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ANE-Aktionskonferenz für Elternlotsenprojekte

Autor: Stefan Hellriegel, Journalist, Tagungsbeobachter

 

Aktionskonferenz für Elternlotsenprojekte.
Aktionskonferenz für Elternlotsenprojekte. Im Vordergrund der Integrationsbeauftragte Günter Piening (rechts) und der Bürgermeister von Berlin-Mitte Christian Hanke (Mitte), Fotograf: M. Minehan

Eltern- oder Integrationslotsen über-nehmen seit Jahren nicht nur in Berlin wichtige Brückenfunktionen: Sie ver-mitteln zwischen Institutionen und Eltern, die deren Angebote nicht ohne zusätz-liche Hilfestellungen nutzen können oder wollen. Nun soll die Arbeit von Eltern-lotsen in Berlin ausgebaut und verstetigt werden. Im Rahmen des deshalb ange-stoßenen Qualitätssicherungsprozesses fand im Dezember 2009 in Berlin eine Aktionskonferenz statt, auf der Vertreter-innen und Vertreter von Projekten, Projektträgern und Bezirksverwaltungen die Gelegenheit zu gegenseitigem Austausch hatten.

 

Bildungserfolg stellt sich nicht von selbst ein – das bezeugt die hohe Zahl von Jugendlichen, die Jahr für Jahr unser Schulsystem ohne Schulabschluss verlassen. Bildungserfolg erfordert, dass die Potenziale von Kindern und Jugendlichen erkannt und optimal gefördert werden und dass Schwierigkeiten benannt und Lösungen dafür gefunden werden. Dazu müssen sowohl die Pädagogen in den Bildungseinrichtungen als auch die Eltern sich als Partner verstehen, die gemeinsam die Bildungskarrieren von Kindern und Jugendlichen gestalten und begleiten.

Besonders Eltern mit Migrationshintergrund fällt es allerdings oft schwer, sich als aktive Partner in die Kindertagesstätte oder Schule einzubringen, die ihre Kinder besuchen – zu viele Hürden stehen im Weg. Um auch Eltern anzusprechen, die sich noch nicht so stark einmischen, wie es notwendig und wünschenswert wäre, hat man das Konzept der „Eltern-" oder „Integrationslotsen" entwickelt. Lotsen sollen andere Eltern dazu motivieren und dabei stärken, eine aktive Rolle auszufüllen, wenn es um die Ausbildung ihrer Kinder geht. Elternlotsen sind oft selbst engagierte Eltern mit Migrationshintergrund, denen es leichter fällt als den „offiziellen Stellen", auf andere Eltern zuzugehen und sie zu beraten. Hilfesuchende Eltern können sich ohne Scheu und Hemmungen an Lotsen wenden, die auch gern zu ihnen nach Hause kommen oder mit zu Kita, Schule oder Ämtern gehen, wo sie als interkulturelle und nicht zuletzt auch sprachliche Mittler behilflich sind. 

 

Berichterstattung und Podiumsdiskussion über die vorbereitenden Runden Tische in den Bezirken
Berichterstattung und Podiumsdiskussion über die vorbereitenden Runden Tische in den Bezirken, Fotograf: M. Minehan

Diese Form der niedrigschwelligen Elternarbeit hat sich im Laufe des letzten Jahrzehnts in Berlin weitgehend selbständig und ungesteuert entwickelt, leistet aber einen so wichtigen Beitrag zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund, dass die Angebote von Lotsenprojekten im Rahmen der umfangreichen Bildungsreformen in Berlin ausgebaut und verstetigt, also organisatorisch und finanziell auf „sichere Beine" gestellt werden sollen. Um die Thematik in der Debatte zu den Berliner Bildungs-reformen zu verankern, hat der Beauftragte des Senats von Berlin für Integration und Migration, Günter Piening, den Arbeitskreis Neue Erziehung e.V. (ANE) damit beauftragt, einen Qualitätssicherungsprozess für Elternlotsenprojekte in Gang zu setzen. ANE organisierte und moderierte zu diesem Zweck eine Aktionskonferenz zum Thema „Qualitätssicherung von Lotsenprojekten in Kita und Schule", die am 11.12.2009 im Berliner Rathaus stattfand. Eingeladen waren Vertreter von in Berlin aktiven Trägern und Projekten sowie Verantwortliche auf Bezirksebene. Die Konferenz hatte zum Zweck, einen Überblick herzustellen über die verschiedenen Elternlotsenprojekte und deren Arbeitsweise sowie eine Plattform zum gegenseitigen Austausch zu bieten. Damit sollte den Beteiligten die Mitwirkung am anstehenden Qualitätssicherungsprozess ermöglicht und ein inhaltlicher Rahmen hergestellt werden für die Empfehlungen zur Verstetigung von Elternlotsenprojekten, die ANE im Anschluss an die Konferenz für den Senat und die Bezirke von Berlin erarbeiten wird. Der Konferenz vorangegangen waren vorbereitende „Runde Tische", die auf Vermittlung der jeweiligen Bezirksbürgermeister in den Bezirken Mitte, Tempelhof-Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzberg und Neukölln organisiert wurden.

 

Diskussionsrunde im kleinen Kreis
Diskussionsrunde im kleinen Kreis, Fotograf: M. Minehan

Die etwa 80 Teilnehmer nutzten die Diskussions-runden im Plenum wie auch in kleineren Gruppen zu einem ausgiebigen Austausch ihrer Konzepte, Erfahrungen und Verbesserungsvorschläge. Im Vordergrund standen die Themen Berufsbild von Elternlotsen, Maßnahmen zur Qualitätssicherung und zur projektübergreifenden Kooperation und Aspekte der Projektkoordination auf Bezirks- oder Senats-ebene. Einig waren sich die Teilnehmer über die Notwendigkeit einer besseren bezirksweiten und bezirksübergreifenden Projektkommunikation, einer längerfristig angelegten Projektfinanzierung wie auch einer standardisierten Qualifizierung der eingesetzten Mitarbeiter, die augenblicklich zu häufig über kurzfristige arbeitsmarktpolitische Maßnahmen zur Verfügung gestellt werden – ein Thema, das für die Projektverantwortlichen mit großen Frustrationen verbunden ist und entsprechend nachdrücklich zur Sprache kam. Mit großem Interesse wurden Vorschläge aus Friedrichshain-Kreuzberg aufgenommen, die auf eine Finanzierung und Koordination von Lotsen-projekten als familienfördernde Maßnahme nach § 16 des Kinder- und Jugendschutzgesetzes (KJHG) zielten und auf Schaffung einer Quereinstiegsmöglichkeit für Elternlotsen in den ersten Arbeitsmarkt – zum Beispiel als Erzieher, für die es in den nächsten Jahren erheblichen Bedarf geben wird. Einzelne Fragen der Professionalisierung von Elternlotsenarbeit, etwa die Rolle ehrenamtlicher Mitarbeit, oder der überbezirklichen Steuerung von Lotsenprojekten wurden hingegen kontroverser diskutiert.

Die ausführliche Tagungsdokumentation wird zum Download auf Elternlotsenprojektewww.a4k.de<//a> zur Verfügung gestellt werden.