes Ganztagsangebot zur Versorgung ihrer Kinder gäbe. Und bereits existierende Ganztagsschulen - vor allem diejenigen, die ein spezielles Profil anbieten, wie zweisprachigen Unterricht oder eine künstlerische oder musische Ausrichtung - können sich vor Anmeldungen kaum retten und müssen Bewerber ablehnen.

Allerdings gibt es noch immer eine Reihe von ungeklärten Fragen bei der Umsetzung des politischen Zieles, Ganztagsschulen zu fördern. Nicht zuletzt diejenige Frage, was eigentlich genau als Ganztagsschule gelten soll und was nicht. Bezeichnet der Begriff nur Schulen, die für alle Schüler an fünf Tagen pro Woche Ganztagsbetreuung anbieten und über ein spezielles pädagogisches Konzept verfügen? Oder dürfen sich künftig auch herkömmliche Halbtagsschulen, die um ein freiwilliges Mittagessen und AG-Angebot am Nachmittag erweitert wurden, Ganztagsschulen nennen? Zwar sieht das Programm der Bundesregierung vor, dass nur die Schulen den Zuschuss vom Bund bekommen können, die ein schlüssiges pädagogisches Konzept vorlegen. Doch noch diskutieren Regierung und Kultusministerkonferenz darüber, wie ein solches im Einzelnen aussehen soll.

Was sind Ganztagsschulen?
Grundsätzlich muss zwischen zwei Typen von Ganztagsschulen unterschieden werden: der gebundenen und der offenen Form. Bei der gebundenen Ganztagsschule gibt es eine Anwesenheitspflicht für alle Schüler von morgens bis nachmittags, oft bis 16 Uhr. Die Kinder essen gemeinsam zu Mittag und erledigen ihre Hausaufgaben in der Schule. Da insgesamt mehr Zeit zur Verfügung steht, ist es möglich, Unterricht (Lernphasen) und Freizeitprogramm (Entspannung) über den Tag hinweg zu verteilen (sogenannte Rhythmisierung). Das heißt, die Kinder haben sowohl vormittags als auch nachmittags Schulunterricht, aber immer wieder durchbrochen durch Phasen der Stillarbeit, durch Freizeitaktivitäten und Ausruhpausen. In der offenen Form hingegen ist die Anwesenheit am Nachmittag freiwillig, wird zum Teil auch nur an einigen Tagen in der Woche angeboten. Eine Rhythmisierung des Schultages ist dann nicht möglich. Notwendigerweise liegen alle Unterrichtsstunden am Vormittag, da nur dann alle Kinder verlässlich anwesend sind. Das Freizeitprogramm und die Hausaufgabenbetreuung finden am Nachmittag statt und werden nicht von allen Schülern genutzt.

Was spricht für Ganztagsschulen?
Ganztagsschulen sind ein wesentlicher Schritt hin zu einem besseren und gerechteren Schulsystem sein. Mit ihren zeitlichen Rahmenbedingungen ermöglichen Ganztagsschulen eine intensivere individuelle Förderung, die Vermittlung von Freude am Lernen und das Einüben sozialen Lernens. Sie können ein Ort sein, an dem Kinder von und mit anderen Schülern lernen und sich in kulturellen, sozialen und politischen Projekten ausprobieren können. Neben der Vermittlung des Unterrichtsstoffs ist besteht die Chance, Schüler an ein sinnvolles Freizeitprogramm heranzuführen, also Theater-AG, Schulgarten und Yoga statt Fernsehen und Computerspielen.

Freizeit
Zurzeit muss sich die Mehrzahl der deutschen Schulkinder ihren Nachmittag selbst oder mit Elternhilfe gestalten. Nur etwa jedes sechste Schulkind hat eine organisierte Nachmittagsbetreuung, in einem Hort oder einer Ganztagsschule. Gerade dann, wenn Eltern nicht genug Zeit oder nicht das Geld haben, spannende und anregende Freizeitaktivitäten zu ermöglichen, sind Kinder schlecht dran. Kein Wunder also, dass der TV-Konsum von Kindern zugenommen hat. Das in Karlsruhe ansässige Institut für Sport und Sportwissenschaft ermittelte, dass Kinder heute im Schnitt neun Stunden am Tag im Sitzen verbringen und ein Viertel der Kinder nur noch maximal einmal wöchentlich im Freien spielt.

An Ganztagsschulen sind Freizeitangebote in den Schultag integriert. Dabei arbeiten die Schulen üblicherweise mit außerschulischen Einrichtungen zusammen. Dann übernimmt es der örtliche Sport-, Schach-, oder Reitverein oder die Musikschule in Abstimmung mit der Schule, das Freizeitprogramm anzubieten. Das kann auf dem Gelände der Schule stattfinden oder auch außerhalb. Zum Teil wird bewusst ein Kontakt zwischen der Schule und externen Partnern gesucht, um die Kinder auch mit ihrer Umgebung, dem Ort, in dem sie wohnen, vertraut zu machen.

Chancengleichheit
Ganztagsschulen können zudem mehr Chancengleichheit ins deutsche Schulsystem bringen. Eine Gleichheit, die zwar immer vorausgesetzt wurde, in der Realität aber nicht gegeben ist. Denn gerade Kinder aus sozial schwachen Verhältnissen oder aus Familien mit Migrationshintergrund profitieren von zusätzlicher individueller Förderung, beispielsweise deutschem Sprachunterricht, und qualifizierter Hausaufgabenbetreuung, die im Rahmen von Ganztagsschulen eher möglich ist. Denn anders als in Mittel- und Oberschichtfamilien gibt es für diese Kindern nicht die Möglichkeit, Wissensdefizite durch privaten und teuren Nachhilfeunterricht am Nachmittag zu kompensieren. Für Kinder, deren Eltern nur schlecht Deutsch sprechen, ist es von Vorteil, wenn ihnen Lehrer bei der Erledigung der Hausarbeiten zur Seite stehen und sie ganztägig in deutsche Sprachzusammenhänge eingebunden sind. Und unabhängig vom Einkommen der Eltern haben Kinder an Ganztagsschulen Zugang zu abwechslungsreichen Freizeitangeboten.

Lernen erfordert Zeit und Abwechslung
Da Ganztagsschulen mehr Stunden am Tag zur Verfügung haben als Halbtagsschulen, kann vieles davon umgesetzt werden, was Lernforscher fordern. Um den Spaß am Lernen aufrecht zu erhalten und Wissen zu verfestigen, empfehlen Experten eine abwechslungsreiche Tagesgestaltung, eine gelungene Mischung aus Unterricht, Wiederholung und Freizeit, zwischen angeleitetem und selbstbestimmten Lernen, zwischen Phasen der Konzentration und der Entspannung. In Ganztagsschulen gibt es in der Regel nämlich nicht mehr Unterrichtsstunden als in Halbtagsschulen; die Einheiten sind aber über den ganzen Tag verteilt, und können zum Beispiel durch individuelle Förderstunden, Sport, Musikunterricht, Bastel-AG, Projektarbeit und Essenspausen aufgelockert werden. (Allerdings gibt es in der aktuellen Diskussion auch Stimmen, die auf Ganztagsgymnasien mit höherer Stundenzahl setzen, um so die Gesamtschulzeit deutscher AbiturientInnen zu verkürzen.)

Da an Ganztagsschulen die Zeit zur Verfügung steht, Gelerntes zu wiederholen und in anderen Zusammenhängen anzuwenden, ist hier eher die Chance gegeben, dass das Gelernte auch Bestand hat. Wissen bleibt dann nicht nur bis zur nächsten Klassenarbeit im Kurzzeitgedächtnis, sondern kann sich wirklich verfestigen. Der Lernstoff wird nicht mehr, es steht aber mehr Zeit zur Verfügung, ihn zu bewältigen und intensiver zu üben. Und aufgrund der zusätzlichen Zeit haben LehrerInnen die Möglichkeit, ihre Schüler besser kennen zu lernen und ihre individuellen Lernbedürfnisse, ihre Talente und Potenziale, gezielter zu fördern. Darüber hinaus bleibt die Zeit, gemeinsam Projekte zu planen und zu verwirklichen und so etwas wie eine individuelle Schulkultur zu etablieren.

Viele Ganztagsschulen stimmen ihre Tagesplanung auf den Biorhythmus der Kinder ab. Das heißt, dass neuer Stoff zu einem Zeitpunkt dran genommen wird, wenn die Aufnahmebereitschaft hoch ist und Entspannungsphasen auf die Zeit gelegt werden, wenn die Kinder einen Tiefpunkt haben, wie nach dem Mittagessen. Damit Ganztagsschulen von einer reinen Lehranstalt zu einem angenehmen Lebensort werden können, sind Ruhepausen und gemütliche Rückzugsräume notwendig. Denn ein ganzer Tag inmitten einer Gruppe von Kindern, mit all dem, was an Lärm, sozialer Interaktion und Konzentration dazu gehört, ist anstrengend. Auch das gemeinsame Mittagessen kann dann zu einer stressigen Massenveranstaltung werden. All dies sind Umstände, die besonders für eher zurückgezogene und ruhebedürftige Kinder belastend sein können. Entsprechend muss in der Tagesplanung darauf Rücksicht genommen werden, müssen Orte eingerichtet werden, an denen ein Kind auch mal alleine sein darf.

Zufriedene Kinder - zufriedene Eltern
Gut funktionierende Ganztagsschulen können das Familienleben entlasten. Denn da die Kinder ihre Hausaufgaben bereits unter Anleitung in der Schule erledigen, müssen Eltern nicht länger die Rolle des „Hauslehrers“ übernehmen. Aufreibende Auseinandersetzungen über die Hausarbeiten entfallen. Da die Eltern auch weniger Zeit fürs Kochen aufbringen müssen, bleibt insgesamt mehr Freiraum, sich direkt und entspannt mit den Kindern zu beschäftigen.

Ganztagsschulen sind darüber hinaus ein wesentlicher Schritt hin zu einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Mit dem Ausbau ganztägiger Kinderbetreuung verbindet sich die Hoffnung, dass die Erwerbstätigkeit von Frauen und alleinerziehenden Vätern erleichtert wird. Gleichzeitig wird erwartet, dass sich Frauen dann wieder häufiger fürs Kinderkriegen entscheiden könnten. Denn zurzeit liegt Deutschlands Geburtenrate weit unter dem Durchschnitt der Industrieländer. Und die meisten Kinder bekommen Frauen in den Länder, in denen flächendeckend Ganztagsbetreuung in Kindergärten und Schulen zur Verfügung steht.

(Untersuchungen haben einen Zusammenhang zwischen ganztägiger Kinderbetreuung, der Berufstätigkeit von Frauen und Geburtenraten festgestellt. In Ländern mit umfassenden Betreuungsangeboten, wie beispielsweise in Frankreich, ist eine größere Zahl der Frauen berufstätig. Gleichzeitig entscheiden sich mehr Frauen dafür, Kinder zu bekommen.)

Und die Lehrer?
Ganztagsschulen stellen auch eine Chance dar, das Selbstverständnis der Lehrenden zu verändern. Statt Einzelkämpfern, die ihren Unterricht hinter verschlossenen Türen im 45-Minuten-Takt über die Bühne bringen, sind an Ganztagsschulen Teams gefragt, in denen sich Lehrer gemeinsam mit Erziehern, Chorleitern oder den Trainern von Sportvereinen über die Tagesplanung, die Fortschritte und Probleme der Kinder verständigen müssen. Gefragt ist ein ganzheitliches Konzept von Bildung, Erziehung und Persönlichkeitsentwicklung. An ganztägigen Schulen haben LehrerInnen den zeitlichen Rahmen, die Lernprozesse der Schüler individueller zu unterstützen und kreative Unterrichtsformen zu entwickeln.

In einer kürzlich durchgeführten Befragung von Schülern, Eltern und Lehrern an neu eingerichteten Ganztagsschulen in Rheinland-Pfalz zeigte sich die große Mehrheit der Lehrer mit ihrer Arbeit ausgesprochen zufrieden. Besonders positiv fanden die befragten Lehrerinnen und Lehrer, dass sich die Schule zum Lebensort gewandelt habe, an dem sich die Kinder aufgehoben und betreut fühlten. Die neue Schulform erlaube es den LehrerInnen, ihre Schüler besser kennen zu lernen. Der Kontakt zur Klasse sei viel enger geworden. Auch die Zusammenarbeit mit den außerschulischen Partnern wurde als Gewinn bringend für die Schule bewertet. Das Öffnen nach außen, das Lernen an anderen Orten wie im Wald oder auf dem Bauernhof habe sich für die Kinder sehr bewährt.

Auch die Hausaufgabenbetreuung in der Schule wurde von den Lehrenden als positiv empfunden. Und zwar auch, weil sie als gegenseitige Kontrolle der LehrerInnen funktioniert. So sagte eine der befragten LehrerInnen: „Man muss sich am Ende der Stunde dann ganz bewusst ein paar Minuten Zeit nehmen, um die Hausaufgaben präzise zu formulieren und sich zu überlegen, was man damit erreichen will. Da wirkt natürlich auch ein bisschen die soziale Kontrolle durch andere Lehrer.“ Nicht nur die LehrerInnen gaben dem Modell „Ganztagsschule“ gute Noten. Die befragten Eltern und Kinder waren ebenfalls überwiegend zufrieden. So gaben 54 Prozent der Eltern an, die Entscheidung für die Ganztagsschule sei „richtig“ gewesen, für 23 Prozent war sie „zum Großteil richtig“ (Polis-Studie: www.ganztagsschule.rlp.de
/files/Polis_lang.pdf
).

Eine Ganztagsschule braucht ein Konzept und gute Ideen
Experten sind sich einig: Damit Ganztagsschulen das leisten können, was von ihnen erwartet wird, bedarf es eines Konzepts. Es reicht nicht aus, Kinder nur länger in der Schule zu behalten, wenn dort kein Plan existiert, wie sie sinnvoll betreut werden können.

Man braucht also nicht nur einen größeren zeitlichen Rahmen, sondern auch ein anderes Selbstverständnis, inhaltliche Verbesserungen und die finanziellen Mittel, diese Neuerungen auch umzusetzen. Die Schule muss ein Konzept entwickeln, dass sich am einzelnen Kind, an seine Bedürfnissen und Potenzialen ausrichtet. Gleichzeitig muss die Schule auch zu ihrem Stadt- oder Ortsteil passen, muss sich darauf einstellen, was die dort lebenden Kinder als Gruppe brauchen. Natürlich handelt es sich dabei um einen Lernprozess - eine neue Schulkultur, die offener und ganzheitlicher ist und die Kinder in den Mittelpunkt stellt, kann nicht einfach verordnet werden. Alle zusammen, die Pädagogen, die Eltern, außerschulische Akteure und nicht zuletzt die Schüler selbst, müssen gemeinsam an „ihrer“ Schulkultur mitwirken. Nur in einem Prozess des Austausches, des Ausprobierens und anschließenden Auswertens kann eine Schule eine inspirierende Lernatmosphäre und ein eigenes „Gesicht“ entwickeln. Nur dann kann sie für die Kinder und Lehrer zu einem Lebensort werden, an dem man sich gerne aufhält und für den man sich verantwortlich fühlt.

Es wird davon ausgegangen, dass Ganztagsschulen im Vergleich zu Halbtagsschulen einen 30 - 40prozentigen Mehrbedarf an Personal haben. Dabei handelt es sich allerdings nicht unbedingt um zusätzliche Lehrer, sondern vor allem um Sozialpädagogen, Erzieher und anderes Personal. Aber auch externe Kräfte wie SporttrainerInnen, KünstlerInnen, SchriftstellerInnen, GärtnerInnen, StreitschlichterInnen, MuseumspädagogInnen usw. können eine wichtige Rolle spielen. Die Zusammenarbeit mit Menschen von außerhalb der Schule erlaubt es den Kindern, andere Menschen, Orte und Umgangsformen kennen zu lernen und das in der Schule Gelernte in anderen Zusammenhängen umzusetzen. Die Öffnung der Schule nach außen, beispielsweise die Kooperation mit freien Trägern, Schülerläden, Horten, aber auch mit Eltern und anderen Interessierten ist eine wichtige Chance.

Die Lehrergewerkschaft GEW warnt allerdings vor Schnellschüssen, die sich der Öffentlichkeit zwar gut „verkaufen“ lassen, die aber weder inhaltlich ausgereift sind, noch über die nötige Finanzierung verfügen. Die Gewerkschaft geht allerdings auch davon aus, dass niemandem mit der Forderung nach sofortiger Erfüllung von Maximallösungen gedient ist. Stattdessen sollten die Bundesregierung, die Landesregierungen und die Kommunen über Ziele, pädagogisch tragfähige Konzepte und bindende Standards verhandeln und eine stufenweise Umsetzung verbindlich beschließen.

Fazit
Ganztagsschulen sind nicht per se die besseren Schulen. Wichtig ist, wie der Schultag im einzelnen organisiert ist. Ob beispielsweise genug Räume für die unterschiedlichen Unterrichts- und Freizeitanforderungen zur Verfügung stehen und wie die Angebote betreut werden.

Ganztagsschulen bieten aber einen Rahmen, in dem individuelle Förderung, soziale Chancengleichheit, innovative Lernkonzepte und neue Unterrichtsformen sehr viel besser umzusetzen sind als an Halbtagsschulen.

Fest steht, dass die Probleme im deutschen Schulsystem nicht von einem Tag zum nächsten behoben werden können. Verbindliche Qualitätsstandards und ein Rahmen für innovative pädagogische Konzepte sind erst der Anfang für die Veränderung von Schule. Alles weitere ist ein langwieriger Prozess, der umso erfolgreicher sein wird, je mehr sich Schule für ihr Umfeld öffnet und je stärker Schülerinnen und Schüler und Eltern an ihm beteiligt werden.

Längerfristig sind gebundene Ganztagsschulen anzustreben. Denn nur, wenn alle Kinder bis zum Nachmittag bleiben, lassen sich Unterricht, Freiarbeit und Freizeitprogramm sinnvoll über den Tag verteilen. Nur dann entwickelt sich ein Gemeinschaftsgefühl und eine Identifikation mit der Schule. Offene Ganztagsschulen, deren Halbtagsangebot durch die Zusammenarbeit mit Horten und Schülerläden erweitert wird, sind erste Zwischenlösungen auf dem Weg zu diesem Modell.

Infos zum Programm „Zukunft Bildung und Betreuung“ finden Sie auf den Seiten des Ministeriums für Bildung und Forschung: www.bmbf.de/de/1125.php.

Auf der Seite des Deutschen Jugendinstituts gibt es die Broschüre „Auf dem Weg zu einer neuen Schule - Jugendhilfe und Schule in gemeinsamer Verantwortung“ als PDF-File, herausgegeben vom Bundesjugendkuratorium: www.dji.de/bjk/bjk_auf_dem_weg_zu_einer_neuen_schule_2003.pdf.

Viele Texte und Adressen rund um Ganztagsschulen gibt es beim Ganztagsschulverband: www.ganztagsschulverband.de.

 

Weitere Informationen zum Thema: Infos, Hinweise, Beispiele

- Der erste Schultag ist nicht nur für Kinder, sondern auch für ihre Eltern ein großes Ereignis. Der neue Sonder-Elternbrief des ANE „Schul(e)leben“ hilft Eltern, die „richtigen“ Fragen an die Schule zu stellen. Neu: Elternbrief „Schul(e)leben“ in deutsch und türkisch!

- Lesen Sie ein Interview mit Leo und seiner Mutter: Darüber wie er seine deutsch-englische Ganztagsschule in Berlin findet. Und darüber wie unterschiedlich die Meinungen von Kindern und Eltern zu solchen Themen wie gesundes Mittagessen und Hausaufgaben sind: Wie Leo, 11 Jahre, seine Ganztagsschule findet.

- Ist diese Schule richtig für mein Kind? Diese Punkte sollten Sie bei der Auswahl einer Ganztagsschule beachten, oder wenn Sie sich an Ihrer Schule für eine Umwandlung engagieren wollen. Gucken Sie sich unsere Checkliste an: Worauf Sie bei der Schulwahl achten sollten.

- Beispiele vom Lernen ohne Noten, von Schülerfirmen, von Schulseen, Kletterkursen und Japanischunterricht: Kennen Sie diese Schulen? - Praxisbeispiele.

- Worum geht es? Was ist mit dem Begriff überhaupt gemeint? Wie viele gibt es? Das und jede Menge andere Antworten auf Fragen im Zusammenhang mit Ganztagsschulen finden Sie hier: Ganztagsschulen in Kürze.

- Die „PISA-Sieger“: Was läuft anders? Was läuft besser? Ganztagsschulen in Finnland, Schweden und Kanada: Schule bei unseren Nachbarn.

Wussten Sie, dass...?

Weiterführende Links

Fachtagung „Zeit für Engagement!"