Berlin, 08.06.2012, 09:00 - 14:00 "Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?" Programm und Anmeldung
Berlin, 08.06.2012, 14:00 - 20:00 Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" Anmeldung
Erziehungstipps für Migrantenfamilien aus dem arabischen Sprachraum.
Sprachentwicklung und Sprachförderung in 10 Sprachen
"Wie Babys sich entwickeln" - Kurzfilme für junge Eltern.

Autor: Antonio Diaz, Journalist

Am Nachmittag noch einen wichtigen Termin herein bekommen, d.h. den ebenfalls wichtigen Termin Morgen mit dem Kollegen verschieben! Kein Problem, mit meinem neuen Handy kann ich das sofort managen. Wie war das gleich, ins Menü, auf SMS- Schreiben, Empfänger eingeben und schreiben: Lieber Kollege, leider ist es mir… sorgfältig achte ich auf Rechtschreibung und Zeichensetzung, denn besagter Kollege ist sehr korrekt, da bemerke ich die mitleidigen, gerührten und amüsierten Blicke meiner Kinder. Ich frage arglos:“Ist was?“ und bekomme zur Antwort: „ Ja damals in der Steinzeit, als ihr noch die Buschtrommel benutzt habt, ging das alles bestimmt viel schneller!! Komm Papa, lass mich mal schreiben, man kann ja nicht mit ansehen wie du dich quälst.“ Zögernd übergebe ich mein Handy und diktiere einen gut durchdachten und wohl formulierten Brief an den Kollegen, nicht ohne zwischendurch auf Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung hinzuweisen. Ich bewundere meinen Sprössling, locker auf der Couch sitzend, in der LINKEN das Handy, der Daumen huscht über die Tasten, die rechte Hand bedient die Fernbedienung, die Augen hängen am Bildschirm , dabei diskutiert er mit seiner Schwester. Trotzdem schreibt er schneller als ich rede. „So, fertig“, sage ich, „lass mich mal lesen“. „ Ups, zu spät, schon auf ‚Senden‘ gedrückt, vertrau mir, schreib jeden Tag hundert.“ Ich bedanke mich, beschließe zu vertrauen und hoffe das Beste. Dreißig Minuten später klingelt mein Handy und besagter Kollege ist dran:“ Hallo und vielen Dank für ihre SMS, Gott sei Dank bin ich schon zu Hause und meine Tochter konnte mir übersetzen, was sie geschrieben haben. Wusste gar nicht, dass sie diese neue Handy Kurzsprache so gut können, meine Tochter meinte, cooler Kollege, solltest du auch mal lernen!
Jeder Vater und Mutter kennt bestimmt diese oder ähnliche Szenen.
Man kann als Eltern diese Medien nicht verfluchen, denn wir nutzen sie ebenfalls und bei neueren Technologien, die unsere Kinder auf jeden Fall vor uns Nutzen(es sei denn, wir arbeiten zufällig in dieser Branche), möchten wir nicht als ‚Deppen‘ dastehen. Es stellt sich die Frage, wie können wir lernen, mit Medien umzugehen, ohne als „Steinzeit- Menschen“ da zustehen und wie können wir den bewussten Umgang mit Medien erlernen und diesen unseren Kindern in einem ständigen Verhandlungsprozess vermitteln, sodass schließlich ein bewusster und kritischer Umgang mit Medien möglich ist.
Auf der einen Seite werden Eltern oft überrollt von immer neuen Medien und deren Anwendungen im Alltag, auf der anderen Seite wollen sie ihren Kindern nicht die Chance vorenthalten, mit neuen Medien umzugehen. Wer kennt nicht die Mütter und Väter, die ihren Kindern einen Computer schenken, damit diese sich zu Hause damit beschäftigen können, oder damit sie in der Schule „up to date“ sind und Aufgaben zu Hause am PC erledigen können, denn in den Schulen wird ganz selbstverständlich immer mehr davon ausgegangen, dass jedem Kind ein PC zur Verfügung steht.
Trotz der positiven Nutzung, birgt der oft allzu offene Umgang (face-book, Schüler VZ, my space , diverse Spiele, usw.) mit PC/Internet viele Gefahren mit schwerwiegenden Folgen, die Kinder und Jugendliche oft nicht kennen und einschätzen können und die ihnen nicht bewusst sind.
Auch Erwachsene wissen oft nicht, wie sie mit den Risiken, aber auch den Chancen der neuen Medien umgehen können. Es bestehen diesbezüglich viele Fragen und Unsicherheiten und Unkenntnis darüber, wo man Hilfe oder Anregungen bekommen kann und wie diese dann bewusst und gezielt in den Erziehungsprozess einzusetzen sind.
Mit dieser Reihe wollen wir ihnen, den Eltern und Erziehungsberechtigten Beispiele aufzeigen, die verdeutlichen, dass es nicht so schwer ist, wie man denkt, den bewussten Umgang mit Medien zu üben und Art und Umfang der Mediennutzung in den Erziehungsprozess des Aushandelns, Verhandelns als gemeinsame Lernen einzusetzen .
In den weiteren Folgen werden wir Sie informieren, weitere Beispiele aufzeigen, Gespräche führen, ihre Anregungen, Ideen, Fragen etc. aufnehmen, beantworten, und sie in Kontakt bringen.
Wir werden gemeinsam entdecken, dass man oft nicht lange suchen muss und dass der Austausch mit anderen Eltern oft einen großen Schritt in Richtung Lösung ist.
Es gibt z.B. interkulturelle Elterninitiativen, die von häufig gemachten Erfahrungen von Eltern bzw. Erziehungsberechtigten berichten und die gemeinsam überlegt haben, wie sie sich gegenseitig unterstützen können, wie sie die Stärken, die jeder hat, koordinieren und zum Wohl ihrer Kinder und sich selbst einsetzen können. So haben sie u.a. mehrere „Aufklärungsfilme“(in häuslicher Umgebung, bezogen auf Alltagssituationen mit neuen Medien) gedreht, den sie für die Arbeit mit Eltern einsetzen.
Wir werden gemeinsam erleben und erfahren, dass es ist nie zu spät ist, in diesen Prozess des bewussten Umgangs mit Medien, einzusteigen.
Da ist z.B. Vidal, der spanische Opa, der vor ca. 1o Jahren mit den Begriffen PC, Internet, i Phon, usw. nichts anfangen konnte und der heute ein Internet- Cafe anbietet und dort junge Erwachsene im Umgang mit neuen Medien unterrichtet.
Dann ist da noch eine Gruppe älterer türkischer Frauen, von denen einige nicht lesen und schreiben und kaum Deutsch sprechen können, die aber plötzlich die neuen Medien entdeckt haben, einen Internet-Kurs besuchen, dabei Deutsch lernen und sich nun mit ihren Enkeln austauschen können. Dabei entdecken sie auch neue Seiten an der Kultur ihrer Heimat und können sich auch darüber mit ihren Enkeln austauschen. Es ist also nie zu spät!!!
Wie kann ich lernen, hin zu schauen?
Wie ist es zu schaffen, dass beide Parteien - Eltern/Erziehungsberechtigte und alle mit der Erziehung unsere Kinder Beauftragte und Kinder /Jugendliche - etwas davon haben, die bewusste, kritische Nutzung der Medien zu stärken, Gefahren und Missbrauch im Umgang mit den Medien abzubauen?
Das Bundesfamilienministerium will mit Ihrer Kampagne „Schau hin“ alle in der Erziehung tätigen Erwachsenen sensibilisieren, sie animieren und ermutigen einen bewussten Umgang mit den neuen Medien zu praktizieren und vorzuleben. Die Kampagne soll den Missbrauch und die Gefahren neuer Medien aufzeigen und wird unterstützt von großen Medienunternehmen wie ZDF, ARD, Vodafone, etc. Sie informieren und klären auf mit Spots im Fernsehen, auf Internetseiten und mit Informationsmaterialien (Ratgebern, Broschüren, Flyern, in Deutsch und anderen Sprachen)
In unsere Reihe werden Sie ständig über die neuesten Entwicklungen dieser Kampagne informiert. Weitere Informationen dazu auf der Internetseite: www.schau-hin.info.
Ihre Anregungen, Fragen, Informationen, etc. zu diesen Themen werden Sie in dieser Reihe wiederfinden.
Der Vater und Journalist, der von seinen Kindern mit den Satz konfrontiert wurde: „Papa, ihr früher in der Steinzeit mit den Buschtrommeln“, stellt fest, „ ich bin nicht allein in der Steinzeit“, es gibt sehr viele Betroffene und es ist nie zu spät, damit anzufangen gemeinsam mit den Kindern einen verantwortungsvollen Umgang mit den Medien zu lernen . Letztendlich hat die Aussage des Kindes den Journalisten und Vater zu den Artikeln animiert.
Liebe Eltern, demnächst können sie hier weitere Nachrichten aus der „Steinzeit“ lesen und zum Schluss noch eine Anregung, falls Sie Lust haben, senden Sie uns Ihre „Erlebnisse und Geschichten aus der Steinzeit“ zu.
Bis zum nächsten Mal ihr „Trommler“ aus der Steinzeit, Antonio Diaz