Elternarbeit und Medieneinsatz "Gesunde Ernährung"
Referent: Antonio DiazFachtag Elternbriefe
"Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?"Elternarbeit und Medieneinsatz zu Kitathemen
Referent: Iman El-HusseinElternarbeit und Medieneinsatz "Bildungschancen"
Referent: Antonio DiazTag der offenen Tür im ANE
Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" am Freitag, dem 8. Juni 2012 von 14:00 Uhr bis 20:00 Uhr - Informationen und Gespräche für Eltern und ein buntes Kinderprogramm."Generationsübergreifende Folgen nach Krieg, Flucht, Vertreibung und Emigration"
Vortrag von Anita KnapekBerlin, 08.06.2012, 09:00 - 14:00 "Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?" Programm und Anmeldung
Berlin, 08.06.2012, 14:00 - 20:00 Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" Anmeldung
Erziehungstipps für Migrantenfamilien aus dem arabischen Sprachraum.
Sprachentwicklung und Sprachförderung in 10 Sprachen
"Wie Babys sich entwickeln" - Kurzfilme für junge Eltern.

vom Amt für Kindertagesbetreuung der Behörde für Bildung und Sport Hamburg
Vorwort
Seit Jahrzehnten werden Kinder aus verschiedenen Kulturen und mit unterschiedlichen Herkunftssprachen in Hamburger Tageseinrichtungen betreut. So ist auch Sprachförderung kein ‚neues‘ Thema, aber eines, das zunehmend mehr Gewicht erhalten hat. Um Kinder mit anderen Herkunftssprachen als der deutschen angemessen fördern zu können, ist es wichtig, einerseits zu wissen, wie Kinder Sprachkenntnisse erwerben und ihnen andererseits beim Lernen gezielte Hilfen zu bieten. Das Amt für Kindertagesbetreuung möchte Sie dabei unterstützen, Ihre tägliche Praxis zu betrachten und sich folgende Fragen zu stellen:
Welche Einstellung haben wir zum Erkundungsverhalten der Kinder?
Wie gehen wir mit ihren Kommunikationsbedürfnissen um?
Wie sieht die Verständigung mit und die Einbeziehung von Eltern aus?
Wie können wir den sicheren Umgang mit Deutsch als gemeinsamer Sprache fördern und den Wert der Herkunftssprachen erfahrbar machen?
Wie können wir die Kinder auf die sprachlichen Anforderungen
der Schule vorbereiten?
Und welche Möglichkeiten bieten sich darüber hinaus, um Kinder beim Spracherwerb zu unterstützen?
Der nachfolgende Beitrag soll Ihnen helfen, Antworten zu finden und Ihnen Anregungen geben, wie Sie Kinder und ihre Familien noch besser als bisher beim Lernen der deutschen Sprache unterstützen können.
1. Grundvoraussetzungen für die Entwicklung von Sprache
Entwicklung der Sinne und der Wahrnehmungsfähigkeit
Wahrnehmung ist ein komplexer Prozess, an dem Sinnesorgane, Gefühle, Denken und Erinnerung beteiligt sind. Unter Einbeziehung aller Sinne beginnt das Kind eine rege Interaktion mit der Umwelt. Je intensiver ein Kind seine Umwelt auf diese Weise entdeckt, desto eher kann es sie begrifflich einordnen und sprachlich über sie verfügen (Kinder tasten, schmecken, sehen, riechen, hören, begreifen).
Zusammenspiel von Sinneswahrnehmung und Motorik
Kinder nehmen ihre Umwelt über Wahrnehmung und Bewegung in Besitz. Beide Systeme sind miteinander verbunden und bilden eine Einheit. Die Entwicklung der Wahrnehmungsfähigkeit wie der Motorik wirken sich auf die Sprachfähigkeit aus. Das Zusammenwirken
aller sensomotorischen Systeme ist von grundlegender Bedeutung für die Entwicklung von Wortverständnis, Sprache und Sprechen.
Vertrauensvolle und sichere Beziehungen zwischen Kindern und
Bezugspersonen
Die emotionale Beziehung zwischen Kind und Bezugsperson ist die Grundlage für Kommunikation und sprachliches Lernen. Kinder lernen auf der Basis von Selbstvertrauen, d. h. sie brauchen für das Gelingen sprachlicher Prozesse Sicherheit und Orientierung in
wertschätzenden Beziehungen.
2. Förderliche Voraussetzungen für das Erlernen der Zweitsprache
Akzeptanz der Herkunftssprache
Über die Herkunftssprache entwickeln Kinder emotionale Bindungen, Zugehörigkeit und Akzeptanz. Durch sie lernen sie soziale Regeln, kulturelle Normen und Werte kennen. Die Entwicklung der Persönlichkeit und der Identität gestalten sich entscheidend über die Herkunftssprache. Zum Aufbau eines positiven Selbstbildes ist es deshalb wichtig, dass die Erstsprache des Kindes wertgeschätzt wird.
Förderung der Herkunftssprache
Die Förderung der Erstsprache begünstigt den Erwerb der Zweitsprache. Zwei oder mehrere Sprachen bedürfen gemeinsamer Wurzeln. Diese liegen in der Herkunftssprache und müssen gut ausgebildet sein. Aus diesem Grunde sollten Eltern bestärkt werden, neben dem Deutschen, die Herkunftssprache weiter zu pflegen.
Die Herkunftssprache und die deutsche Sprache sind für das Kind und seine Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen (Familie und Tageseinrichtung) gleichermaßen wichtig.
3. Förderung des Spracherwerbs in der Tageseinrichtung
Sprachliches Lernen erfordert ein anregungsreiches Umfeld. Das Amt für Kindertagesbetreuung empfiehlt deshalb · Bewegungsbereiche einzurichten und Kinder zu Bewegung
anzuregen, z. B.:
- zum Klettern, Balancieren, Toben und Springen
- zu Bewegungsspielen oder
- zum Tanzen.
· im Gebäude und dem Außengelände flexibel gestaltbare Spiel- und Erfahrungsräume zum Experimentieren mit verschiedenen Materialien zu bieten, wie
- Wasserstellen zum Spielen und Matschen oder
- einen Fundus verschiedener Kleidungsstücke und Gegenstände zum Rollenspiel und
- Projektarbeit zu pflegen.
· vielfältige Aktivitäten außerhalb der Kita zu ermöglichen, z. B.
- Naturerkundung im Umfeld oder Waldtage
- Stadterkundungen sowie
· Kinder an der Gestaltung ihrer Räume zu beteiligen,
- so dass sie darin immer wieder Neues entdecken können
- und ihre Neugierde das Mitteilungsbedürfnis weckt
Freude am Sprechen ist eine Voraussetzung, damit Kinder sich sprachliche Fähigkeiten aneignen. Kinder werden diese Freude eher verspüren, wenn
- Sprachförderung in die alltägliche pädagogische Arbeit integriert ist, d. h. Sie als Pädagogen
- handlungsbezogen sprechen
- Ihre Handlungen mit Sprache, Mimik und Gestik begleiten
- bewusst sprechen
- wichtige Redewendungen als Grundlage einführen
- sprachliche Strukturen erfahrbar machen – vom Wort über den Satzteil zum Satz – und mit Hilfe von Wiederholungen das Erinnern der Kinder erleichtern.
· Sie sich als sprech- und experimentierfreudige Gesprächspartner zeigen, indem Sie
- rhythmisches Sprechen einüben
- Reime und Quatschlieder einsetzen
- Handpuppen benutzen
- Raum geben, um Kinder eigene Geschichten erzählen zu lassen
- interessante Aktivitäten anbieten, die für Gesprächsstoff sorgen
und
- offene und ‚echte’ Fragen stellen.
Sprachliches Lernen verlangt Interaktion und den Dialog mit Partnern. Deshalb sollten Sie
· sprachliche Angebote auf den Entwicklungsstand der Kinder abstimmen und bei den individuellen Möglichkeiten der Kinder ansetzen
· Kinder zur sprachlichen Äußerung anregen durch
- aktives Zuhören
- Antwort geben
- Nachfragen
- Kontakte zu den Herkunftssprachen der Kinder herstellen, indem Sie
- Eltern und Familienangehörige einbeziehen
- und Kontakte im Stadtteil nutzen.
4. Sprachförderung ist eine gemeinsame Aufgabe von Tageseinrichtung und Eltern
Um die Zusammenarbeit mit Eltern zu fördern, sollten Sie
· die pädagogische Konzeption, Elterninformationsschriften und Einladungen mehrsprachig anbieten
· die familiäre Sprachsituation jedes Kindes bei Bedarf analysieren und
· Eltern über die Sprache und Sprechgewohnheiten der Familie befragen. Informationen erweitern das Verständnis der Betreuungskräfte und schaffen die Voraussetzung, bei den Interessen und Erfahrungen der Kinder anzusetzen.
· den Sprachstand jedes Kindes ermitteln und schriftlich dokumentieren,
dies ermöglicht den Austausch über den Entwicklungsprozess mit Eltern
· Aktivitäten gemeinsam mit Eltern organisieren, indem Sie z. B.:
- Feste und Ausflüge vorbereiten und durchführen
- gemeinsam Kochen, Backen oder Handwerken
5. Strukturelle Rahmenbedingungen unterstützen kontinuierliches sprachliches Lernen
Gute Voraussetzungen für sprachliches Lernen gewährleisten Sie, indem
· zwei- und mehrsprachige Fachkräfte beschäftigt und
· zweisprachige und Materialien in den jeweiligen Herkunftssprachen angeboten werden,
z. B.:
- Musikkassetten
- Spiele
- Bücher
- und beim Rollenspiel Kleidungsstücke, Kochgeschirr etc. aus den Herkunftsländern vorhanden sind sowie
· ein an den Bedürfnissen der Kinder orientiertes Raumangebot zur Verfügung steht
· Fortbildung und Praxisberatung zur Qualifizierung des Teams regelmäßig durchgeführt und
· Zeitressourcen eingeplant werden für
- das Gespräch mit dem einzelnen Kind und für Kleingruppenarbeit
- Kommunikation und Zusammenarbeit mit Eltern
- Reflexion im Team
· das Sprachförderkonzept in der Einrichtungs- und Trägerkonzeption fixiert wird und
· Fachliteratur und Medienangebote genutzt werden
Literatur:
Beauftragte der Bundesregierung für Ausländerfragen
Hallo, Hola, Ola – Sprachförderung in Kindertagesstätten
Jugendamt Stuttgart
Leitsätze zur ganzheitlichen Sprachförderung
Internationaler Bund Hamburg / Schleswig-Holstein
Konzeption einer Fortbildung für Erzieher zum Zweitspracherwerb in Kitas
Renate Militzer
Situationsbezogener Ansatz und Sprachförderung
Für weitere Beratung und Information zum Thema Sprachförderung stehen Ihnen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Abteilung Trägerberatung im Amt für Kindertagesbetreuung gerne zur Verfügung.
Leitung Frau Klipp Tel. 4 28 63-26 67
Frau Ellerbrock 4 28 63-21 50
Herr Ohde 4 28 63-25 92
Frau Müller 4 28 63-30 30
Frau Neuwirth 4 28 63-21 98
Herr Stade 4 28 63-24 06
Frau Wörmcke-Prüssmann 4 28 63-25 66
Impressum:
Freie und Hansestadt Hamburg
Behörde für Bildung und Sport
– Amt für Kindertagesbetreuung –
Hamburger Straße 37, 22083 Hamburg
E-mail: Ursula.Baiboks@bbs.hamburg.de
www.hamburg.de/fhh/behoerden/index_behoerden.htm
Text:
Sybille Neuwirth
Hamburg, Juni 2002