Erziehungstipps für Migrantenfamilien aus dem arabischen Sprachraum.
Sprachentwicklung und Sprachförderung in 10 Sprachen
"Wie Babys sich entwickeln" - Kurzfilme für junge Eltern.

Autorin: Heike Buhlmann, Koordinatorin des ANE-Projektes "Al Ahali wa al Madrasa"
Im Schuljahr 2008/ 2009 wurde zwischen Eltern, Lehrern und Erziehern der Otto-Wels-Grundschule eine Erziehungsvereinbarung ausgehandelt, die die gemeinsame Zusammenarbeit zum Wohle der Kinder in den Mittelpunkt stellt.
Die Schule liegt im Ortsteil Kreuzberg und weist einen Schüleranteil mit Migrationshintergrund von 95 % auf, wovon ca. 10 % arabischer Herkunft sind. Die Erziehungsvereinbarung bildet die Grundlage für eine Kooperation, um die Kinder in einer wichtigen Lebensphase zu unterstützen, sie in ihrem Selbstbewusstsein zu stärken und mit ihnen Zukunftsperspektiven zu entwickeln.
Eltern und Pädagogen arbeiten gemeinsam daran, eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich alle Beteiligten wohl fühlen. Dazu gehört gegenseitiger Respekt und Anerkennung sowie Akzeptanz unabhängig von sozialen, kulturellen und ethnisch-religiösen Unterschieden.
Mit der Vereinbarung sollen folgende Ziele erreicht werden:
Mit Hilfe der Moderatorin Frau Schütze erarbeiteten Eltern, Mitglieder des Kollegiums sowie Vertreter des Türkischen Elternvereins, der Arabischen Eltern-Union und des Arbeitskreises Neue Erziehung gemeinsam Vorschläge für den Entwurf.
Die Erziehungsvereinbarung wurde auf der Elternversammlung am 7. Oktober 2008 vorgestellt. Aufgrund der heterogenen Zusammensetzung der Eltern gab es kontroverse Diskussionen zu einigen Punkten. Während der zwei folgenden Aushandlungsrunden hatten die anwesenden Eltern die Möglichkeit Ergänzungs- und Änderungsvorschläge einzubringen.
Um alle Eltern zu erreichen, wurden Sprachmittler des Gemeindedolmetschdienstes, der Arabischen Eltern-Union und des Türkischen Elternvereins eingesetzt. So wurde gewährleistet, dass alle Eltern dem Diskussionsverlauf folgen konnten.
Der Entwurf der Erziehungsvereinbarung wurde vorab in die arabische und türkische Sprache übersetzt. Die Eltern erarbeiteten gemeinsam mit den Sprachmittlern den Inhalt, so dass strittige Punkte diskutiert und Veränderungen sowie Zusätze eingebracht werden konnten.
Zwischen den zwei Aushandlungsrunden fand ein Elternabend in arabischer Sprache statt, um noch mehr Eltern der Community zu erreichen. Bei dieser Gelegenheit wurde ihnen der Entwurf vorgestellt, so dass sie eigene Vorschläge einbringen konnten.
Das bestehende Interesse arabischer Eltern an den Lernerfolgen und an der schulischen Laufbahn ihrer Kinder kann oft aufgrund von Kontaktängsten und Sprachbarrieren nicht artikuliert werden. Aufgrund der Erfahrungen aus den Herkunftsländern wird der Institution Schule die Verantwortung für Bildung und Erziehung auferlegt.
Es ist als Erfolg anzusehen, dass diese Veranstaltungen dazu beitrugen, das Recht zur Elternpartizipation zu vermitteln und Unterstützung bei dessen Wahrnehmung zu gewähren sowie ein Umdenken hinsichtlich der familiären Verantwort zu initiieren.
Um die Eltern mit ihren Rechten und Pflichten vertraut zu machen, folgten noch weitere Veranstaltungen im Rahmen des gemeinsamen Projektes des Arbeitskreises Neue Erziehung und der Arabischen Eltern-Union „Al Ahali wa al Madrasa“. So wurden u.a. die ins Arabisch übersetzten Schulregeln mit den Eltern besprochen.
Die Schulkonferenz verabschiedete am 25.02.2009 die Erziehungsvereinbarung. Ihre schrittweise Einführung ist für die 1. – 3. Klassen vorgesehen und in den Klassen 4 - 6 freiwillig möglich.
Um eine Verbindlichkeit zu gewähren, soll die Erziehungsvereinbarung von Pädagogen und Eltern unterschrieben werden. Im Falle, dass einige Eltern die Unterschrift ablehnen, bemüht sich die Schule weiterhin im Dialog mit diesen Eltern zu bleiben und die Kooperation zwischen Schule und Familien in den Mittelpunkt zu stellen.
Im Rahmen des Projektes „Al Ahali wa al Madrasa – Kooperation arabischer Familien mit Schulen und Einrichtungen des Wohnumfeldes“ stellten wir die Erziehungsvereinbarung auf dem Sommerfest der Schule in den Sprachen deutsch, arabisch und türkisch vor, um die Eltern mit der endgültigen Version vertraut zu machen.
Hier können Sie die Erziehungsvereinbarungen in den Sprachen Deutsch, Arabisch und Türkisch lesen: