Elternarbeit und Medieneinsatz "Gesunde Ernährung"
Referent: Antonio DiazFachtag Elternbriefe
"Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?"Elternarbeit und Medieneinsatz zu Kitathemen
Referent: Iman El-HusseinElternarbeit und Medieneinsatz "Bildungschancen"
Referent: Antonio DiazTag der offenen Tür im ANE
Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" am Freitag, dem 8. Juni 2012 von 14:00 Uhr bis 20:00 Uhr - Informationen und Gespräche für Eltern und ein buntes Kinderprogramm."Generationsübergreifende Folgen nach Krieg, Flucht, Vertreibung und Emigration"
Vortrag von Anita KnapekBerlin, 08.06.2012, 09:00 - 14:00 "Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?" Programm und Anmeldung
Berlin, 08.06.2012, 14:00 - 20:00 Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" Anmeldung
Erziehungstipps für Migrantenfamilien aus dem arabischen Sprachraum.
Sprachentwicklung und Sprachförderung in 10 Sprachen
"Wie Babys sich entwickeln" - Kurzfilme für junge Eltern.

Autorin: Dr. med. Nadia Osman, Ärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie
Aggressives Verhalten im Kindes- und Jugendalter hat viele Gesichter. Sowohl die Formen als auch die Ursachen können sehr vielfältig sein. Man unterscheidet verbale Aggressionen in Form von Beschimpfungen und Beleidigungen und körperliche Aggressionen wie Schlagen, Treten, Beißen bis hin zu massiven Verletzungen. Aggressives Verhalten kann gegen Andere oder gegen sich selbst, gegen Gegenstände, Menschen oder auch Tiere gerichtet sein. Eines haben alle aggressiven Verhaltensweisen gemeinsam: die Ausweglosigkeit. Wenn das Kind oder der Jugendliche keine andere Lösungsstrategie findet. Es ist ein Hilfeschrei der betroffenen Kinder, aber auch ein Hilfeschrei der Eltern, der Erzieher in den Kitas, der Lehrer in den Schulen und der gesamten Gesellschaft, wo Aggressivität unter Kindern und Jugendlichen massiv zugenommen hat.
Es ist sehr wichtig zu unterscheiden, um welche Form es sich bei der Aggressivität handelt, denn die genaue Qualität des aggressiven Verhaltens entscheidet über Verlauf, Prognose und den Umgang damit. Im Grunde genommen ist das aggressive Verhalten nur ein „Symptom“. Man kann es mit einem Theaterstück vergleichen. Während man das Verhaltensproblem deutlich auf der Bühne sieht, verbergen sich die Motive hinter den Fassaden. Motive sind oft: Frust, Leid, Orientierungslosigkeit, Angst und Verunsicherung, Opposition, unverarbeitete Gefühle, Suche nach Aufmerksamkeit und Kränkung, Reaktion auf Ungerechtigkeit.
Es gibt ein Kind, welches schnell reizbar ist und bei Überflutung von Reizen und äußerer Unruhe aus Nervosität Wutattacken zeigt. Ein anderes Kind zeigt aggressives Verhalten aus einer Frustsituation in der Schule heraus. Ein Kind fühlt sich ungerecht behandelt und versucht seine Rechte mit Gewalt zu erzwingen, da es das Gefühl hat, keinerlei Unterstützung zu bekommen. Ein anderes Kind handelt ohne nachzudenken. Es fällt ihm schwer, seine Affekte zu kontrollieren. In der Regel tut es ihm im Nachhinein leid. Ein anderes Kind wiederum schlägt und verletzt Andere ohne Leidgefühl. Es hat kein Einfühlungsvermögen. Ein weiteres Kind hat gelernt, nur durch negatives Verhalten Aufmerksamkeit von seinen Eltern zu bekommen und beachtet zu werden. Ein ängstliches Kind zeigt bei Verunsicherung Aggressivität, weil es überfordert ist. Ein Kind, welches keinerlei Grenzen von seinen Eltern bekommt, schlägt aus Orientierungslosigkeit um sich herum.

Der Umgang mit Aggression ist ein zentrales Thema in der Kindererziehung. Die Aufgabe der Eltern ist es, vor allem gute Vorbilder zu geben. Kinder lernen Konfliktlösung vor allem von ihren Eltern. Schreiende und bestrafende Eltern sind ein negatives Vorbild. Eltern, die ihre Konflikte mit Gesprächen und Kompromissen lösen, bieten ihren Kindern alternative Lösungen an. Des Weiteren ist es wichtig, klar und konsequent zu sein. Weder ein zu nachlässiger noch ein zu strenger, autoritärer Erziehungsstil sind dabei hilfreich. Kinder sollten früh zu prosozialem Verhalten gestärkt werden. Hilfsbereitschaft gegenüber jüngeren und älteren Menschen, soziales Verhalten in Gruppen und Sportvereinen, gemeinsame Unternehmungen und positive Beziehungen innerhalb der Familie sind alles wichtige erzieherische Maßnahmen, die vorbeugend gegen Aggressivität wirken.
In manchen Fällen und wenn die Eltern sich überfordert fühlen, sollten therapeutische Maßnahmen in Betracht gezogen werden. Familientherapie sowie Unterstützung der Eltern im Erziehungsverhalten durch Familien- und Einzelfallhelfer vor Ort, aber auch die psychotherapeutische Arbeit mit dem Kind selbst (Verhaltenstherapie) sind hilfreich und wichtig.
Verhaltenstherapie bedeutet, das Verhalten des Kindes mit Belohnungssystemen und Konsequenzen zu verändern, konkrete Konflikte mit dem Kind einzuüben und alternative Lösungsstrategien zu entwickeln und zu erarbeiten, damit das Kind lernt, seine Wut adäquat abzubauen, sein Leid zu verbalisieren, seine Gefühle besser zu verstehen und statt einem Hilfeschrei konstruktive Lösungen zu finden.
In anderen Fällen, wenn es vor allem um biologische Faktoren geht oder bei einem ausgeprägten Ausmaß sind Medikamente eine sinnvolle Lösung. Besser als beruhigende Präparate sind angstlösende und stimmungsstabilisierende Medikamente, die die Problematik von ihren Wurzeln angehen und biologische Faktoren ausgleichen.
Aggressives Verhalten im Kindes- und Jugendalter soll sorgfältig untersucht und nach den dahinter stehenden Motiven gesucht werden, um überhaupt erst gezielt behandeln oder möglicherweise sogar vorbeugen zu können. Je früher die Vorbeugung und Behandlung aggressiver Verhaltensweisen beginnen, desto besser sieht die Prognose aus. Eltern spielen eine Schlüsselrolle in dieser wichtigen Aufgabe der Erziehung. In der Behandlung müssen viele Institutionen kooperieren und auf mehreren Ebenen arbeiten (psychotherapeutisch, soziopädagogisch, pharmatherapeutisch, Jugendhilfemaßnahmen, Sportvereine und Jugendclubs). Nur dann wird der Hilfeschrei einer gesamten Gesellschaft in Stimmen lachender, wertgeschätzter und zufriedener Kinder und Jugendlicher erfolgreich umgewandelt.
Das Arabische Medienprojekt "mit Eltern - für Eltern" ist ein Projekt vom Arbeitskreis Neue Erziehung e.V