Elternarbeit und Medieneinsatz "Gesunde Ernährung"
Referent: Antonio DiazFachtag Elternbriefe
"Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?"Elternarbeit und Medieneinsatz zu Kitathemen
Referent: Iman El-HusseinElternarbeit und Medieneinsatz "Bildungschancen"
Referent: Antonio DiazTag der offenen Tür im ANE
Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" am Freitag, dem 8. Juni 2012 von 14:00 Uhr bis 20:00 Uhr - Informationen und Gespräche für Eltern und ein buntes Kinderprogramm."Generationsübergreifende Folgen nach Krieg, Flucht, Vertreibung und Emigration"
Vortrag von Anita KnapekBerlin, 08.06.2012, 09:00 - 14:00 "Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?" Programm und Anmeldung
Berlin, 08.06.2012, 14:00 - 20:00 Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" Anmeldung
Erziehungstipps für Migrantenfamilien aus dem arabischen Sprachraum.
Sprachentwicklung und Sprachförderung in 10 Sprachen
"Wie Babys sich entwickeln" - Kurzfilme für junge Eltern.


War es nicht erst vorige Woche, dass Marita ihren ersten Zahn bekam und Sibel bei ihren anfänglichen Gehversuchen Omas Tischdecke samt Rosenstrauß zu Boden zog? So kommt es jedenfalls Birgit und Özcan beim Kennenlernen der zukünftigen Grundschule ihrer Kleinen vor. Die Zeit war doch wie im Fluge vergangen. Kaum hatten sie einen schönen Kindergartenplatz gefunden, stand schon das Thema Schule an. Nun wissen die Eltern von Sibel und Marita schon ganz genau, auf welche Schule ihre Töchter gehen werden und warten genauso gespannt wie ihre Kleinen auf den großen Tag der Einschulung.
Für die Eltern von Kemal und Naomi liegt dieser Schritt dagegen noch in weiter Ferne. Das allerdings will nicht heißen, dass sie sich weniger Sorgen um das Thema Schule machten. Bloß sind die Vorstellungen noch recht diffus. Kemals Eltern haben viel Gutes von der Peter Petersen Schule in ihrem Stadtviertel gehört, obwohl ihnen das Stichwort "Jenaplan" bislang nicht viel sagt. So nennt sich der pädagogische Ansatz dieser Schule, auf die schon die Nachbarskinder gehen.
Naomis Eltern befürworten dagegen ganz bewusst die Rudolf-Steiner-Schule, schließlich geht Naomi auch schon in den Waldorfkindergarten. Aber auch sie wissen noch nicht recht, wie sie sich letztlich entscheiden werden. Die antroposophische Schule ist weit abgelegen und Naomi müsste immer mit dem Auto zur Schule gebracht werden. Das gefällt ihnen nicht. Eigentlich finden beide Eltern, dass ihre Kinder noch viel zu klein sind, um sich schon intensiv der Schulfrage zu stellen. Sie sind doch beide erst vier Jahre alt. Aber für Kemal wird der Ernst des Lebens schon in einem Jahr beginnen, wenn er fünfeinhalb Jahre alt ist, denn er lebt in Berlin und im Zuge der Berliner Schulreformen wurde das Einschulungsalter vorgezogen. Naomi in Bremen hat dagegen noch etwas Zeit, zumal ihre Eltern sowieso nicht so viel von früher Einschulung halten. Aber auch Naomis Eltern beschäftigt die Frage nach dem Einschulungszeitpunkt, schließlich wurde Naomis gleichaltrige Freundin Julia von ihren Eltern bereits zur Schulfähigkeitsprüfung und zur vorzeitigen Einschulung mit fünf Jahren angemeldet. Sollten sie mit diesem Trend nicht vielleicht doch mitziehen?
Liebe Leserinnen und Leser, wenn Ihnen diese Klippe der Schulauswahl, Anmeldung und Einschulung auch noch bevor steht, möchten wir Ihnen gerne einige Tipps und Informationen geben, wie Sie sich dem Thema Schule nähern können.
Sich ein Bild von der Schule machen
Solange das Thema Schule ein formloses Gebilde bleibt, bereitet es Unbehagen. Es hilft, sich frühzeitig ein konkretes Bild davon zu machen, wohin die Reise einmal gehen wird. Wir empfehlen daher allen Eltern, die zukünftige Schule Ihres Kindes rechtzeitig kennenzulernen. Viele Schulen veranstalten einmal im Jahr einen "Tag der offenen Tür". Das ist eine gute Möglichkeit, die für Ihr Kind zuständige Schule zu besuchen. Sie können sich aber auch mit anderen Eltern zusammentun und einen Besuchstermin mit der Schulleitung ausmachen. Nimmt sich die Schulleitung oder ein anderer Schulvertreter Zeit für ein Gespräch mit Ihnen, haben Sie die Gelegenheit, auch solche Fragen zu stellen, die über den Eindruck der Atmosphäre in den Schulräumen und auf dem Schulhof hinausgehen. Sammeln Sie schon vorher Ihre Fragen!
Fragen stellen
Fragen an die Schulleitung könnten zum Beispiel sein:
- Hat die Schule ein besonderes pädagogisches Profil und worin besteht das? Gibt es beispielsweise Klassen, die nach dem Montessori-Ansatz oder Jenaplan unterrichtet werden? Für welche Art von Schülern würde die Schulleitung den Besuch dieser Klassen empfehlen?
- Auch wenn die Schule nicht explizit einen besonderen pädagogischen Ansatz verfolgt, bleibt die Frage: wie wird der Unterricht strukturiert? Gehören Stuhlkreise zum Schulalltag, wird in Kleingruppen oder auch in Einzelarbeit oder freiem Spiel unterrichtet? Oder findet der Unterricht in der Regel in der herkömmlichen Form des Frontalunterrichts statt, wo der Lehrer vorne steht und die Kinder in Reih‘ und Glied vor ihm sitzen und zuhören?
- Wie gehen die Lehrer an dieser Schule mit unterschiedlichen Lerngeschwindigkeiten der Schüler um? Welche Methoden werden angewandt um stärkere und schwächere Schüler individuell zu fördern?
- Werden behinderte Kinder gemeinsam mit allen anderen Kindern unterrichtet?
- Gibt es besondere Fördermaßnahmen für Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache?
- Welche besonderen musikalischen, kreativen oder sportlichen Angebote macht die Schule?
- Welche Angebote zum Sprachenlernen macht die Schule - gibt es z.B. türkisch-deutsche zweisprachige Klassen oder ein besonderes Konzept zum frühzeitigen Erlernen von Fremdsprachen z.B. Englisch ab der ersten Klasse oder Französisch als erste Fremdsprache?
- Hat die Schule einen Schulplan geschrieben, in dem sie ihre Ziele, ihre Ausrichtung und ihre Visionen formuliert hat? Wird daran zur Zeit gearbeitet? Werden Eltern daran beteiligt?
Fragen, die Sie mit anderen Eltern besprechen sollten, könnten sein:
- Fühlen Sie sich wohl in dem Gespräch mit der Schulvertreterin, wie werden Ihre Fragen behandelt, fühlen Sie sich ernst genommen?
- Werden Eltern in das Schulleben eingebunden – auch außerhalb vom Kuchenbacken für das Schulfest? Wo könnten Sie sich engagieren?
Dem Menschenverstand folgen
Ein Gespräch mit der Schulleitung verrät noch nicht alles, dennoch kann es Ihnen wichtige Anhaltspunkte dafür geben, wie die Unterrichtsqualität, die Lehrmethoden und das Maß an Strenge bzw. Gelassenheit an der Schule sein werden. Verlassen Sie sich aber auch ruhig auf Ihr eigenes Gespür von der Atmosphäre. Auch die Art und Weise, wie sich Kinder in dem Schulgebäude und auf dem Schulhof bewegen, spricht für sich: ob sie angsterfüllt durch die Gänge schleichen, ob sie hemmungslos herumgröhlen, sich streiten, prügeln oder gelassen und frei spielen.
Ebenfalls trägt natürlich die Gestaltung der Schulräume zu dem Gesamteindruck bei – fühlen Sie sich in den Räumen wohl? Fühlen Sie sich – auch als Eltern – eingeladen, in die Schulräume zu kommen um mitzuwirken? Tragen die Räume und der Schulhof die Handschrift der Kinder und ihrer Eltern? Wurden sie gemeinsam gestaltet? Wenn Sie zum Beispiel am Eingang ein Schild mit Aufschrift empfängt: "Schulfremde Personen werden gebeten, sich im Sekretariat zu melden", fühlen Sie sich dann als Eltern willkommen geheißen? Schauen Sie sich auch ruhig das Mitteilungsbrett an, falls es eines gibt. Spiegelt es ein lebhaftes Engagement von Schülern, Eltern und Lehrern wieder, oder lässt es eher auf ein strenges, träges Innenleben der Schule schließen?
Eine eigene Wahl treffen
Vertrauen Sie Ihrem eigenen Eindruck von der besuchten Schule und überlegen Sie gut, ob diese Schule zu Ihrem Kind passt. Meist sind Schulen nicht per se für alle Kinder großartig oder furchtbar, sondern jedes Kind hat seine ganz eigenen Bedürfnisse und seine individuellen Fähigkeiten, sich in die eine oder andere Schulsituation einzufügen.
Die Erfahrung von Claudia Klinker, einer Mutter von zwei Kindern im Alter von 10 und 12 Jahren macht dies ganz deutlich. Ihr älterer Sohn Michael war so schüchtern, dass sie seine sozialen Fähigkeiten stärken wollte und ihn auf eine Schule mit besonderem pädagogischem Ansatz, einer Kombination aus Montessori und Jenaplan, schickte. Michael war dort totunglücklich und fühlte sich von der Aufgabe, sich permanent kreativ ausdrücken zu müssen, einfach überfordert. Als er dann nach der dritten Klasse auf eine normale Schule mit dem üblichen Klassenunterricht wechseln durfte, blühte er förmlich auf. Anders ging es Claudias jüngerem Sohn Jonathan, der als überdurchschnittlich begabtes Kind an der Schule mit dem besonderen pädagogischen Ansatz viel besser gefördert wurde und dort glücklich in seinem eigenen Tempo lernen konnte.
Den Spielraum zur eigenen Schulwahl nutzen
Nun werden Sie vielleicht fragen, welche Wahlmöglichkeiten Eltern überhaupt zur Verfügung stehen, ist doch in der Regel jedes Kind der Schule des Einzugsbereiches seines Wohnortes zugeordnet. Das ist richtig. Und doch gibt es Ausnahmen, die im Schulgesetz Ihres jeweiligen Bundeslandes verankert sind. Sie sind in jedem Bundesland etwas unterschiedlich formuliert, ähneln sich aber. Es steht zunächst einmal allen Eltern frei, ihre Kinder auf einer zugelassenen Privatschule anzumelden, dazu gehören vor allem die von den christlichen Kirchen oder anderen Religionsgruppen getragenen Schulen mit religiöser Ausrichtung, aber auch die antroposophischen Waldorfschulen. Sie können Ihre Kinder aber auch an einer anderen staatlichen Schulen Ihrer Wahl anmelden, wenn diese Schule ein besonderes pädagogisches Konzept anbietet. Dies betrifft zum Beispiel die Montessori- und die Jenaplanschulen bzw. Schulen mit einzelnen Klassen, in denen nach reformpädagogischen Ansätzen unterrichtet wird. Aber auch musik- oder sportbetonte Züge, andere Sprachkonzepte wie auf den Europaschulen oder der bevorzugte Ganztags- oder Halbtagsunterricht können Gründe für die Wahl einer anderen Grundschule aufgrund des pädagogischen Angebots sein.
Eine andere Begründung sind die Bindungen des Kindes, also der Freundeskreis. Gehen zum Beispiel sämtliche Kinder einer Kitagruppe auf eine bestimmte Grundschule, kann auch ein Kind, das nicht in dem Einzugsgebiet der Schule der anderen Kitakinder wohnt, dort angemeldet werden.
Schließlich kann aber auch die Betreuungsituation ein Grund für die Anmeldung an einer anderen Schule sein, wenn zum Beispiel die Oma oder ein anderer Verwandter in der Nähe der gewünschten Schule wohnt, oder bereits ein Geschwisterkind diese Schule besucht.
Das heißt, Eltern sind nicht sklavisch dazu verpflichtet, ihre Kinder in die Schule ihres Einzugsgebietes gehen zu lassen, sondern sie haben gewisse Wahlmöglichkeiten, vorausgesetzt, dass es überhaupt andere Grundschulen in erreichbarer Nähe gibt und diese nicht so überlaufen sind, dass sie eben nur die Schülern aufnehmen, zu deren Aufnahme sie qua Einzugsgebiet verpflichtet sind. Wir möchten Sie also dazu ermuntern, ihren Wahlspielraum zu nutzen, um eine Schule zu finden, die zu ihrem Kind passt. Und schließlich haben Sie selbst auch sicher noch mehr Lust, sich an einer Schule aktiv einzubringen, der Sie auch bewusst das "Jawort" gaben.
Gemeinsam sind wir stark – gemeinsam einschulen
Der große Schritt in den neuen Lebensabschnitt Schule fällt den Kindern leichter, wenn sie gemeinsam mit Kindern eingeschult werden, die sie bereits kennen. Oft stimmen aber der Einzugsbereich von Kindergärten und Kitas nicht mit denen der Grundschulen überein. Deshalb besprechen Sie ruhig zu einem frühen Zeitpunkt mit den Eltern der anderen Kinder im Kindergarten oder der Kita, welche Kinder gemeinsam in welche Schule gehen sollten. Für Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache ist die Gruppeneinschulung besonders wichtig, um die Kinder vor Aussonderungen zu schützen. Wenn Sie selbst nichtdeutscher Herkunft sind, scheuen Sie sich also nicht, die anderen Eltern gezielt darauf anzusprechen, dass es doch schön wäre, wenn Ihre Kinder auf der Schule zusammenbleiben könnten. Ebenso andersherum, sprechen Sie als deutschsprachige Eltern auch die Eltern von den Migrantenkindern in der Kita an, um den Erhalt der Kitafreundschaften an der Schule zu besprechen. Diese Gruppeneinschulung muss dann bei der Anmeldung jedes Kindes einzeln bekanntgegeben und vermerkt werden.
Checkliste – worauf Sie bei der Schulauswahl achten können
- Welche Schule besuchen die Kinder aus dem Freundeskreis des Kindes und aus der Nachbarschaft?
- Welche Schule liegt in unmittelbarer Entfernung und ist verkehrstechnisch ungefährlich und einfach für das Kind zu erreichen?
- Wie sprechen die Lehrer und die Schulleitung über den Unterricht der Kinder? Sind sie offen für Mitarbeit der Eltern, für Anregungen oder auch Kritik?
- Lesen Sie den Schulplan und verschaffen Sie sich einen Eindruck von den Zielen der Schule und ihrem pädagogischen Ansatz. Passt der zu den ganz individuellen Vorlieben und Bedürfnissen Ihres Kindes?
- Welche Lehrmethoden werden an der Schule angewandt? Gibt es Stuhlkreise, Projektunterricht oder fächerübergreifende Lernansätze? Oder ist der Unterrichtsstil eher klassisch gehalten?
- Wie groß sind die Schulklassen?
- Was für Schüler besuchen ansonsten die Schule – passen sie zu Ihrem Kind? Gibt es Konfliktlotsen, kulturelle Mittler oder andere Formen eines bewussten Umgangs mit Differenzen unter den Schülerinnen und Schülern?
- Wie gefällt Ihnen die Atmosphäre im Schulgebäude und auf dem Schulhof?
- Fragen Sie andere Eltern nach ihren Erfahrungen mit der Schule!
- Wird besonders langsam oder schnell lernenden Kindern in irgendeiner Weise Rechnung getragen?
- Werden Eltern nichtdeutscher Herkunft besonders angesprochen? Gibt es Dolmetscher? Gibt sich die Schule in irgendeiner Weise Mühe, die Kinder aber auch die Eltern aus Migrantenfamilien zu integrieren und einzubinden?
- Welche Aktivitäten laufen an der Schule außerhalb des Regelunterrichts? Gibt es AGs, die für Sie Ihr Kind oder auch für Sie selbst besonders interessant sind?
- Wo und wie können Sie sich als Eltern in der Schule einbringen?
- Welche gesicherten Betreuungsangebote bietet die Schule vor und nach den Unterrichtszeiten?