Elternarbeit und Medieneinsatz "Gesunde Ernährung"
Referent: Antonio DiazFachtag Elternbriefe
"Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?"Elternarbeit und Medieneinsatz zu Kitathemen
Referent: Iman El-HusseinElternarbeit und Medieneinsatz "Bildungschancen"
Referent: Antonio DiazTag der offenen Tür im ANE
Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" am Freitag, dem 8. Juni 2012 von 14:00 Uhr bis 20:00 Uhr - Informationen und Gespräche für Eltern und ein buntes Kinderprogramm."Generationsübergreifende Folgen nach Krieg, Flucht, Vertreibung und Emigration"
Vortrag von Anita KnapekBerlin, 08.06.2012, 09:00 - 14:00 "Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?" Programm und Anmeldung
Berlin, 08.06.2012, 14:00 - 20:00 Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" Anmeldung
Erziehungstipps für Migrantenfamilien aus dem arabischen Sprachraum.
Sprachentwicklung und Sprachförderung in 10 Sprachen
"Wie Babys sich entwickeln" - Kurzfilme für junge Eltern.

Heike S., 43, ist Mutter eine afrodeutschen Tochter. Mit deren Aufwachsen in einer multikulturellen Umgebung hat sie zwiespältige Erfahrungen gemacht. Denn auch unter den Minderheiten gibt es Rassismus. Heike S. hat ihre Konsequenzen gezogen: mit ihrer heute 13 Jahre alten Tochter ist sie von Berlin in eine süddeutsche Kleinstadt gezogen.

"Schon als meine Tochter ein Kleinkind war, fielen die Reaktionen auf sie ein bisschen zwiespältig aus. Das reichte von "ach, wie süß, wie niedlich" bis zu einem mitleidigen "na, die wird es mal schwer haben, die fällt ja immer auf". Meine türkischen Nachbarn haben mich nach der Geburt schief angeguckt und lange Zeit geschnitten – ein schwarzes Kind und auch noch allein erziehend, das passte ihnen wohl nicht. Erst nach einem Jahr hatten sie sich daran gewöhnt und wieder gegrüßt. Überhaupt hatte ich das Gefühl, dass die Muslime in unserem Wohnumfeld eher ablehnend reagierten. Rassismus ist irgendwie alltäglich und zwar auf beiden Seiten, bei Weißen und bei Schwarzen. Die sind einerseits stolz darauf, schwarz zu sein und andererseits wollen sie so hellhäutig wie möglich sein. Bei denen galt meine Tochter deshalb als besonders hübsch, sie haben sie immer als eine von ihnen betrachtet. Von Schwarzen wurde sie grundsätzlich gegrüßt und ich natürlich mit.
Ich habe immer darauf geachtet, dass wir Kontakte zu Schwarzen haben, damit meine Tochter ein Zugehörigkeitsgefühl hat und um ihr Selbstbewusstsein zu stärken. Mit drei Jahren kam sie in eine KiTa, deren pädagogischer Ansatz mir gut gefallen hat. Und vor allem: hier stimmte die multikulturelle Mischung! Da gab es Kinder unterschiedlicher Herkunft, auch ein paar schwarze Kinder waren dabei. Die Maxime der KiTa war, dass jeder eine andere Persönlichkeit hat, das macht sich aber nicht an Hautfarbe oder Herkunft fest. Dort wurde auch viel Wert auf die soziale Kompetenz und den Umgang miteinander gelegt. Es gab auch einen Erzieher, das fand ich wichtig und zum Glück auch eine türkische Erzieherin mit Kopftuch, die als sehr liebevoll empfunden wurde – warum die ein Kopftuch trägt, war für die Kinder kein Thema, das war normal, das sahen sie ja täglich in ihrer Umgebung.
In unserem damaligen Wohnumfeld leben viele türkische und arabische Familien, deren Kinder waren in den anderen KiTas weit in der Überzahl. Meine Tochter wäre da nicht gut aufgehoben gewesen, denn wo die Minderheiten zur Mehrheit werden, haben andere Minderheiten es schwer. Die Anmeldung zur Schule bereitete mir deshalb viel Kopfzerbrechen. In allen drei umliegenden Schulen war das Verhältnis zwischen Migranten und Deutschen 80 zu 20. Ich habe meine Tochter dann an einer etwas entfernten zweisprachig spanischen-deutschen Schule angemeldet, weil ich selbst längere Zeit in Spanien gelebt habe. Die Kinder dort waren zur Hälfte Muttersprachler aus allen möglichen spanischsprachigen Ländern. In der Vorschule wurde viel auf deren Kultur und die Unterschiede eingegangen, aber auf positive Weise. Ich finde es sehr wichtig, dass meine Tochter Menschen verschiedener Herkunft kennen lernt, das erweitert ihren Horizont. Aber leider war die Schule weit weg im ehemaligen Ostteil der Stadt, ich hätte meine Tochter noch jahrelang täglich bringen und abholen müssen. Und wenn wir in der S-Bahn Richtung Osten fuhren, schlug ihr oft die blanke Feindseligkeit entgegen. Mitte der 90er Jahre verging ja kaum ein Tag, wo man nicht von malträtierten Schwarzen hörte. Ich wollte für meine Tochter ein intakteres soziales Umfeld, überschaubare Strukturen und vor allem auch mehr Nähe zur Natur. Wir sind dann in eine mittelgroße Stadt nach Süddeutschland gezogen.
Jetzt leben wir zwar auch in einem so genannten sozialen Brennpunkt, wo sich die Migranten konzentrieren, weil die Mieten hier noch recht günstig sind. Aber ich lege nach wie vor viel Wert darauf, in einem multikulturellen Umfeld zu wohnen. Meine Tochter sieht dadurch, dass es ganz unterschiedliche Menschen gibt und sie keine exotische Ausnahme ist. Aber die Mischung muss stimmen, wenn eine Gruppe dominiert, wird es problematisch. Wir haben intensiven Kontakt zu afrikanischen Familien. In der Grundschule waren die ausländischen Kinder in der Minderheit und leider waren die auch die Problemfälle, weil sie aus schwierigen Familienverhältnissen kamen. Meine Tochter war dagegen dort gut integriert, niemand hat sie wegen ihrer Hautfarbe komisch angeguckt. Auf der Gesamtschule, in die sie jetzt geht, ist der Migrantenanteil noch geringer, Türken gibt es zum Beispiel kaum, in ihrer Klasse keinen einzigen. Sie hat sich mit einer französischen Klassenkameradin angefreundet und dann gibt es noch Italiener und Bosnier. Für meinen Geschmack ist das ein bisschen wenig multikulti – aber alles kann eine kleinere Stadt eben nicht bieten."
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