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Sprachbriefe

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Tag der offenen Tür

Am 19. Juni 2010 fand im ANE der Tag der offenen Tür statt. Fotos finden Sie hier Link: Zur Anmeldung.

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Sprachförderung zu Hause?

Unser Sohn wächst mehrsprachig auf. Zu Hause sprechen wir türkisch, aber in der Kita wird nur deutsch gesprochen. Müssen wir ihn beim Erlernen der deutschen Sprache trotzdem auch zu Hause fördern?

Nezabudka - Deutsch-russische Kindertagesstätte, Frankfurt

1, 2, 3 im Sauseschritt … eine Kita dehnt sich aus

Autorin: Inge Michels, Journalistin

1, 2, 3, im Sauseschritt…
Foto: www.nezabudka.de

„Das Beste aus beiden Kulturen miteinander verbinden“ – so beschreibt Julia Zabudkin ihr Anliegen und das ihrer Kolleginnen. Sie ist die geschäftsführende Leiterin aller Nezabudka-Kindergärten in Frankfurt und die pädagogische Leiterin von Nezabudka1.

Mit ihrem Kultur übergreifenden Anliegen erreichen die Erzieherinnen die Herzen so vieler russisch-stämmiger Eltern im Rhein-Main-Gebiet, dass in diesem Jahr gleich zwei weitere Einrichtungen eingeweiht wurden. Und das, obwohl die Mutter-Einrichtung erst drei Jahre alt ist und damit gerade einmal das typisch deutsche Kindergartenalter erreicht hat. Da denkt man unwillkürlich an das bekannte Kinderlied „1, 2, 3 im Sauseschritt …“. „Wir sind von der großen Nachfrage selbst überrascht“, kommentiert die Kita-Leiterin die rasante Entwicklung.

Nezabudka heißt „Vergissmeinnicht“ und steht für vieles, worauf die Einrichtung Wert legt: Eine gute Erinnerung an die Kindheit und das Bewahren der russischen Wurzeln gehören dazu. Das Vergissmeinnicht mit seinen vielen kleinen Blüten mag aber auch Symbol sein für die besondere Wertschätzung der Gemeinschaft, der Gruppenzugehörigkeit, die sich in der Gestaltung des Tagesablaufs wieder findet. „Wir achten sehr auf gemeinsame Mahlzeiten an liebevoll gedeckten Tischen. Wir unterstützen die Individualität jedes einzelnen Kindes und setzen sie in Bezug zu den Bedürfnissen der Gruppe“, erläutert Julia Zabudkin einen wichtigen Aspekt des pädagogischen Konzeptes. Individualität und Gemeinschaft, so die Leiterin, schließen sich nicht aus. Sie zu einem harmonischen Ganzen reifen zu lassen, das sei die besondere Kunst. „Auch Kinder können lernen, zwischen ihren eigenen Wünschen und denen der Gruppe abzuwägen“, ist die Kita-Leiterin überzeugt.

 

Natur oder Museum: Kulturen finden zueinander
Dieser Ansatz verbunden mit der Förderung der Mehrsprachigkeit zieht nicht nur russisch-stämmige Familien an, sondern ebenso mono-lingual deutschsprachige Familien und ebenso Eltern mit anderen kulturellen Hintergründen. Julia Zabudkin ist überzeugt, dass der klare, geregelte Tagesablauf vielen Eltern entgegenkommt. Ganz der russischen Kultur verpflichtet gehört etwa die Mittagsruhe zu einem wichtigen Element der Tagesstruktur. „Kinder müssen Zeit finden, sich zu erden. Kinder können nicht durchgehend aktiv sein, und auch wir Erzieherinnen brauchen diese Zeit der Erholung“. Und trotzdem tut sich manches russische Elternteil schwer mit der Mittagsruhe. Das liegt weniger an dem Ritual, sondern vielmehr an dem Ort: Ab vier Jahren dürfen die Kinder, die bis dahin ihr eigenes Bettchen hatten, auf Matratzen liegen. Auf dem Boden zu schlafen gehört sich nach russischer Überzeugung jedoch nicht. Deutsche Eltern wiederum finden einen Raum voller kleiner Bettchen gewöhnungsbedürftig, und so fanden die Erzieherinnen diesen Kompromiss.

Kompromisse zwischen den Kulturen werden ebenso bei den unterschiedlichen Bildungsansprüchen gemacht. „Beim wöchentlichen Ausflugstag wünschen sich deutsche Eltern Streifzüge durch die Natur. Für russische Familien dagegen zählen vor allem Museumsbesuche oder Besuche anderer kultureller Einrichtungen“, schmunzelt die gebürtige Ukrainerin und stimmt ihr Angebot auf beide Wünsche ab. In der Bedeutung der Musik und des Theaterspiels finden die Eltern dann wieder zueinander: Im Musiksaal mit Klavier findet wöchentlich musikalische Früherziehung statt, und einmal im Jahr ist ein mehrwöchiges Theaterprojekt  fest eingeplant.

 

Jede Kultur ist gleich viel Wert
„Deutsche Eltern sorgen sich vor einer zu frühen Verschulung, russische Eltern sind es aus ihrer Heimat gewohnt, dass im Kindergarten lesen und schreiben gelehrt wird“, erzählt die Kita-Leiterin weiter. Aber weil die Einrichtung sich ganz bewusst als eine deutsch-russische Kita versteht, setzen sich die Erzieherinnen mit den unterschiedlichen Erwartungen auseinander und versuchen, das Beste aus beiden Kulturen zusammenzuführen. Denn eines ist für sie ganz klar: Jede Kultur ist gleich viel Wert.

Das wiederum gilt für die beiden Sprachen ganz besonders. 50 Prozent der Erzieherinnen sprechen russisch als Muttersprache, die andere Hälfte spricht muttersprachlich deutsch. Bei der Heranführung der Kinder an die Zweisprachigkeit greifen die Erzieherinnen auf die Methode Immersion (siehe: htt://www.nezabudka.de/kindergarten.php?blt=Fragen) zurück. Das Ziel: Bis zur Schulreife sollen alle Kinder altersgerecht mit der deutschen Sprache vertraut sein, ohne dass Russisch vernachlässigt wird.

 

Hinweise für interessierte Eltern:

  • Die homepage www.nezabudko.de ist außergewöhnlich informativ. Sie gibt einen sehr guten Einblick in das Konzept der Einrichtung und ganz allgemein in die Vorzüge der Mehrsprachigkeit.
  • Das Sprachenkonzept der Kita war drei Jahre lang Gegenstand einer wissenschaftlichen Evaluation. Die Ergebnisse werden in Kürze erwartet.

Träger: slowo e. V., Verein zur Pflege der russischen Kultur (www.slowo-ev.org)
Kinderzahl: 3 Einrichtungen mit insgesamt 143 Kindern
Alter der Kinder: 1-6 Jahre
Sprachen der Erzieherinnen: 50 % muttersprachlich deutsch, 50% muttersprachlich russisch
Zusätzliche Kosten zu Regeltarif und Essensgeld: monatl. 40 € für besondere Zusatzangebote und zusätzliches Betreuungspersonal
Öffnungszeiten: 7.30 Uhr bis 17 Uhr
Mahlzeiten: Frühstück, Mittagessen, Nachmittagsmahlzeit
Kontakt:
Julia Zabudkin (geschäftsführende pädagogische Leitung)
Geschäftsstelle der Kindergärten Nezabudka
Voltastr. 75
60486 Frankfurt
Fon: 069-95633490
e-mail: kindergarten@nezabudka.de
Homepage: www.nezabudka.de