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Eulalia Domingos will Hebamme werden. Zur Zeit ist sie noch mitten in ihrer Ausbildung als Arzthelferin in Bornheim und hofft, eine gute Prüfung abzulegen. Damit enden die klaren Zukunftsperspektiven zunächst. Die 21jährige Eulalia ist Kriegsflüchtling aus Angola und hat eine Duldung bis zum nächsten Jahr. Vor sechs Jahren kam sie nach Deutschland und fand Unterschlupf bei ihrer Tante, der einzigen verbliebenen Verwandten. Mit der Heimat verbindet sie nichts mehr.
Jugendlichen wie Eulalia Domingos hilft der mehrfach ausgezeichnete Bonner Verein "Ausbildung statt Abschiebung" (AsA), einen Beruf zu erlernen. Dafür brauchen geduldete Flüchtlinge eine Arbeitsgenehmigung, und sie wird nur erteilt, wenn kein Deutscher, EU-Bürger oder Drittländer mit gesichertem Aufenthaltsstatus sich um den Ausbildungsplatz bewirbt. Solche offene Stellen finden sich immer noch, wenn auch schwer: Bäcker, Fleischer, Schuhmacher, Verkäuferin - diese Berufe schrecken die Kandidaten mit niedriger Bezahlung, unregelmäßigen Arbeitszeiten und geringen Aufstiegschancen ab. Die ausländischen Jugendlichen sind bereit, auch Abstriche bei ihrem Berufswunsch zu machen und zu nehmen, was verfügbar ist. Mit dem Lehrgeld können sie selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen und brauchen keine Sozialhilfe. Damit haben sie bessere Chancen, bleiben zu dürfen. Und wenn nicht, dann haben sie zumindest einen Beruf.
An der südlichen Stadtgrenze von Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis ist es Schluß mit der Lehrstellensuche. Dort fängt Rheinland-Pfalz an, die Geduldeten dürfen das Land NRW jedoch nicht verlassen, erklärt Markus Krohm, Mitarbeiter von AsA. Für die Ausbilder ist die Aufenthaltserlaubnis, die alle paar Monate verlängert wird, ein Unsicherheitsfaktor. Deshalb beschränkt sich AsA nicht nur auf die Vermittlung von Ausbildungsplätzen. Der Verein hilft bei Behördengängen und der Beschaffung von Arbeitsgenehmigungen und gibt Nachhilfeunterricht, damit die jungen Leute auch die theoretischen Inhalte gut meistern können. Seit der AsA-Gründung vor 3 Jahren werden ca. 70 Flüchtlinge im Alter von 13 bis 27 Jahren betreut, 10 davon sind zur Zeit in Ausbildung. AsA wird durch den EU-Flüchtlingsfonds gefördert. 25 Helfer bringen ihre ehrenamtliche Arbeit als Kofinanzierung ein. (mjd)
Kontakt:
Verein Ausbildung statt Abschiebung (ASA) e.V., Friesdorfer Str. 91, 53173 Bonn, Tel.: 0228-9691816, Fax: 0228-9659283, geschaeftsstelle@asa-bonn.org, Spendenkonto ASA e.V.: Kontonr.: 62356, BLZ: 38050000, Sparkasse Köln/Bonn
Wir danken isoplan-Saarbrücken für die Erlaubnis zur Veröffentlichung dieses Beitrags!
Nachklang:
Im September 2006 schrieb uns "Ausbildung statt Abschiebung e.V.":
"Eulalia Domingos hat es geschafft, sie hat mittleweile eine Aufenthaltserlaubnis und arbeitet in der Universitätsklinik Bonn bei Prf. Dr. Hirner.
Den Verein Ausbildung statt Abschiebung gibt uns noch immer und unser Verein wurde im Nobember 2005 bei der Verleihung des Robert-Jungk-Preises als "Zukunftsprojekt NRW" ausgezeichnet. Seit 12.09.05 sind wir anerkannter Träger der freien Jugendhilfe gem. § 75 KJHG in Verbindung mit § 25 AG KJHG NW der Stadt Bonn."