Elternarbeit und Medieneinsatz "Gesunde Ernährung"
Referent: Antonio DiazFachtag Elternbriefe
"Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?"Elternarbeit und Medieneinsatz zu Kitathemen
Referent: Iman El-HusseinElternarbeit und Medieneinsatz "Bildungschancen"
Referent: Antonio DiazTag der offenen Tür im ANE
Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" am Freitag, dem 8. Juni 2012 von 14:00 Uhr bis 20:00 Uhr - Informationen und Gespräche für Eltern und ein buntes Kinderprogramm."Generationsübergreifende Folgen nach Krieg, Flucht, Vertreibung und Emigration"
Vortrag von Anita KnapekBerlin, 08.06.2012, 09:00 - 14:00 "Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?" Programm und Anmeldung
Berlin, 08.06.2012, 14:00 - 20:00 Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" Anmeldung
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Sprachentwicklung und Sprachförderung in 10 Sprachen
"Wie Babys sich entwickeln" - Kurzfilme für junge Eltern.


Elsbeth Stern ist Psychologin und Professorin am Berliner Max-Planck-Institut für Bildungsforschung und beschäftigt sich mit dem Denken und Lernen im Kindesalter. Die Journalistin und Publizistin Ursula Ott führte ein Interview mit ihr, das in der Zeitschrift Brigitte 7/2004 erschienen ist.
Brigitte: Sie haben eine Führungsposition an einem berühmten Forschungsinstitut. Wie sind Sie so schlau geworden?
Elsbeth Stern: Ich habe bis heute großen Spaß am Lernen. Meine erste Schule war eine achtklassige Dorfschule, wir haben viel miteinander und voneinander gelernt, ohne Stress. Leistungsdruck ist verhängnisvoll, wichtig ist das Lernen.
Hirnforscher sagen aber, wer sein Kind nicht ins Frühenglisch schickt, verpasst ein wichtiges "Zeitfenster"...
Elsbeth Stern: Ich glaube, da ist in letzter Zeit vieles falsch verstanden worden. Dass es "Zeitfenster" gibt, die irgendwann aufklappen, ist unbestritten. Aber unter welchen Bedingungen sie wieder zuklappen - darüber gibt es ganz wenige Erkenntnisse. Beim Erwerb der Zweitsprache weiß man allerdings, dass ein Fenster wieder zuklappt.
Also ist es doch am besten, dem Kind so früh wie möglich eine zweite Sprache beizubringen?
Elsbeth Stern: Wir dürfen zwei Dinge nicht verwechseln: Der spontane Fremdsprachenerwerb - wenn zu Hause eine zweite Sprache gesprochen wird, hat das große Vorteile. Das Kind kriegt eine zusätzliche Sprache geschenkt. Aber wenn einmal die Woche eine Lehrerin in den Kindergarten kommt und englische Lieder singt - ob das was bringt, ist noch nie systematisch erforscht worden. Es wird wohl nichts schaden, aber viel Geld würde ich dafür nicht ausgeben.
Stimmt denn generell der Grundsatz: je früher, desto besser?
Elsbeth Stern: Eben nicht. Für viele Dinge müssen Kinder erst mal die richtigen Voraussetzungen erwerben, wie zum Beispiel eine "theory of mind" - das ist die Fähigkeit, die Perspektive zu wechseln. Folgender Versuch klappt bei allen Kindern. Peter kriegt Schokolade, er tut sie in den blauen Schrank und verlässt das Zimmer. Die Mutter kommt rein, tut sie vom blauen in den roten Schrank, verlässt das Zimmer. Peter kommt zurück. Wir fragen unterschiedlich alte Kinder: Wo wird er die Schokolade suchen? Kinder unter drei sagen: Er sucht sie im roten Schrank, weil sie da ja ist. Kinder ab vier sagen: Er sucht sie im blauen Schrank, denn er kann ja nicht wissen, dass die Mutter sie umgelegt hat. Das ist ein Meilenstein, der von Reife zeugt: Die Kinder haben begriffen, dass es in den Köpfen anderer anders aussieht als im eigenen. Eine Voraussetzung für schulisches Lernen.
Man sagt doch aber, dass kleine Kinder Wissen aufsaugen wie ein Schwamm...
Elsbeth Stern: Diese Vorstellung ist falsch. Niemand saugt Wissen wie ein Schwamm auf. Der Arbeitsspeicher in unserem Gehirn ist begrenzt, und diese Begrenzung ist durchaus sinnvoll. Sie erlaubt uns, uns auf das Wesentliche zu konzentrieren. Für kleine Kinder heißt das: Sie sind von komplexen Dingen noch total überfordert. Sie in dieser Zeit mit möglichst viel Wissen voll zu stopfen wird nicht funktionieren. Kinder lernen nicht leichter, sondern schwerer als Erwachsene.
Das hört sich bei den Hirnforschern aber ganz anders an...
Elsbeth Stern: Diesen Forschungen können wir vor allem entnehmen, dass Kinder funktionierende Sinnesorgane brauchen - also gesunde Augen und Ohren, um sich in einer anregenden Umgebung gut zu entwickeln.
Was ist eine anregende Umgebung?
Elsbeth Stern: Eine Mutter, die den ganzen Tag mit ihrem Kind in einer kleinen Wohnung sitzt mit vielen Spielsachen - das ist nicht optimal. Die Mutter versteht das Kind meist ohne viele Worte, und das Kind lernt nicht, sich auszudrücken. Im Kindergarten hingegen wird das Kind in Gespräche verwickelt, muss sich erklären, darf erzählen; diese Art von Frühförderung sollte man seinem Kind unbedingt bieten.
Muss man sein Kind außerdem in teure Kurse schicken?
Elsbeth Stern: Nein, ein guter Kindergarten reicht, und viele Erzieherinnen zeigen unter oft schwierigen Bedingungen großes Engagement. Unsere Kinder werden mehr leisten müssen als wir, da muss die Gesellschaft als Ganzes überlegen, wie sie ihr Bildungssystem optimiert.
Viele Eltern machen sich speziell um die Sprachfähigkeit ihrer Kinder Sorgen. Soll man die frühzeitig trainieren?
Elsbeth Stern: Bitte keine Buchstaben auf den Schwangerenbauch malen! Sinnvoll ist es aber, das Kind für die akustische Struktur seiner Sprache zu sensibilisieren. Reime sind dafür eine prima Übung. Auch rhythmisches Klatschen und Singen nützt der Sprachentwicklung. Ich halte viel von dem holländischen System: Dort kommen alle Kinder mit vier Jahren in ein verpflichtendes Bildungsprogramm und werden spielerisch auf die Schule vorbereitet.
Sollten Kinder schon vor der Schule lesen und schreiben lernen?
Elsbeth Stern: Wenn ein Kind das möchte - okay. Aber nie gegen seinen Willen. Oft heißt es, Lehrer kriegen ein Problem, wenn Kinder bei der Einschulung unterschiedlich weit sind, aber damit müssen sie umgehen lernen. Überhaupt müssen wir flexibler werden. In Deutschland ist alles so starr: Einschulung mit 6, Stunden im 45-Minuten-Takt, alle Parallelklassen büffeln den gleichen Stoff - das ist keine optimale Lernumgebung.
© Brigitte www.brigitte.de
Wir danken der Zeitschrift Brigitte und Frau Stern für die Genehmigung zum Abdruck des Interviews.
Bei Bildung Plus finden Sie ein weiteres Interview mit Prof. Dr. Stern zur Frühförderung von Kindern: "Lernen ist erfolgreich, wenn erfolgreich an Vorwissen angeknüpft werden kann" - http://bildungplus.forum-bildung.de/templates/imfokus_inhalt.php?artid=221&start=0&str1=Elsbeth%20Stern&str2=&str3=&lib=&art=&details