Hier finden Sie unseren neuesten Extrabrief zum Thema Sprachentwicklung und Sprachförderung (0-3 und 3-6 Jahre)
in 10 Sprachen
Am 19. Juni 2010 fand im ANE der Tag der offenen Tür statt. Fotos finden Sie hier
.

Autorin: Inge Michels, Journalistin
Die Kita „Uns lütt Puppenstuw“ befindet sich im Seebad Ahlbeck und ist in einem Altbaugebäude untergebracht. Aus einer Krippe in der einstigen DDR entstanden, wird die Einrichtung seit 1990 von der Arbeiterwohlfahrt (AWO) als Kindertagesstätte mit 30 Krippenkindern geführt. Kinder aus den Seebädern Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin sowie aus dem Amtsbereich „Usedom Süd" und der polnischen Hafenstadt Swinemünde, die nur 3 km entfernt ist, kommen hier täglich zusammen. Ein Team von 11 pädagogischen Fachkräften und 2 technischen Mitarbeitern ist für insgesamt 87 Kinder verantwortlich. Ein ganz besonderer Spielplatz liegt direkt vor der Tür: der Strand, bei Wind und Wetter heiß begehrt.
Wie es kam, dass die Kita Polnisch als weitere Sprache einführte, erzählt Marion Ryba, langjährige Leiterin: „Nach der Wende fuhren die Leute wieder zum Einkaufen nach Swinemünde, so wie früher ihre Eltern und Großeltern, und das war mir schon unangenehm, dass viele Polen etwas Deutsch konnten, aber wir so gar nicht. Na ja, und dann spürte man ja auf beiden Seiten auch die Vorbehalte und Vorurteile, die aus den Kriegswirren noch übrig geblieben waren. Ich fand, da musste man was dran ändern, und am besten fängt man bei den Kindern an. Beim deutsch-polnischen Frauenforum fragte ich dann an, ob sie über ihre Schwesterorganisation in Swinemünde nicht einen Kontakt zu einer polnischen Kita herstellen könnten. Und so fing alles an…“
Kooperation mit Kita Nr. 1
Das, was anfing, ist noch lange nicht zu Ende. Anders, als in anderen zweisprachigen Einrichtungen, entwickelte sich das Konzept der Kita nicht in erster Linie aus der Motivation heraus, Mehrsprachigkeit anzubieten, sondern war getragen von dem Bemühen, Kinder von klein auf an einen interkulturellen Austausch auf gleicher Augenhöhe mit dem Nachbarland heranzuführen und dabei auch die Eltern mitzunehmen. Polnisch als zweite Sprache entwickelte sich quasi nebenbei durch den inzwischen fast zehnjährigen Kontakt mit der Kita Nr.1 auf polnischer Seite, die heute „Ostseeperlchen“ heißt. Gemeinsame Besuchstage und Ausflüge, Spiel und Sport – so fanden deutsche und polnische Kindergartenkinder zueinander. Anfangs mussten noch recht mühsam alle Kinderausweise eingesammelt werden, heute ist der deutsch-polnische Grenzverkehr für die Erzieherinnen ohne solche Formalien möglich.
Erst seit 2005 besteht eine bilinguale Gruppe, für die eine polnische Erzieherin fest eingestellt werden konnte. Marion Ryba: „So nach und nach überlegten wir, den regelmäßigen Austausch mit unseren polnischen Kolleginnen in unserer Arbeit zu professionalisieren. Wir wollen unsere Kinder auf die Zukunft im europäischen Haus vorbereiten, sie zu Weltoffenheit, Toleranz und Solidarität erziehen und ihre Bildung fördern. Unsere Kinder sollen mit der polnischen Kultur und Sprache vertraut werden. Sie dafür zu sensibilisieren und somit ihre Kompetenzen zu erweitern ist uns wichtig. Nicht zuletzt soll den Kindern der Umgang mit einer weiteren Sprache Freude bereiten. Die Kinder hören den Klang, erkennen nach den täglichen Wiederholungen die Bedeutung und wenden die Wörter in einem dritten Schritt dann selber an. Leichter kann man keine Sprache lernen“. Das Ziel von Marion Ryba und ihren Kolleginnen: Der Neubau einer Kita in diesem oder kommendem Jahr, in der dann bis zu 20 polnische Kinder aufgenommen werden können, zurzeit sind es sieben.
Eine Generation wächst zweisprachig auf
In Vorbereitung dieses geplanten Umzugs beschäftigen sich alle Mitarbeiterinnen intensiv mit der polnischen Kultur und Tradition und besuchen entsprechende Lehrgänge. Apropos Lehrgänge: „In Polen haben alle Erzieherinnen ein Fachstudium absolviert. Angesichts der Herausforderungen an unsere Kenntnisse in Pädagogik und Psychologie bräuchten wir das in Deutschland auch ganz dringend“, fordert die langjährige Kita-Leiterin.
Mit ihrem Bemühen um einen lebendigen und gleichberechtigten Austausch zwischen zwei Kulturen steht Marion Ryba mit ihren Kolleginnen nicht mehr allein. Auf den Inseln Usedom und Wollin hat sich eine ganze Region aufgemacht, die Zweisprachigkeit auszubauen und zu pflegen. Die Kita ist inzwischen eingebettet in das Konzept der bilateralen Zusammenarbeit der Bildungsministerien auf beiden Seiten der Grenze. Kindern und Jugendlichen soll ein durchgehendes Erlernen der Sprache der Nachbarkultur von der Kita bis zum Abschluss der schulischen Ausbildung ermöglicht werden. Deshalb geht es in manchen Schulen des Kreises zweisprachig weiter bis hin zum bilingualen Gymnasium in Heringsdorf.
AWO – deutsch-polnische Kita „Uns lütt Puppenstuw“, Insel Usedom
Träger: AWO Kreisverband Ost-Vorpommern, Wolgast
Plätze: 87
Alter der Kinder: 3 Monate bis 6 Jahre
Sprachen der Erzieherinnen: 1 polnische Muttersprachlerin
Zusätzl. Kosten zu Regeltarif und Essensgeld: keine
Öffnungszeiten: 6 Uhr bis 17 Uhr
Mahlzeiten: Frühstück, Obstpause, Mittagessen, Vesper
Kontakt:
Marion Ryba (Leitung)
AWO-Kita „Uns lütt Puppenstuw“
Neue Dünenstraße 6
17419 Seebad Ahlbeck
Fon: 038378 / 28396