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Sommerfest der Otto-Wels-Grundschule

Autorin: Malak Awad, a4k-Forummoderatorin

Frau bemalt Kinderhand mit Hennafarbe
Foto: M. Derafsheh

Das Sommerfest der Otto-Wels Grundschule, das am 05.06.09 in Berlin-Kreuzberg stattfand, war für die vielen Familien unterschiedlicher Nationalität ein ganz besonderes Ereignis. Anstatt für den Mathematikunterricht zu pauken, wurden für die Kinder Spiele unterschiedlicher Art angeboten und Eltern und sonstige Familienangehörige konnten bei Kaffee und Kuchen entspannen.

Doch das Highlight für die arabisch-stämmigen Kinder war ein Beduinenzelt, in dem die Hände der Kinder mit Henna bemalt, Freundschaftsbänder geflochten und Luftballons verteilt wurden. Zudem  hatten sich einige Mütter die Mühe gemacht, mit ihren Kindern arabische Folkloretänze vorzuführen und sich hierzu in traditionell-bestickte Gewänder gehüllt.

Auch der traditionell hergerichtete arabische Kaffee und frische Datteln haben nicht gefehlt und boten dem orientalischen Ambiente den letzten Schliff. Organisiert wurde das Beduinenzelt mit all seinen Angeboten vom Arbeitskreis Neue Erziehung e.V. (ANE), der sich u.a. für die Belange arabisch-stämmiger Familien engagiert sowie von den arabischen Frauen, die regelmäßig mit dem ANE über verschiedene Aktionen und Projekte in Verbindung stehen.

Der ANE hat bereits Projekte mit der Otto-Wels Grundschule zum Wohle der Kinder auf der einen Seite sowie der Eltern und Schule auf der anderen Seite ins Leben gerufen. Im Rahmen des Projektes „Al Ahali wa al Madrasa“ findet z.B. wöchentlich ein arabisches Elterncafé mit Informationsveranstaltungen, Beratungsangeboten und Ausflügen statt.

Demnächst wird an der Schule eine Erziehungsvereinbarung in Kraft treten. Selbstverständlich konnten Eltern, Vertreter des arabischen und türkischen Elternvereins und des ANE sowie Pädagogen der Otto-Wels Grundschule bereits bei den Aushandlungsrunden Ideen, Vorschläge und ihnen wichtige Gedanken einbringen, um schließlich auf einen gemeinsamen Konsens zu kommen.
Um Missverständnissen und Sprachbarrieren entgegenzuwirken, wurde die Erziehungsvereinbarung in die arabische und türkische Sprache übersetzt. Ziele sind die Schaffung von Vertrauen zwischen Eltern und Pädagogen als Grundlage für eine gute Zusammenarbeit, die ein friedliches Zusammenleben in der Schulgemeinschaft sowie das erfolgreiche Lernen der Kinder ermöglicht.

 

Mädchen mit Hennabemalung
Foto: M. Derafsheh

Mittel zum Zweck ist eine Art Vertragsvorlage für die Erziehungsvereinbarung, die von Eltern und Pädagoginnen der Schule unterschrieben wird, wodurch die Umsetzung des Vertrages für beide Parteien verbindlich ist.

Wie ich über Gespräche mit aktiven Müttern, die selbst Kinder an der Otto-Wels Grundschule haben und sowohl an den Vorbereitungen des Sommerfestes als auch an denen der Erziehungsvereinbarung aktiv mitgewirkt haben, in Erfahrung bringen konnte, scheint die Erziehungsvereinbarung allgemein von den Eltern begrüßt worden zu sein – wenn auch zunächst mit Skepsis. Denn die meisten Eltern schienen über Probleme an der Schule nicht benachrichtigt worden zu sein und fühlten sich mit der Erziehungsvereinbarung vor den Kopf gestoßen. Doch im Nachhinein brachten sie Verständnis auf. Durch die überwiegend positive Erfahrung der Mütter mit der Schule über andere Projekte können diese mittlerweile vollstes Vertrauen entgegen bringen und motivieren auch andere Mütter zur Teilnahme an Projekten.

Die Tatsache, ob sich wirklich jede Familie trotz Verbindlichkeit an eine solche Vereinbarung hält, ist für die Mütter noch unklar. Sie rechnen mit vereinzelten Fällen, die u.U. Schwierigkeiten bereiten könnten. Dennoch sind sie sich einig, dass die Umsetzung im Interesse der Kinder notwendig ist, da es Familien gibt, die Schwierigkeiten haben sich an Regeln zu halten und dem nun Einhalt geboten werden könne. Konsens besteht  auch darüber, dass die Erziehungsvereinbarung allgemein im Sinne der Kinder sinnvoll und Erfolg versprechend ist.

Das ANE-Internetportal „Aktiv für Kinder - Eltern eine Stimme geben“ wurde ebenfalls auf dem Fest der Otto-Wels Grundschule vorgestellt. Arabische und türkische Eltern konnten sich Online über Erziehungsthemen und Elternforen in ihren Herkunftssprachen informieren.

Das Schulfest war ein voller Erfolg für Kinder und Eltern sowie alle beteiligten Akteure.