Elternarbeit und Medieneinsatz "Gesunde Ernährung"
Referent: Antonio DiazFachtag Elternbriefe
"Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?"Elternarbeit und Medieneinsatz zu Kitathemen
Referent: Iman El-HusseinElternarbeit und Medieneinsatz "Bildungschancen"
Referent: Antonio DiazTag der offenen Tür im ANE
Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" am Freitag, dem 8. Juni 2012 von 14:00 Uhr bis 20:00 Uhr - Informationen und Gespräche für Eltern und ein buntes Kinderprogramm."Generationsübergreifende Folgen nach Krieg, Flucht, Vertreibung und Emigration"
Vortrag von Anita KnapekBerlin, 08.06.2012, 09:00 - 14:00 "Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?" Programm und Anmeldung
Berlin, 08.06.2012, 14:00 - 20:00 Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" Anmeldung
Erziehungstipps für Migrantenfamilien aus dem arabischen Sprachraum.
Sprachentwicklung und Sprachförderung in 10 Sprachen
"Wie Babys sich entwickeln" - Kurzfilme für junge Eltern.

Wie Eltern sich auf den Berliner Schulbeginn vorbereiten, ihre Erfahrungen und was sie sich für die Schulzeit ihrer Kinder vorgenommen haben – all das können Sie in den folgenden Interviews mit zwei Müttern von Berliner Schulanfängern nachlesen. Die Interviews führte Hildegard Lierow, die im Bereich Elterbildung/Schule des ANE arbeitet.
Interview mit der Mutter von Erstklässler-Zwillingen zur Praxis der Berliner Reformen
Elisabeth Heinrich ist Mutter der Zwillinge Jean und Ricarda. Die beiden werden in eine offene Ganztagsschule in Charlottenburg gehen. Die Nachmittagsbetreuung ab 13.30 Uhr ist kostenpflichtig und nur möglich, wenn Eltern den Bedarf nachweisen. Elisabeth Heinrich arbeitet beim BerlinerElternNetz des Arbeitskreises Neue Erziehung e.V.
H. Lierow: Zu diesem Schulbeginn werden besonders viele Reformen umgesetzt. Viele Eltern sind deshalb beunruhigt. Wie geht es dir?
E. Heinrich: Jetzt geht’s mir besser als am Anfang. Da dachte ich: Um Gottes willen, schon wieder eine Generation, mit der experimentiert wird. Das war in meiner Schulzeit auch schon so. Bei meinen Kindern kommt dazu, dass sie früher Kann-Kinder gewesen wären und jetzt eben nicht mehr. Sie wollen zwar gerne in die Schule, aber jetzt, wo so vieles neu ist, hätte ich sie vielleicht doch gerne später geschickt. Nun gut, jetzt gehen sie in die Schule. Zum Glück in eine, die bei uns in der Nähe ist. Ich hatte befürchtet, dass es sehr große Klassen werden. Am ersten Elternabend wurde uns gesagt, dass wir mit Klassen von bis zu 30 Schülern rechnen müssen. Da ich Zwillinge habe, dachte ich mir: Wenn es so eine große Klasse wird, dann möchte ich die beiden nicht trennen, so dass sie jemand Vertrautes haben. Gott sei Dank ist es nun doch nicht so. Es sind nur 22 Schüler in der Klasse. Allerdings wird das auch nur circa zwei Jahre so sein, dann werden die Klassen wahrscheinlich zusammengelegt. Und Teilungsunterricht wird es auch keinen geben. Das ist halt der Preis dafür.
Für die meisten Eltern ist die wichtigste Frage: Wie finde ich eine gute Schule und woran erkenne ich eine gute Schule? Wie war das bei dir?
Ja, was ist eine gute Schule? Das finde ich echt schwierig. Ich kenne mehrere Eltern, deren Kinder schon in der Schule sind oder die demnächst in die Schule gehen werden. Alle haben sich viele Gedanken gemacht. Das beginnt bereits beim Kindergarten. Wenn ich mein Kind in eine Waldorfschule schicken möchte, sollte es davor auch schon einen waldorforientierten Kindergarten besucht haben. Außerdem müssen die Eltern noch mehrmals vortanzen, bis entschieden wird. Das habe ich bei meiner Nachbarin erlebt. Ihre Tochter geht in die Waldorfschule. Das heißt, dass sie jeden Morgen gefahren werden muss. Zwar gibt es eine Fahrgemeinschaft, aber das Kind wird schon um 7.15 h abgeholt, d.h. muss ganz früh aufstehen. Für mich war klar: Das mute ich meinen Kindern nicht zu. Und uns natürlich auch nicht, denn wir müssten unser gesamtes Leben umkrempeln und z.B. ein Auto kaufen. Ich wollte, dass die Kinder in eine Schule in unsere Nähe gehen, dass sie da hinlaufen können und Freunde in der Umgebung haben, die sie besuchen können etc.
Von der Schule im Einzugsbereich haben uns Eltern abgeraten und gesagt, dass viele dort wegziehen würden, nur damit ihre Kinder nicht auf diese Schule müssen. Die Schule wollte dann so eine Art Eliteklassen für diese Kinder einrichten, aber das fand ich überhaupt nicht in Ordnung. Entweder meine Kinder gehen normal da hin oder gar nicht. Aber dann war klar, dass alle Kinder aus unserer Kita in eine andere Schule gehen, die exakt die gleiche Entfernung von uns hat. Da war die Entscheidung nicht mehr schwer. Denn es ist natürlich auch wichtig, dass die Kinder gemeinsam in eine Schule gehen und zusammenbleiben können, weil sie es dann einfach leichter haben. Das habe ich dann bei der Anmeldung in der zuständigen Schule als Grund angegeben und es gab keine Schwierigkeiten.
Aber diese Schule hast du dir doch sicherlich auch angesehen?
Ja natürlich. Aber da fängt es an, tatsächlich schwierig zu werden. Denn über diese Schule habe ich ganz unterschiedliche Meinungen gehört. Die einen sagten, die ist ganz toll, andere sagten, die ist nicht so gut. Und was mir eigentlich am wichtigsten ist, nämlich die Lehrerin, darauf habe ich doch überhaupt keinen Einfluss. Ob ich mit der klarkomme oder auch meine Kinder, was ja noch mal was anderes ist, das weiß ich nicht. Das ist einfach Schicksal. Ich hatte gehört, dass die Schulleiterin gut ist, sehr engagiert und ein offenes Ohr für Eltern hat, die Eltern sogar namentlich kennt. Als mein Mann sie kennenlernte, war er auch begeistert von ihr.
Wie war der Übergang von der Kita in die Schule organisiert?
Von der Kita aus gab es einen Zettel, in den die Eltern eintragen sollten, auf welche Schule ihr Kind geht, um einen Überblick zu haben und eventuell einen gemeinschaftlichen Übergang zu organisieren. Das hat ja dann geklappt, aber ich glaube, unsere Gruppe ist die einzige, bei der geklappt hat, dass wirklich alle in eine Klasse kommen.
Von der Schule aus wurde dann ein Elternabend für alle Erstklässler organisiert. Das war leider ziemlich kurzfristig, kurz vor den Sommerferien, so dass viele nicht kommen konnten. Da wurden die Lehrerinnen vorgestellt, wirklich alles nur Lehrerinnen, die saßen alle an der Seite. Vorne - das fand ich ganz interessant - saßen alle Lehrerinnen für Religion und Lebenskunde. Da habe ich erst erfahren, dass das zum Konzept der Schule gehört. Die Schule findet es wichtig, dass die Kinder zu einem dieser Unterrichte gehen, damit sie eine Einstellung zum Leben gewinnen können. Auch wissen, was es bedeutet, sich zu einer Religion zu bekennen. Das ist ein Schwerpunkt dieser Schule, was ich vorher überhaupt nicht wusste, was ich aber gut finde.
Danach gingen wir mit der Klassenlehrerin in die Klasse und wurden informiert, was die Kinder so alles mitbringen müssen. Denn wir müssen ja die Schulbücher kaufen, das ist ja auch neu für mich, denn zu meiner Zeit bekamen wir die Lernmittel gestellt und ich muss jetzt für meine Kinder alles kaufen. Und eine Fibel kann man noch nicht einmal in der Buchhandlung kaufen, sondern nur beim Verlag selbst. Das wurde uns nicht gesagt. Ich habe gefragt, ob man nicht die Bücher für alle acht Klassen bestellen kann, damit man Rabatt bekommt. Aber da wurde gesagt, dass das jetzt alles nicht zu organisieren sei, aber vielleicht das nächste Mal, so in einem halben Jahr.
Wie hat dir denn die Klassenlehrerin gefallen?
Ich fand sie sehr autoritär, womit ich schlecht umgehen kann. Aber ich habe mich dann bei den anderen Eltern erkundigt, und die sagten, dass die Kinder sie liebten. Das fand ich super, vor allem, weil ich wusste, dass ein Kind in die Klasse kommt, das ein bisschen schwierig ist. Sie ist dann vielleicht die richtige Person, die Grenzen setzt. Jedenfalls habe ich zu meinen Kindern gesagt: Das ist eine nette Lehrerin. Wenn ihr Schwierigkeiten habt, dann geht zu ihr hin und sagt ihr das.
Und wie läuft es mit dem Hort?
Es gab schon immer einen Hort an der Schule. Der ist jetzt natürlich zu klein. Da wird angebaut. Auch eine Kantine kommt dazu. Aber alles ist noch im Bau. Die waren zwar guten Mutes, dass alles fertig wird, aber das glaube ich nicht. Das finde ich auch nicht so schlimm. Denn sie haben ziemlich viel getan, um das überhaupt hinzukriegen, und da muss man halt eine Durststrecke überstehen, bis alles fertig ist.
Die Hortleiterin war auch da und sagte, dass sie dafür sorgen, dass die Kinder feste Bezugspersonen haben. Das finde ich natürlich wichtig. Mir ist aber auch wichtig, dass meine Kinder sich entspannen können nach der Schule. Und dass der Hort auch mit der Schule verbunden ist, dass sie z.B. Hausaufgaben machen können. Aber da schaute die Schulleiterin schon etwas zweifelnd: Es seien zu wenig Betreuer da. Sie meinte, die Kinder müssten nach der Schule erstmal rennen, rennen, rennen, sich austoben und bewegen. Das ist sicher richtig. Aber ich glaube, dass es auch Kinder gibt, die erstmal ihre Hausaufgaben machen wollen, damit die fertig sind. Und da sollte auch jemand helfen. Sonst muss man das mit den Kindern abends noch erledigen und das gibt dann die Stressgeschichten.
Gut fand ich, dass die Schulleiterin uns erklärte, welche Umstellung auf die Kinder zukommt. Was es heißt, bei Bewegungsdrang still sitzen zu müssen. Zu den Hausaufgaben sagte sie, dass Zeitangaben unsinnig sind, weil ein Kind das in 10 Minuten macht, wozu ein anderes eine halbe Stunde braucht. Und dass es zum Lesen- und Schreibenlernen dazugehört, dauernd zu üben. Das könnte man nicht als Hausaufgabe bezeichnen oder in Minuten messen.
Eins finde ich nicht so gut an dieser Schule: Morgens sind die Lehrerinnen zuständig und nachmittags die Erzieherinnen. Da hat man das Gefühl, das ist nicht so wertvoll wie das, was vormittags läuft. Ich habe einen Freund, der ist Lehrer in einem Internat. Da ist immer ein Lehrer da, der die Schüler betreut und dem sie Fragen stellen können. Dieser Freund hat mir von einem Jungen erzählt, der immer supergut in Mathe war und plötzlich abgestürzt ist. Er konnte sich das nicht erklären. Als er ihm dann bei einer Hausaufgabe geholfen hat, merkte er, dass der Schüler ganz anders denkt. Ist das nicht toll? Bei mir war das ganz anders. Wir mussten die Matheaufgaben immer so machen, wie der Rechenweg vorgegeben war. Und dieser Freund sagt: "Du musst gucken, wie die Kinder denken. Die kommen auf dasselbe Ergebnis, manchmal sogar schneller. Und wenn du mitkriegst, wie es bei ihnen läuft, dann hast du sie wieder. Ansonsten kann es dir passieren, dass sie aufgeben und weg sind und es nie mehr schaffen, obwohl sie in Mathe sehr gut sein könnten." Vielleicht ist das bei Mädchen ja auch so, die denken vielleicht einfach anders. Also, in diesem Zusammenhang fände ich eine richtige Ganztagsschule gut, weil dann die Lehrer die Möglichkeit hätten, noch mal anders auf die Kinder einzugehen als während des Unterrichts.
Gibt es etwas, wovor du Angst hast?
Ja, dass die Kinder ungerecht behandelt werden. Das würde mir zu schaffen machen. Ich weiß, dass das vorkommen wird, das gibt’s ja im Kindergarten auch schon, aber da ist es noch spielerisch. Ich denke, dass ich loslassen muss. Das fällt mir zwar schwer, aber ich weiß, dass ich keinen Einfluss habe. Und ich weiß, dass es mir geholfen hat, mich in der Grundschule gegen andere durchsetzen zu müssen. Vieles in meiner Persönlichkeit ist darauf zurückzuführen, dass ich das musste. Das werden meine Kinder auch durchmachen müssen und ich werde gar nichts davon wissen. Ich habe meinen Eltern auch nie etwas davon erzählt. Erst sehr viel später. Und die sagten dann: "Kind, warum hast du uns das nicht erzählt?" Und ich: "Ihr hättet nichts machen können. "Das musste ich alleine auskämpfen. Sie werden ihre eigenen Erfahrungen machen und ich werde davon abgekoppelt sein. Das merke ich jetzt schon. Wenn ich sage: "Mensch, erzähl doch mal!", das mögen sie nicht so. Sie erzählen lieber von sich aus. Aber ich bin ja so eine Mutter, die immer neugierig ist und fragt und ihnen wahrscheinlich damit ziemlich auf den Senkel geht. Da muss ich mich einfach mehr zurücknehmen.
Jetzt zu deinen Kindern. Wie sehen sie denn den Schulanfang?
Die freuen sich, freuen sich ohne Wenn und Aber, freuen sich pur. Es ist schön, das zu sehen und ich denke oft, bei so viel Begeisterung müsste man wirklich tolle Sachen machen können. Sie wollen unbedingt lesen lernen, lassen sich die Buchstaben erklären. Sie wissen auch schon ein bisschen, was auf sie zukommt, zählen dauernd und fangen an zu schreiben. Das ist alles ganz anders als bei mir. Ich wusste gar nicht, was auf mich zukommt.
Hast du denn Angst vor den Leistungsanforderungen?
Dazu kann ich gar nichts sagen. Ich habe schon oft darüber nachgedacht, wie sie wohl in der Schule sein werden. Ich würde ja sagen, dass Jean besser sein wird. Aber ich bin gespannt, was sich da tut. Ob sich das einspielt, ausgleicht und wie das ausgeht. Zurzeit sehe ich einen Unterschied zwischen den beiden. Jean ist sehr interessiert und macht schon ganz viel, während Ricarda einfach nicht will, wenn sie nicht will. Da habe ich ein bisschen Bedenken und hoffe, dass sie die Lehrerin gut findet und über sie Interesse bekommt bzw. es ihr recht machen will. Auf der anderen Seite merke ich enorme Fortschritte, gerade im letzten Jahr. Da ändert sich was von einem Tag auf den anderen. Z.B. so banale Sachen wie Memory. Das konnte Jean schon immer supergut. Ricarda hat zwar immer mitgespielt, hatte aber keinen großen Ehrgeiz, weil sie eh wusste, dass er besser ist. Dann plötzlich vor drei Tagen räumt sie einfach die Karten ab. Wir saßen dabei und dachten, das kann doch nicht wahr sein. Dann kam sie und sagte: "Ich hab gewonnen, einfach so, ich weiß gar nicht, wie ich‘s gemacht habe." Sie hat sich einfach konzentriert. Ich habe es an ihrem Blick gemerkt. Sie hat die Karten ganz anders angesehen als sonst. Da dachte ich bei mir: Ich muss mir keine Gedanken machen. Es kommt irgendwann. Man muss ihnen Zeit geben und Zutrauen haben.
Interview mit der Mutter einer Schulanfängerin im Multi-Kulti-Viertel Kreuzberg
Cordula Klaffs ist Mutter von zwei Töchtern. Die ältere, Luca, ist vor zwei Jahren eingeschult worden, die jüngere, Livia, folgt in diesem Jahr. Sie besuchen eine gebundene Ganztagsschule in Kreuzberg. Frau Klaffs arbeitet in der Interkulturellen Familienberatungsstelle des Arbeitskreises Neue Erziehung e.V.
H. Lierow: Du wohnst in einem Bezirk, aus dem Eltern eher flüchten, wenn es um die Einschulung ihrer Kinder geht. War das denn für dich bzw. euch auch eine Frage?
C. Klaffs: Ja, die Frage hat sich gestellt und wieder neu gestellt, auch jetzt bei der zweiten Tochter. Das hatte aber auch persönliche Gründe. Wir haben die Einschulung als eine Zäsur begriffen, die uns dazu brachte, noch einmal neu zu überdenken, wo und wie wir leben wollen und welche Bildung wir für unsere Kinder wünschen. Wie du siehst, haben wir uns fürs Bleiben entschieden.
Wie ist denn damals, beim ersten Kind, die Schulwahl verlaufen?
Ich habe mich damals für eine Schule entschieden, die einen guten Ruf hatte. Ich wollte diesen ganzen Hype nicht mitmachen, mich nicht nervös machen lassen und habe deshalb einfach auf dieses Pferd gesetzt. Aber dann haben wir eine Gruppe von Eltern kennen gelernt, die relativ systematisch eine Schule gesucht haben. Die waren auch schon bei mehreren Schulleitern vorstellig geworden und hatten sich einen richtigen Fragenkatalog erarbeitet. Das waren sehr sympathische Eltern. Sie haben sich letztendlich für eine andere Schule entschieden, auch deshalb, weil es eine Ganztagsschule war. Wir haben uns ihnen angeschlossen. Zusammen waren es acht Kinder. Wir haben beschlossen, eine Gruppe zu bilden und an dieser Schule unterzukommen. Die Schule war damals gar nicht so beliebt, weil sie noch in einem Ausweichquartier war.
Was war der ausschlaggebende Grund für diese Schule?
Der geplante Umzug der Schule in ein neues Gebäude. Aber auch der Schulleiter, der sehr engagiert ist und sehr gute Ideen hat und genaue Vorstellungen von dem, was er tut. Der schmiedet ein Team zusammen, das motiviert ist und sich sehr bewusst für Ganztagsschule entschieden hat. Ein Schulleiter, der auch offen auf eine engagierte Elternschaft setzt und sich durchaus wünscht, dass man sich einbringt. Das alles hat gut gepasst. Der Schulleiter hat uns sehr überzeugt.
Hat sich denn die Arbeit gelohnt? Wie sind denn die Erfahrungen mit der Schule?
Ja, die hat sich gelohnt, denn Luca bekam eine ganz, ganz großartige Lehrerin, die war wirklich wunderbar. Es war ein ganzes Team von Lehrerinnen, aber sie war die Hauptlehrerin für die Klasse. Sie war unglaublich engagiert, hatte außerdem eine Montessori-Zusatzausbildung. Sie ist leider nicht mehr an der Schule, weil sie ihrem Mann gefolgt ist, der außerhalb von Berlin eine Stelle gefunden hat. Das war traurig. Jetzt stehen also zwei neue Lehrerinnen ins Haus, für beide Töchter. Die Lehrerinnen machen natürlich das allermeiste aus. Was nützt ein tolles Schulgebäude, wenn du eine Lehrerin hast, mit der du nicht klarkommst. Das A und O ist die Klassenlehrerin. Da hatten wir absolutes Superglück. Dazu kam ein modernes Unterrichtskonzept. Wenig Frontalunterricht, viel im Stuhlkreis, viel in Gruppen, sehr viele und gute Materialien, z.B. eine Lesebox. Die Kinder haben ganz viele Bücher geschrieben. Das hat mir alles gut gefallen.
Habt ihr die Methoden erklärt bekommen oder hattet ihr einfach blindes Vertrauen?
Die Lehrerin war sehr offen für den Austausch mit den Eltern, hat auch kleine Experimente mit uns gemacht auf dem Elternabend, z.B. um uns bewusst zu machen, wie das ist, Buchstaben zu lernen, wenn man die nicht kennt. Das war sehr beeindruckend für uns Eltern. Freitags gab es immer in der ersten Stunde Lesen mit den Eltern. Da waren alle Eltern willkommen. Man konnte schon viel mitkriegen. Und dann gab es noch Schularbeitenhilfe von den Eltern an jedem Dienstagnachmittag.
Gibt es denn etwas, was dir nicht gefällt?
Was mir so generell ein bisschen im Weg steht, ist meine eigene Schulgeschichte, denn ich bin sehr ungerne in die Grundschule gegangen. Und wenn meine Tochter einmal klagt: "Ach, das ist mir zuviel" oder "Ich seh‘ euch gar nicht mehr", dann fällt das bei mir natürlich auf fruchtbarsten Boden. Es kommt natürlich schon vor, dass sie sagt, dass es ihr zu lang und zu viel und zu anstrengend ist.
Was mir aber ganz klar nicht gefällt, ist die Ernährung. Die ist wirklich eine Katastrophe. Die Kinder müssen ja dort essen, meine Tochter isst aber eigentlich nicht dort. Ich gebe ihr immer etwas mit. Das Essen dort ist aus der Großküche und die hält sich nicht an die Vereinbarungen. Ich war eine Zeitlang in der Essenskommission, aber das ist sehr mühselig. Die Firma macht Versprechungen und hält sie dann nicht ein. Das alles in einer Zeit, in der Renate Künast ein großes Programm auflegt und der Trend in eine andere Richtung geht. Die Realität sieht einfach anders aus. Da wird der billigste Anbieter genommen. Die Leistungsbeschreibung liest sich ja noch super. Bei der Ausschreibung werden schon ein paar Abstriche gemacht. Schließlich wird der billigste Anbieter genommen, der die Ausschreibungskriterien erfüllt. Aber die erfüllt er dann nicht. Und dann wird es wirklich schwierig. Man muss ja immer alles nachweisen, Protokolle führen und die Eltern zusammenschmieden. Und dann wird einem von der Firma weisgemacht, dass wir die einzige komplizierte Klasse sind. Aber es stellt sich heraus, dass das überhaupt nicht stimmt. Die andere Klasse hat einen Kühlschrank im Klassenzimmer, da schneiden die Eltern jeden Tag einen großen Obstteller. Das alles ist ein langwieriger Prozess, in dem einem auch viele Steine in den Weg gelegt werden. Andererseits sind alle engagiert. Deswegen wird sich mit Sicherheit auch etwas ändern, aber es dauert eben und dauert.
Was mich auch ärgerlich gemacht hat, war, dass gleich nach dem Umzug in das neue Gebäude eine andere Schule geschlossen und die Schüler verteilt werden sollten. Gerade hatten wir einen Standard, von dem man wirklich sagen konnte, der ist klasse, schon war klar, dass der nicht erhalten bleibt. Jedenfalls ist uns das nicht gelungen. Bis jetzt gab es viel Kampf und Zieherei, wieviel Erzieherinnen wir kriegen würden, wieviel Klassen, wie das Raumkonzept ist, welche Spezialräume erhalten bleiben usw. Es ist nach wie vor ein Kampf.
Was hältst du von der gebundenen Ganztagsschule?
Es könnte besser sein. Auch mit dem ganzen rhythmisierten Unterricht. Das ist ja die Idee, die dahinter steht. Die Betreuung war nicht optimal. Denn eine Erzieherin war lange krank, dann hatte die andere Erzieherin eine größere Gruppe und dann ist man schnell raus aus dem Konzept. Ich weiß gar nicht, wie die Situation im neuen Schuljahr sein wird. Ob wir z.B. genug Erzieherinnen haben werden.
Wie schätzt du die neuen Reformen ein?
Das wird sich weisen. Es kommt darauf an, wie sie umgesetzt werden. Da liegt der Hund begraben. Ein Fünfjähriger ist nicht grundsätzlich falsch an der Schule, wenn die Schule seinen Bedürfnissen gerecht werden kann. Man muss einfach sehen, wie es in der Praxis aussieht. Ob die Kleinen ein Zuhausegefühl haben, wie sie es brauchen, oder ob sie bei Streitigkeiten Trost erfahren und auch behütet und beschützt sind. In unserer Schule habe ich ein gutes Gefühl. Die nehmen wirklich viel Rücksicht auf die Kleinen.
Und deine Tochter, freut sie sich?
Ja natürlich, wie sich jedes Kind darauf freut, endlich Schulkind zu sein. Aber sie hat auch Respekt. Sie kennt ja ihre Schule schon gut von der Bring- und Abholsituation. Sie ist ihr nicht fremd, aber etwas mulmig ist ihr doch.
Zurück zur Ausgangsfrage. Was könntest du Eltern raten, wenn es um die Suche nach einer guten Schule geht?
Es lohnt sich, in der Umgebung zu suchen. Ich erlebe über die ganzen Jahre, dass Eltern letztlich – manchmal über Umwege – die Schule finden, die ihnen zusagt und zu ihren Kindern passt. Manchmal ist das nur ein Klassenzug in einer Schule, manchmal auch eine private. Alle Eltern, die ich kenne, haben schließlich die Schule gefunden, zu der sie "ja" sagen können.
Gewöhnlich hört man von Schulen nicht so viel Gutes, wie du zu berichten hast. Siehst du das auch so?
Nein, nicht ganz. Denn wir haben an unserer Schule ganz schön gekämpft dafür, dass es so ist und so bleibt. Ob es so bleibt, weiß ich noch nicht mal, weil die Schule ja noch nicht angefangen hat. Unsere Schule ist sicher auch eine Ausnahme, weil sie neu ist. An anderen Schulen ist vielleicht eine schlimmere Raumsituation. Trotzdem: Ich sehe schon Probleme, wenn jetzt fünf neue Klassen aufgemacht werden, das ist schon Großstadtschule. Wenn es einigermaßen gut geht, dann ist es uns nicht geschenkt worden, weil wir dafür gekämpft haben.
Du hast eingangs gesagt, dass nun zwei neue Lehrerinnen ins Haus stehen. Kennst du sie denn schon?
Lucas Lehrerin kenne ich vom Sehen und glaube, dass sie gut ist. Von Livias Lehrerin weiß ich nur, dass sie jung ist und Frau Izmir heißt.
Toll, eine türkischstämmige Lehrerin. Was hat denn Livia dazu gesagt?
Sie sagte: "Mama, ich kann doch gar kein Türkisch."