Elternarbeit und Medieneinsatz "Gesunde Ernährung"
Referent: Antonio DiazFachtag Elternbriefe
"Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?"Elternarbeit und Medieneinsatz zu Kitathemen
Referent: Iman El-HusseinElternarbeit und Medieneinsatz "Bildungschancen"
Referent: Antonio DiazTag der offenen Tür im ANE
Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" am Freitag, dem 8. Juni 2012 von 14:00 Uhr bis 20:00 Uhr - Informationen und Gespräche für Eltern und ein buntes Kinderprogramm."Generationsübergreifende Folgen nach Krieg, Flucht, Vertreibung und Emigration"
Vortrag von Anita KnapekBerlin, 08.06.2012, 09:00 - 14:00 "Was ist neu an den ANE-Elternbriefen? Wie können sie in der Praxis eingesetzt werden?" Programm und Anmeldung
Berlin, 08.06.2012, 14:00 - 20:00 Die neuen ANE-Elternbriefe "mit Eltern für Eltern" Anmeldung
Erziehungstipps für Migrantenfamilien aus dem arabischen Sprachraum.
Sprachentwicklung und Sprachförderung in 10 Sprachen
"Wie Babys sich entwickeln" - Kurzfilme für junge Eltern.

Autorin: Alke Wierth
Schulen mit vielen Migrantenkindern haben vor allem ein Problem: die deutschen Familien wandern ab. Dabei zeichnen sich gerade diese Schulen oft durch gute Profile aus. Ein Beispiel aus Berlin-Schöneberg: eine Grundschule macht Theater.
"Oh, seht, die Prinzessin kommt!" Die mit goldfarbenen Pluderhosen und großen Turbanen bekleideten Diener springen zur Seite, als die Prinzessin – ganz in Rosa – sich auf ihrer Liege niederlässt. "Man reiche mir ein Taschentuch!" und flugs hüpft einer der Diener mit dem Gewünschten herbei. Langsam, laut und deutlich sprechen die Kinder, die auf der Bühne der Berliner Spreewaldgrundschule ihr Klassentheaterstück vorführen. "Es weckt ihren Ehrgeiz, auf der Bühne zu stehen", sagt der Rektor der Grundschule, Erhard Laube. "Sie wollen ja verstanden werden, sie wollen keine Fehler machen" – und so lernen sie spielerisch und wie nebenbei beim Theaterspielen gut und richtig Deutsch.
Und genau das ist die Absicht, die die Spreewaldgrundschule im Berliner Stadtteil Schöneberg mit ihren Theaterprojekten verfolgt. Jeweils im 1., 3. und 5. Schuljahr übt jede Klasse der Ganztagsgrundschule ein Stück ein. Das wird mehrfach aufgeführt, Abschluss der Schuljahre ist die "Theaterwoche", zu der Schulen und Menschen aus der Umgebung eingeladen werden. Da werden dann alle Stücke noch einmal gezeigt. Das bringt nicht nur positive Lerneffekte für die vielen Schülerinnen und Schüler der Grundschule, die Deutsch nicht als erste Sprache gelernt haben. Nebenbei hat Schulleiter Laube damit auch ein anderes Problem gelöst. Denn der Theaterschwerpunkt lockt mehr und mehr auch die Eltern wieder an die Schule, die jahrelang gerade wegen der hohen Zahl von Kindern nicht deutscher Herkunftssprache die Spreewaldgrundschule gemieden haben. Noch vor ein paar Jahren befanden sich unter den Erstklässlern der Berliner Grundschule kaum noch Kinder, deren beide Elternteile gebürtige Deutsche waren. Und je mehr Kinder aus Migrantenfamilien an die Schule kamen, desto mehr deutsche Eltern meldeten ihren Nachwuchs lieber anderswo an. Das Theaterprofil lockt nun auch die deutschen Eltern und Schüler an die Spreewaldschule zurück.
Ein Paradies mitten in der Stadt – das ist wohl das beste Wort, um das Gelände und die Gebäude der Spreewaldgrundschule zu beschreiben. Das alte rotgelbe Backstein-Schulhaus wurde innen und außen liebevoll saniert. Die neu erbaute Turnhalle fügt sich mit ihrer spielerischen Architektur in den großen Garten, der die Schulgebäude umgibt. Auf ihrem Dach sind Terrassen, die die Kinder bei schönem Wetter als Freizeitbereich nutzen. Eine Rennbahn und ein Freilandlabor mit Teich und Beeten ergänzen das Bild: eine idyllische Schule.
Nicht ganz so idyllisch ist dagegen die Umgebung der Spreewaldgrundschule – der Schöneberger Norden. Schöneberg, ein Stadtteil im Zentrum Berlins, ist geprägt durch eine hohe Zahl von Zuwanderern in der Bevölkerung und eine vor allem unter diesen starke Arbeitslosigkeit auf der einen Seite. Auf der anderen Seite ist der Stadtteil aber, ähnlich wie das bekanntere Kreuzberg, auch Anziehungspunkt für eine bunte Mischung alternativer Bevölkerungsgruppen: linksalternative Intellektuelle, Künstler, Studenten. Es gibt eine alteingesessene Kneipenszene vor allem rund um den Winterfeldtplatz, der mit seinen gemütlichen Wochenmärkten in ganz Berlin Berühmtheit erlangt hat.
Die Spreewaldgrundschule liegt genau auf der Grenze dieser beiden Welten: auf der einen Seite ein riesiger Neubauklotz: der PallasT, ein in den siebziger Jahren über die Straße hinweg erbauter Sozialwohnungskomplex, direkt an der viel befahrenen und zunehmend verarmenden Potsdamer Straße gelegen. Auf der anderen Seite grenzt die Schule an den Winterfeldtplatz, der ein Treffpunkt der alternativen Szene Berlins weit über Schöneberg hinaus ist. Wie schwer diese beiden Welten unter einem (Schul-)Dach zu vereinen sind, hat die Grundschule wie viele andere in Berlin auch erlebt: je mehr Kinder nicht deutscher Herkunft an die Schule kamen, desto mehr blieben Kinder deutscher Eltern weg. "Die Schule drohte zu kippen", sagt Rektor Erhard Laube.
Seit sechs Jahren ist Laube, früher Vorsitzender der Berliner GEW, Leiter der Spreewaldgrundschule. Nach seiner Erfahrung wollen vor allem die Migranteneltern den gemeinsamen Unterricht: "Sie wissen genau, wie wichtig gute Kenntnis der deutschen Sprache ist." Aber auch die deutschen Eltern wollten ihre Kinder ja nicht in rein deutsche Klassen stecken: "Sie kennen doch die Realität unserer Gesellschaft", sagt Laube. Das Problem sei, die beiden Gruppen zusammenzubringen. Mit dem theaterpädagogischen Schwerpunkt, der für alle Kinder egal welcher Herkunft Vorteile bringt, gelingt ihm das. Denn er erleichtert nicht nur das Deutschlernen. Die Erfahrung des Theaterspielens, des Auf-der-Bühne-Stehens bringt den Kindern auch Erfolgserlebnisse und dadurch Selbstvertrauen. Davon profitieren die Kinder jeder sprachlichen und ethnischen Herkunft.
Doch Laube weiß auch, dass längst nicht alle Probleme an seiner Schule gelöst sind. Die Kinder kommen über das gemeinsame Arbeiten zusammen. Probleme bleiben aber unter den Eltern bestehen. Manche ausländischen Eltern kämen neuerdings nicht mehr zu den Elternversammlungen, erzählt der Schulleiter. Sie hätten das Gefühl, dass die wortmächtigeren Deutschen dort "das Sagen hätten". Die deutschen Eltern wiederum wundern sich, wenn die arabische oder türkische Freundin der Tochter nicht zum Übernachten bei ihnen bleiben darf. Und auch im Elterncafé der Schule würden von deutschen Eltern oft ganz andere Probleme thematisiert als von nicht deutschen. "Da muss noch viel Annäherung stattfinden", sagt der engagierte Grundschulleiter. Entmutigen lässt er sich davon nicht – im Gegenteil: "Es stellen ja nicht alle Eltern die gleichen Erwartungen an Schule. In unserer Elternarbeit versuchen wir deshalb, die besonderen Bedürfnisse von Eltern mit Migrationshintergrund zu berücksichtigen." So finden im Elterncafé regelmäßig Frühstückstreffen speziell für arabische oder türkische Eltern statt, wo zum Beispiel über den Schwimmunterricht oder über Klassenfahrten gesprochen wird. "Wir holen die Eltern aber auch gemeinsam zur Schule, wenn zum Beispiel für feste Geschmückt werden soll", sagt Rektor Laube.
"Die besten Schulen finden Sie heute in den schwierigsten Einzugsgebieten", ist der Schulleiter Laube. Denn gerade dort führe der enorme Handlungsdruck zur Entwicklung neuer pädagogischer Konzepte. Müssen nur noch die Eltern mitziehen.
Zuerst erschienen in der taz – die tageszeitung vom 14.12.2005
Wir danken der taz für die Genehmigung zum Abdruck des Artikels
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