Eine kleine Warnung vorweg: Es gibt viele wünschenswerte Faktoren für eine Kita, in der Realität wird man aber wohl kaum alle antreffen. Manchmal haben Eltern auch gar keine richtigen Wahlmöglichkeiten, sondern müssen froh sein, überhaupt einen Platz für ihr Kind gefunden zu haben. Oder es stellt sich erst im Kita-Alltag heraus, worauf es für ein Kind wirklich ankommt. Da gefiel den Eltern auf den ersten Blick vielleicht das Gebäude nicht, in dem die Kinder untergebracht sind, und später stellen sie dann fest, dass ihr Kind trotzdem sehr gerne in die Kita geht, weil es seine Erzieherin so gerne mag.
Die folgende Liste ist daher nicht so sehr eine Zusammenstellung unverzichtbarer Bedingungen. Sie soll Ihnen eher als Anhaltspunkt dienen: Zum Einen, um zu wissen, worauf es sich bei der Auswahl eines Kindergartens zu achten lohnt. Zum Anderen aber auch als Anregung, für welche Veränderungen Sie sich als Vater oder Mutter in ihrem Kindergarten stark machen können.
Folgende Fragen sollten Sie im Vorfeld klären:
- Auf welche Öffnungszeiten sind Sie angewiesen?
- Wie weit darf die Kita von Ihrer Wohnung entfernt sein?
- Legen Sie Wert auf ein bestimmtes pädagogisches Konzept, wie beispielsweise Situationsansatz, Montessori, Reggio- oder Waldorf-Pädagogik?
- Wären Sie bereit oder interessiert, im Kita-Alltag mitzuarbeiten?
- Welche Kita-Kosten wären für Sie tragbar?
Hören Sie sich um, stellen Sie Fragen
- Erkundigen Sie sich bei Freunden, Bekannten oder Eltern auf dem Spielplatz, wie zufrieden sie mit den Kitas ihrer Kinder sind. Fragen Sie nach den Gründen.
- Gucken Sie sich verschiedene in Frage kommende Kitas an, und zwar zu den Tageszeiten, zu denen die Kinder anwesend sind.
- Lassen Sie sich alles erklären, vom Tagesablauf über eventuell existierende pädagogische Konzepte und deren Umsetzung in der Praxis.
- Achten Sie auf die Atmosphäre. Gehen die ErzieherInnen freundlich, zugewandt und unterstützend mit den Kindern um? Wie verhält sich das Personal untereinander? Und wie die Kinder?
- Werden Mädchen und Jungen gleichermaßen gefördert und werden behinderte oder verhaltensauffällige Kinder integriert?
- Kooperiert die Kita mit Institutionen wie dem Jugendamt, Erziehungsberatungsstellen, Grundschulen usw.?
- Gibt es eine Zusammenarbeit mit anderen Akteuren, wie Künstlern, Musikern, Handwerkern und anderen Experten, die in die Kita kommen und von ihrer Arbeit berichten oder mit den Kindern arbeiten?
Betreuungsbedingungen
- Wie viele Kinder sind in einer Gruppe, und wie ist die Alterszusammensetzung in den Gruppen? Handelt es sich um feste und altershomogene Gruppen oder um wechselnde Zusammensetzungen, beispielsweise nach den aktuellen Interessen der Kinder organisiert? Lassen Sie sich die Gründe für diese Entscheidungen erläutern und fragen Sie nach den Kriterien, nach denen Gruppen zusammengestellt werden. Kitagruppen sollten immer integrativ sein, sprich behinderte oder nicht-deutschsprachige Kinder nicht ausgrenzen.
- Von wie vielen Erzieherinnen werden die Kinder betreut? Wie oft wechselt das Personal? Wie sind die MitarbeiterInnen der Kita ausgebildet? Reguläre ErzieherInnen? KindergartenhelferInnen? PraktikantInnen? Zivildienstleistende?.
- Wie ist die Alterszusammensetzung des Personals, welche Sprachen werden gesprochen, gibt es auch männliche Erzieher?
- Finden regelmäßig Weiterbildungen für die ErzieherInnen statt? Zu welchen Themen?
- Wie steht es mit den Öffnungszeiten? Ist die Kita in den Ferien geschlossen? Werden Lösungen für die Kinder berufstätiger Eltern angeboten?
- Zu Ihrer Information: Das Kinderbetreuungsnetzwerk der EU empfiehlt ein Betreuungsverhältnis von sechs bis acht Kindern pro Erzieherin und maximal 15 Kinder pro Gruppe. Das Personal sollte laut EU-Empfehlung 30 Prozent seiner Arbeitszeit für die Vor- und Nachbereitung, für Teamsitzungen, Elterngespräche, Fortbildungen und Fachberatungen zur Verfügung haben. Als Zugangsberechtigung zur Erzieherausbildung fordert die EU mindestens das Abitur.
Ausstattung?
- Achten Sie auf die Größe, Ausstattung und Gestaltung der Räume. Haben die Kinder die Möglichkeit, ganz unterschiedlichen Aktivitäten nachzugehen? Gibt es also sowohl Bereiche zum Rumtoben als auch Bastel- und Maltische, Orte für Rollenspiele, Rückzugsmöglichkeiten, Schlaf- und Ruhebereiche/Kuschelecken?
- Gibt es Spielmöglichkeiten im Freien und ist der Außenbereich so angelegt, dass Kinder möglichst viel Gelegenheit zur (unterschiedlichen) Bewegung haben? Können sie dort mit vielen verschiedenen Materialien hantieren? Existiert beispielsweise ein Garten, den die Kinder selbst pflegen, Wasserplätze, wo sie Staudämme bauen können, Sand, aus dem Burgen gebaut werden können?
Förderung/Pädagogisches Konzept?
- Denken Sie daran, dass schulisches Lernen (beispielsweise langes Stillsitzen mit ersten Schreib- oder Rechenübungen) im Kita-Bereich nichts zu suchen hat. Stattdessen sollte spielerisches, lebensnahes, entdeckendes, auf die Sinne orientiertes Lernen im Vordergrund stehen.
- Gibt es ein Bildungskonzept oder spezielle pädagogische Leitlinien? Wie werden diese umgesetzt? Und wie die Umsetzung überprüft?
- Erkundigen Sie sich, welche Angebote den Kindern über das freie Spiel hinaus gemacht werden (beispielsweise Sprachförderung, musikalische oder künstlerische Angebote, Unternehmungen im Stadtteil, Kontakt mit externen Personen/Einrichtungen). Fragen Sie nach den Spielen, Büchern und sonstigen Materialien, die die Kinder zur Verfügung haben. Existieren Bastel- und Baumaterialien, Musikinstrumente, Lupen, Mikroskope usw.?
- Wenden sich die ErzieherInnen den Kindern zu? Geben sie Anregungen? Wirken sie vorbereitet?
- Welche Spiele spielen die Kinder? Fühlen sie sich wohl und sind sie engagiert bei der Sache? Oder bleiben sie sich selbst überlassen und langweilen sich?
- Werden die Kinder ganzheitlich gefördert, also sowohl in ihrer sprachlichen Entwicklung, als auch in ihrem Sozialverhalten, im musischen/kreativen wie im mathematisch/naturwissenschaftlichen Bereich?
- Wie wichtig wird die Sprachförderung, werden sprachanregende Aktivitäten im Kita-Alltag genommen? Suchen die ErzieherInnen das Gespräch mit den Kindern, gibt es Lese- und Erzählstunden, Kinderkonferenzen, morgendliche Begrüßungsrunden und ähnliches? Wird das Sprachverhalten und die Sprachentwicklung der Kinder dokumentiert?
- Falls so etwas wie das Erlernen einer ersten Fremdsprache im Angebot ist, sollten Sie sicher gehen, dass es in spielerischer Form passiert und von wirklich kompetenten Personen (möglichst MuttersprachlerInnen) durchgeführt wird.
- Wie integrierend wird mit Kindern aus unterschiedlichen Kulturkreisen umgegangen, mit ihren Sprachen und Kulturen? Sprechen die ErzieherInnen mit den Kindergartenkindern über unterschiedliche Kulturen, wird Vielfalt als etwas Bereicherndes, als etwas Wert zu Schätzendes erlebt? Sind die unterschiedlichen Kulturen und Sprachen der Kinder präsent? Werden beispielsweise auch nicht-deutsche Feiertage gefeiert, nicht typisch-deutsches Essen gekocht, stehen Kinderbücher mit interkulturellen Themen zur Verfügung? Gibt es mehrsprachige Plakate, Ankündigungen, Bücher und Musikkassetten?
- Welches Konzept der Sprachförderung wird in der Kita angewendet? Wie gut sind die ErzieherInnen über Zweitspracherwerb und Sprachentwicklungstheorien informiert? Finden sich die bei den Kitakindern vertretenden Kulturen und Sprachen auch im Team der Erzieher wieder? Werden interkulturelle Fragen und Mehrsprachigkeit regelmäßig im Team thematisiert?
- Übernehmen die Kinder Aufgaben im Kindergarten-Alltag, wie die Pflege der Blumen/Pflanzen, das Tischdecken und -Abräumen, helfen sie bei der Zubereitung von Speisen, der Vorbereitung von Kindergeburtstagen und Ähnlichem?
- Haben die Kinder Gelegenheit, ihre Kreativität auszuleben? Wird beispielsweise viel gebastelt, gemalt, hergestellt? Werden die Werke der Kinder ausreichend gewürdigt, also ausgestellt, aufgehängt usw.?
- Gibt es spezielle Vorschulangebote für die älteren Kindergartenkinder? Welche sind das? Wie umfangreich sind sie?
Ernährung?
- Ernährungserziehung im Kindergarten ist wichtig, denn in diesem Alter werden die Grundsteine für das spätere Ernährungsverhalten gelegt. In Kitas erreicht man das durch ein geeignetes Angebot an Nahrungsmitteln, durch die Vorbildfunktion der Erwachsenen und durch spielerisches Lernen (z. B. mit Spielen, die die Sinne trainieren oder den Zusammenhang von Nahrung und Natur verdeutlichen, durch gemeinsames Einkaufen und Kochen).
- Wie werden die Speisen eingenommen? Wird das Essen direkt in der Kita gekocht oder wird es angeliefert? Welche Qualität hat es? Wird auf vollwertige und ausgewogene Ernährung geachtet? Werden auch ökologisch produzierte Lebensmittel verwendet? Wird mit den Kindern übers Essen, übers Kochen und über richtige Ernährung gesprochen? Putzen sich die Kinder nach den Mahlzeiten die Zähne?
Bewegungserziehung?
- Da Kinder, besonders in der Stadt, nicht mehr automatisch genug Bewegungsmöglichkeiten haben, sollte in Kitas auch die Bewegungserziehung (Körperbeherrschung, Fein- und Grobmotorik) speziell gefördert werden.
- Verbringen die Kinder jeden Tag längere Zeit an der frischen Luft (hihi)? Gibt es im Kita-Bereich, im Inneren wie auf dem Außengelände, ausreichend Möglichkeiten zur Bewegung? Bzw., gehen die Gruppen regelmäßig zu Orten, wo dies möglich ist?
- Können die Kinder ganz unterschiedliche Dinge ausprobieren (Klettern, Rennen, Kriechen)? Besuchen sie Schwimmhallen, Sportplätze, Abenteuerspielplätze, Rodelbahnen usw.?
Kontakt zur „Außenwelt“?
- Erkunden die ErzieherInnen gemeinsam mit den Kindern die Umgebung der Kita? Werden beispielsweise regelmäßig Ausflüge in den Wald oder zu Wiesen und Feldern unternommen? Besuchen die Gruppen Museen, handwerkliche Betriebe, Geschäfte und Märkte, benutzen sie öffentliche Verkehrsmittel?
- Lernen die Kinder ihre Umgebung kennen und wie sie sich im Straßenverkehr verhalten müssen?
- Ist die Kita in ihre Nachbarschaft eingebunden? Gibt es einen Austausch mit Einrichtungen in der Umgebung, wie beispielsweise Jugendeinrichtungen, Altersheimen, Flüchtlingsheimen, die den Kindern den Kontakt und das Kennenlernen anderer Menschen und Begreifen von kulturellen Zusammenhängen ermöglichen?
Einbindung der Eltern?
Und die Einbindung der Väter...?
- Für männliche wie weibliche Kinder sind männliche Rollenvorbilder/Rollenbilder sehr wichtig. Aber in den allerwenigsten Kitas sind diese gegeben (in Deutschland sind nur zwei Prozent der Erzieher Männer). Auch „Elternarbeit“ bedeutet im Alltag vieler Kindergärten vor allem Mütter-Einbeziehung. Eine aktivere Rolle von Männern wäre also wichtig. Mittlerweile gibt es gezielte Projekte und Bestrebungen, eine stärkere Einbindung der Väter in den Kita-Alltag zu (be)fördern. Zum Beispiel hatten in Schleswig-Holstein Väter bis vor kurzem in 22 Kindergärten die Möglichkeit, den Job des Kindergärtners auszuprobieren. (Quelle: www.ndr.de 22.8.03).
Gibt es in der Kita männliche Erzieher?
- Wird eine aktive Rolle von Vätern als wichtig angesehen und entsprechend gefördert? Existieren spezielle Ansatzpunkte für ein Engagement der Väter und werden sie explizit angesprochen?(Lesetipp: Strohmeier, Johannes: Väter in Kindertagesstätten. In: Familienhandbuch, www.familienhandbuch.de).