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Sprachbriefe

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Kinder unterwegs

Autor: Stephan Wiehler

ANE-Elternbrief
Foto: M. Derafsheh

Wie Grundschüler in der Stadt mobil werden und Eltern sie in Bewegung bringen

Anlässlich der Europäischen Mobilitätswoche vom
16. bis 22. September bringt der Arbeitskreis Neue Erziehung e.V. Familien in Bewegung – zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, aber auch bei Sport und Spiel. Der Extra-Brief „Kinder unterwegs“ gibt Tipps und Anregungen, wie Eltern frühzeitig die Mobilität ihrer Kinder fördern können, damit schon Grundschüler lernen, sich selbstbewusst und sicher in der Stadt zu bewegen.

Für viele Kinder beginnt in diesen Wochen ein neuer Lebensabschnitt – der Schulanfang. Eine wichtige Etappe auf dem Weg in die Selbstständigkeit, den die meisten Kinder mit freudigen Erwartungen antreten. Die Schule verheißt große Fortschritte. Die Hoffnung, endlich das zu erlernen, was Erwachsene können, bestärkt Kinder in dem Gefühl, ihren eigenen Weg zu gehen – und fördert ihr Selbstbewusstsein.

Eine entscheidende Voraussetzung für diese positive Entwicklung ist es, dass Kinder lernen, sich frei zu bewegen. Mit Beginn der Schulzeit erweitert sich der Aktionsradius des Kindes, es muss sich außerhalb des häuslich-familiären Bereichs allein orientieren und bewegen: Auf dem Schulweg, beim Besuch von Freunden, bei Spiel und Sport. Der Gewinn an Bewegungsfreiheit ist mit neuen Herausforderungen verbunden. Kinder wachsen daran, sie zu bewältigen – und gewinnen so Erfahrungen, die es ihnen mit der Zeit ermöglichen, selbstbewusst und sicher am öffentlichen Leben teilzunehmen.

Der Schulweg als Lernweg

Eltern können diese Entwicklung zur Eigenständigkeit aktiv unterstützen. Der tägliche Weg zur Schule bietet dafür eine gute Gelegenheit – gerade in der Großstadt. Damit der Verkehr die Entwicklung zu mehr Selbstständigkeit nicht ausbremst, müssen Kinder lernen, mit den verschiedenen Anforderungen auf der Straße richtig umzugehen. Der Elternbrief Extra „Kinder unterwegs“ des Arbeitskreis Neue Erziehung e.V. (ANE) gibt Tipps und Anregungen, wie Sie ihr Kind fit machen für den Straßenverkehr – und das nicht nur auf dem Schulweg. Auch alltägliche Wege in der Stadt zu Fuß oder mit Fahrrad geben Gelegenheiten, das richtige Verhalten im Verkehr mit ihrem Kind in konkreten Situationen zu üben und damit seine Aufmerksamkeit und Reaktionsfähigkeit zu schärfen. Gemeinsame Fahrten mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln schulen die Orientierung und erweitern die Möglichkeiten der Fortbewegung. So lernt ihr Kind allmählich, sich selbstständig und sicher in der Stadt zu bewegen.

Alternativen zum Eltern-Taxi

Gerade am Anfang sollten Eltern ihre Kinder auf dem Schulweg begleiten. Das gibt nicht nur den Kindern mehr Sicherheit. Wenn sich das Kind allmählich selbstständig und eigenverantwortlich im Verkehr bewegt, wächst auch bei Eltern die Gewissheit, dass es die Herausforderungen des Verkehrs sicher bewältigt. Dafür müssen Eltern aber bereit sein, beizeiten loszulassen und auf die Fähigkeiten ihrer Kinder zu vertrauen.

Viele Kinder lernen die Großstadt aus der Rücksitz-Perspektive kennen. Es gibt verschiedene Gründe dafür, warum Eltern ihre Kinder mit dem Auto durch die Stadt fahren. Sie haben Angst vor Verkehrsunfällen oder vor Gewaltübergriffen. Oft ist es einfach bequemer, das Kind im Wagen mitzunehmen, weil die Schule auf dem Arbeitsweg liegt. Doch es spricht einiges dagegen, das Eltern-Taxi zur Gewohnheit werden zu lassen: Tatsächlich wird etwa jedes dritte Kind, das im Straßenverkehr verunglückt, als Insasse eines Autos in einen Unfall verwickelt. Und jede Autofahrt erhöht das Unfallrisiko – auch für Kinder, die zu Fuß unterwegs sind, insbesondere auf dem Weg zur Schule. Kindern, die ständig mit dem Auto gefahren werden, fehlt die körperliche Bewegung – das schadet ihrer Gesundheit und beraubt sie einer Möglichkeit, sich ihre Umwelt selbst zu erschließen. Und nicht zuletzt sind die negativen Einflüsse des Autofahrens auf Umwelt und Klima zu bedenken, deren Folgen Kinder länger zu tragen haben als wir Erwachsene.

Gerade Kinder sollten darum frühzeitig erfahren, dass es alternative Möglichkeiten der Fortbewegung gibt. Das bereitet sie auch auf das Verkehrsverhalten der Zukunft vor, das sich wegen der Energieknappheit mit Sicherheit verändern wird. Es lohnt sich also, darüber nachzudenken, ob sich Autofahrten vermeiden lassen. Die Europäische Mobilitätswoche vom 16. bis 22. September 2009 unter dem Motto „Für ein besseres Klima in der Stadt“ bietet mit zahlreichen Aktionen in Berlin Gelegenheit, das eigene Mobilitätsverhalten kritisch zu hinterfragen und wenn möglich häufiger als bisher auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umzusteigen. Auch in dieser Hinsicht haben Eltern eine Vorbildfunktion. Und wenn es gar nicht anders geht als mit dem Auto, ist es umso wichtiger, Kindern zum Ausgleich andere Anlässe zu bieten, in denen sich das Kind selbstständig bewegen kann.

Dafür eröffnet die Stadt viele Möglichkeiten. Der Extra-Brief „Kinder unterwegs“ gibt viele praktische Hinweise, wie Sie die Mobilität ihres Kindes fördern können: Mit Erkundungen zu Fuß im eigenen Kiez, mit Orientierungsspielen, mit gemeinsamen Radtouren oder Übungen im Umgang mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln.

Bewegung macht klug

Bewegung ist eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Kinder sich gesund entwickeln. Zu laufen, zu tanzen, Ball zu spielen oder einfach herum zu toben, macht nicht nur Spaß, sondern gibt Kraft und trainiert Koordination und Gleichgewichtssinn. Bewegung hilft Kindern, ein gesundes Verhältnis zu ihrem Körper aufzubauen, sie ist wichtig für die geistige Entwicklung und fördert nachweislich Konzentration und Lernfähigkeit. Wer häufig den Schulweg alleine geht und dabei ständig räumliche Beziehungen herstellen muss, kann etwa mathematische Zusammenhänge besser erkennen als jemand, der mit dem Auto gebracht wird. Während des Spielens in der Nachbarschaft, im Kiez, auf dem Spielplatz entstehen Freundschaften – auch Streit und Rivalitäten werden hier ausgetragen. Im „bewegten“ Umgang mit Anderen lernen Kinder die Regeln des Miteinanders und bilden ihre soziale Intelligenz.

Eltern, die darauf vertrauen können, dass sich ihre Kinder eigenständig und sicher durch die Stadt bewegen, müssen sich weniger Sorgen machen und haben mehr Zeit für sich. Und Kinder, die selbstbewusst und umsichtig ihre eigenen Wege gehen, sind weniger abhängig von Erwachsenen. Bewegung ist ein Grundbedürfnis. Für Kinder wie für Erwachsene. Dass Kinder hier zu ihrem Recht kommen, dafür tragen alle Verantwortung.

Möchten Sie selbst Fragen stellen oder Anregungen geben zum Thema Mobilität von Kindern in der Stadt? Dann diskutieren Sie mit in unserem Forum oder wenden Sie sich an a4k oder den „Arbeitskreis für Neue Erziehung e.V.“ (ANE).

 

 

Hier können Sie den Elternbrief Kinder unterwegs bestellen:

Telefonisch: (030) 25 90 06 41

Online: ANE-Bestellservice

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